Metro Boomin – Not All Heroes Wear Capes // Review

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(Republic Records/Universal)

Wertung: Vier Kronen

Den musikalischen Rückzug verlauten zu lassen und dann doch ein Album zu lancieren, ist im HipHop nichts Besonderes mehr. So kündigte auch Metro Boomin erst sein »Retirement« an, bevor er mit »Not All Heroes Wear Capes« überraschend sein Solodebüt und gleichzeitig sein erstes Projekt über das selbstgegründete Boominati Worldwide in Musiksphären schoss. Ein Schritt, der durchaus schiefgehen kann, bei Metro aber funktioniert – und das nicht nur, weil er mit Travis Scott, Gucci Mane, 21 Savage, Drake, Offset, Swae Lee und Young Thug mal eben die Speerspitze des Jetzt-Rap um sich versammelt. Obwohl der 25-Jährige in den letzten Jahren zahlreiche Bretter auf Albumlänge produzierte, zwischendurch Größen wie Future und Migos zum Erfolg verhalf und somit die Entwicklung des ATL-Sounds entscheidend prägte, scheint dem Beatmacher mit Vertrauensproblemen für seinen neuesten Streich noch lange nicht die Inspiration ausgegangen zu sein. Klar, düsteres 808-Gewummer und melodische Synthies finden sich auf »NAHWC« zur Genüge, lassen aber Platz für raffiniert verarbeitete Jazz- und R’n’B-Samples, melancholische Klaviermelodien und – leider nicht unbedingt zu Gunsten des Projekts – Ausflüge ins Dancehall-Terrain. Und da Travis Scott mit dem Hype um »Astroworld« ohnehin das Game dominiert, darf er die Achterbahnfahrt aus hypnotischem Autotune, eingängigen Adlibs und rollenden Drums auf »NAHWC« einfach eine Runde weiter führen, Swae Lees butterweiches Gesäusel sorgt zwischendurch für Leichtigkeit und 21 Savages bedrohliche Flüstereinlagen auf »Don’t Come Out The House« markieren sowieso schon einen der interessantesten Rapmomente des Jahres. Ob die Calypso-Trap-Versuche mit WizKid und J Balvin wirklich für die Vielfalt des Albums nötig waren, sei dahingestellt; trotz­dem definiert Metro auf »NAHWC« weiterhin den Sound der aktuellen HipHop-Landschaft und beweist erneut sein Talent, die Kreativität seiner Kollegen auf ein neues Level zu heben. Um es in 21s Worten auszudrücken: »Long as I got Metro, ni**a I’m gon shine.«

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