Prinz Pi – Rebell ohne Grund

 

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(Keine Liebe/ Groove Attack)

 

»Kreuzberg Blues« lautete einer der Arbeitstitel für das neue Prinz Pi-Album. Gut, dass es nur ein ­Arbeitstitel war, roch das doch irgendwie nach pathetischer Kiezmelancholie mit Manfred Krug-Flavour. »Rebell ohne Grund« hat mit solchem Mumpitz zum Glück überhaupt nichts zu tun, sondern es ist schlicht und einfach Prinz Pis bislang bestes Album. Behaupte ich jetzt einfach mal so. Mit Sicherheit ist es aber sein nachvollziehbarstes. Statt um Verschwörungstheorien geht es auf ­»Rebell ohne Grund« nämlich um die Liebe in all ihren Facetten – sei es, dass er seiner rebellischen »Königin von Kreuzberg« mit all ihren nicht gesellschaftskonformen Facetten huldigt oder Tragisches über eine Jugendliebe textet (»Laura«). Auch das entwaffnend-ehrliche »Eifer & Sucht« schafft es genau wie die überragende Single »Du bist« gänzlich ohne Kitsch, die großen Gefühle in typischer Pi-Manier zu kanalisieren und musikalisch mit einem minimalen Blues unter die Gänsehaut zu schicken. Die Texte strotzen nur so vor Attitüde, Akribie und Präzision, doch »Rebell ohne Grund« bedeutet auch eine musikalische Weiterentwicklung vom in letzter Zeit doch recht synthetisch-futuristisch anmutenden Sound hin zu organischer Musik-Musik mit jeder Menge echten Instrumenten. Klingt jetzt vielleicht eklig, im Ergebnis aber ziemlich geil. Produ­ziert haben neben Mastermind Biztram auch noch The Royals, TiKay, Purple Maze und interessanterweise der Österreicher Whizz Vienna, mit dem Pi nebenher ja auch noch die JUICE Exclusive EP fertiggestellt hat, die dieser Ausgabe beiliegt. Was auf »Achse des Schönen« eher klassisch bis retro­spektiv geraten ist, wirkt auf »Rebell ohne Grund« überwiegend zeitgeistig bis visionär: Da überraschen den aufgeschlossenen Hörer mal progressiv, mal punkig anmutende Gitarrenläufe und peitschende Drums, aber auch Vertrackt-Elektronisches (»Generation Porno«) und Soulig-Boombappiges (»etc.«) kommt zum Vorschein. Die Idee und der Anspruch war schließlich, die Intensität und Atmosphäre alter Motown-Platten nachzubauen. Ein hehres Ziel, doch gerade jene Ambition ist es, die Prinz Pi deutlich aus dem Deutschrap-Mittelmaß heraushebt. Natürlich gibt es auch auf »Rebell ohne Grund« wieder popkulturelle Querverweise in Hülle und Fülle, etwa die Hommage an die sorglose Achtziger-Jahre-Kindheit auf dem »Marathon Mann« mit Kamp. »Drei Kreuze für Deutschland« ist gewohnt starke Geschichtenerzählerei mit unangestrengt intellektueller Note, und mit »Der neue iGod« hat der Kiez-Regent dann auch definitiv wieder die typische Pi-Live-Hymne im Gepäck. Man könnte meinen, dass dieser Friedrich Kautz schon etwas hoch greift, wenn er im Pressekit zum Album behauptet, dass »Rebell ohne Grund« sein eigenes »Sgt. Pepper’s« sei. Immerhin reden wir hier vom Referenzwerk der Beatles, dem Höhepunkt des kongenialen Songwriter-Duos Lennon/McCartney, jener Platte, die nicht wenige für das beste Pop-Album aller Zeiten halten. Ihm komplett widersprechen möchte man nach den eindrucksvollen 18 Tracks aber auch nicht. Denn im Œuvre des Berliners könnte »Rebell ohne Grund« tatsächlich einmal einen ähnlichen Stellenwert einnehmen. Ein früher Höhepunkt eines hoffentlich genau so ambitionierten Deutschrap-Jahres.

 

Text: Jan Wehn

 

 

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