No risk, just real: Wer ist Caleborate? // Feature

»I wanna save lifes first and ­foremost/Cause I remember Chance The Rapper saving me from jumping outta dorm rooms«, rappte Caleborate über einen von Youtube gerippten Beat, der aus einer J.-Cole-Dokumentation gesampelt wurde – ein Mikrokosmos dessen, welche Einflüsse den Geheimtipp aus der Bay Area als Musiker und Menschen geprägt haben.

Caleb Parker verbrachte seine Kindheit zur Hyphy-Hochzeit der Bay Area zwischen Sacramento und der Studentenstadt Berkeley, wo er heute noch bei seiner Tante wohnt. Ein Umstand, mit dem der 24-Jährige genauso offensiv umgeht wie mit seinem schwierigen Verhältnis zum in Atlanta lebenden Vater. Dieser verbrachte in den letzten Jahren Zeit im Entzug und Gefängnis, nimmt aber dennoch eine tragende Rolle in Caleborates Texten ein. »My daddy was a bank­robber/Told me how to get money« (»Bankrobber«) ist zwar metaphorisch gemeint, steht aber als prägnantes Exempel für den vererbten Hustle auf eigene Faust, der Caleborate ausmacht.

2014 gründete er neben dem Studium sein eigenes Label, arbeitete in mehreren Jobs, um seine Produktion zu finanzieren, und spammte seine Tapes in die Youtube-Kommentarspalten seiner Lieblingskünstler. Mühelos vereinigte er schon damals Westküs­ten-Bounce mit seichten Soul-Samples oder verwendete Klassiker-Beats, um seine Parts zu entladen, die zwischen Inspirations-Workshop und Selbsttherapie changieren. Die positive Resonanz auf das 2016 veröffentlichte »1993«-Tape ermutigte ihn, seinen Karriereweg zum Nachrichtensprecher abzubrechen und sich als Vollzeitmusiker durchzuschlagen. Die besten Verkaufsargumente bleiben dabei gehaltvolle Texte und zeitloser Sound, auch wenn hier Caleborates größte künstlerische Stolpersteine liegen: Zweifellos ist er ein einfühlsamer und talentierter Schreiber, seine Klangästhetik drängt sich aber selbst als Kontra zur aktuell dominanten HipHop-Landschaft nur bedingt für Neuhörer auf. Er bezeichnet seine Musik sogar selbst als recht risikofrei, macht dafür aber die mageren finanziellen Möglichkeiten verantwortlich.

Auf seinem aktuellen Tape »Real Person« deutet Caleborate den Struggle zur Tugend um und zelebriert die Arbeiterklasse auf »Soul«, für dessen Remix er bereits Big K.R.I.T. gewinnen konnte: »This is for my seven day a week, always on they grind ni**as/Sacrifice it all just so we can shine ni**as/Takin’ care of their kids on that 9 to 5, ni**a/I made this here for you, ’cause you all my ni**as«. Es ist vielleicht ein Omen, dass auf »Soul« das gleiche Sample wie für Kanyes »The Glory« benutzt wurde, denn genau wie für Mr. West ist womöglich auch die Zeit für Caleborates musikalische »Graduation« bald gekommen. Wohlgemerkt beschreitet der Kalifornier bei weitem kein Rap-Neuland, erfüllt jedoch mit Echtheit und Bravour die Rolle des charismatischen Gewissensrappers für Mittzwanziger und Teenager, von dessen Sorte es gerne wieder mehr im Game geben darf.

Text: Max Hensch

Dieses Feature erschien erstmals in JUICE #186. Back-Issues können versandkostenfrei im Shop nachbestellt werden.

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