Odd Future in Europa

Seit der Veröffentlichung von „Yonkers“ des Odd Future-Chefs Tyler, The Creator sind knapp drei Monate vergangen. In diesen hat sich der „coole Mutterficker und destruktive Vatermörder“ Tyler und seine Truppe vom mittelgroßen Internet-Hype zum meistdiskutierten Thema der ganzen Musikindustrie entwickelt. Mit Ausnahme ihrer persönlichen Intimfeinde berichten sämtliche relevanten Internetportale minutiös über alles, was im Universum der Wolf Gang passiert. Ihre angekündigten Shows von Berlin bis Sydney waren innerhalb von Stunden ausnahmslos ausverkauft, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal abzusehen war, dass Tyler und Co. das Energie-Level ihrer letzten Konzerte auf ihrer Reise um den Globus ein weiteres Mal steigern würden.

Neben ihren Anarcho-Gigs und der Tatsache, dass die Wolf Gang und ihr Management weitsichtig genug waren, einen Label-Deal zu unterzeichnen, bei dem offensichtlich alle kreativen Entscheidungen weiter selbst getroffen werden können, interessiert uns aber immer noch vor allem eins: Kann „Goblin“, das erste offizielle Album von Leitwolf Tyler, die hoch gesteckten Erwartungen von Fans und Musikpresse erfüllen oder entpuppt sich Odd Future doch noch als spektakulär platzende Hype-Blase?

Alle verfügbaren Anzeichen deuten jedoch auf die positive Überraschung hin. Über die Qualität der bereits zur Genüge gehörten ersten Leaks „Sandwitches“ und „Yonkers“ muss kein Wort mehr verloren werden. Aber auch der dritte Leak-Track Tron Cat„, der erneut auf bitterbösen Humor („We’re murderers and young enough to get the fucking priest to come and flirt with us.“) und einen Düsternis ausstrahlenden Beat setzt, lässt die allgemeine Zuversicht wachsen. Zudem waren Odd Future im Zuge ihrer Promo-Tour kürzlich auch in der Radio-Sendung des BBC-Moderators Zane Low zu Gast, um neben einem Interview weitere, zum Teil noch nie gehörte, Titel des kommenden Langspielers von Tyler (aka Thurnis) und MellowHype zu performen. Das komplette Interview (inkl. Performance) könnt ihr bei der BBC (ab 01:04) hören. Mit dem Song „Analog“, in dem sich Tyler und Hodgy mit der Angebeteten zu einem Stelldichein am See verabreden, gibt es aber ebenso eine weitere Hörprobe aus „Goblin“ in visueller Form.

Der kommende Freitag wird ein entscheidender Tag für die Wolf Gang. Neben ihrer ersten Performance auf deutschem Boden erscheint an diesem Tag auch „Goblin“ und damit der erste Gradmesser, inwiefern sich ein, auf zahlreichen Gratis-Veröffentlichungen aufbauender Tumblr-Hype in ein kommerziell erfolgreiches Produkt umsetzen lässt. Tyler wird es freilich weiterhin egal sein. Wie er im ausführlichen Interview in der aktuellen Ausgabe der JUICE erklärte, hat er bereits größere Ziele: „Ich will Grammys. Ich will, dass Menschen heulen, wenn ich sterbe. Ich will mit 24 eine Legende sein.“

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