Method Man – Meth Lab 2: The Lithium // Review

Weder die Trap-Ausflüge zwischen all den Mid-Zweitausender-New-New-York-Beats, noch das aus der Zeit gefallene Konzept eines Mixtapes können darüber hinwegtäuschen, dass sich hier eine Legion von unbeugsamen Realkeepern versammelt hat, die nicht einsehen will, dass der Big Apple gerade zwischen den Grills eines bunthaarigen Schreihalses mit fragwürdiger Kriminalakte vor sich hingetragen wird.

(Hanz On Music)

Wertung: Drei Kronen

Wu-Tang-Fan zu sein, war noch nie einfach. Auf jedes »Enter The Wu-Tang (36 Chambers)« kam ein »A Better Tomorrow«, auf jedes Reakwon-Feuer kam ein U-God-Ausfall und die Notwendigkeit von »Tical 0: The Prequel« bleibt wohl für immer in der 37. Kammer verschlossen. Method Man zählte trotzdem immer zu den verlässlicheren Wu-Kriegern, dank seiner durchdrungenen Präsenz und seines Charmes, Neudeutsch: Drip. Das ist auch im Jahr 2019 so und für einen 47-jährigen Rapper im 25. Karrierejahr sicher keine Selbstverständlichkeit. »Meth Lab 2: The Lithium«, vollmundig als sechstes Studioalbum von Meth angepriesen, hinterlässt allerdings mehr Fragezeichen als Eindrücke. Zum Beispiel, warum man über 20 Gastbeiträge auf 22 Anspielstationen (minus Skits sogar nur 17) platzieren muss, wenn Meth auf den Solotunes »Grand Prix« und »Two More Mins« seine Stärken ausspielen kann. Oder warum man einen Publikumsliebling wie Snoop Dogg auf ein steifes Streicher-Piano-Konstrukt lockt, das schon vor 15 Jahren als lauwarmer Dre-Aufguss nicht durchgegangen wäre. Oder auch warum man im Zeitalter von Spotify-Abos und Adblockern es für eine witzige Idee hält, fiktive Werbeunterbrechungen als Skits zwischen die Songs zu schieben – abgesehen davon, dass hier neben Sheek Louch, Nore und Redman haufenweise C- und D-Ligisten unter dem allmächtigen W mal mehr, mal weniger spannend über die Takte marschieren. Sicher gibt es hier auch Heat im Deck. »Meth Lab 2« demonstriert aber aus der Vogelper­spektive betrachtet das große Problem der HipHop-Mutterstadt New York. Klar, lyrisch wie performativ hat Meth hier einen echten Talentpool zusammengecastet. Doch weder die Trap-Ausflüge zwischen all den Mid-Zweitausender-New-New-York-Beats, noch das aus der Zeit gefallene Konzept eines Mixtapes können darüber hinwegtäuschen, dass sich hier eine Legion von unbeugsamen Realkeepern versammelt hat, die nicht einsehen will, dass der Big Apple gerade zwischen den Grills eines bunthaarigen Schreihalses mit fragwürdiger Kriminalakte vor sich hingetragen wird.

Meth Lab Season 2: The Lithium [Explicit]
  • Hanz On Music Entertainment
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