Luvre47: »Ich habe früh rausgefunden, dass ich mit einem 9-to-5-Job nicht glücklich werde« // Interview

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Luvre47 steht für kompromisslosen Straßenrap und ist in der Szene längst kein Newcomer mehr. Nachdem er etliche EPs veröffentlicht hat, zu denen unter anderem die »Hamsterrad EP« aus 2020 und das gemeinsame Projekt mit Bangs »Zweimalvier« zählen, ist in diesem Jahr endlich sein Debütalbum »Herz« erschienen. Das ist nicht nur ein wichtiges Release in der bisherigen Diskographie des Rappers aus Gropiusstadt, sondern vor allem ein großer Schritt in seiner Entwicklung. Die Tales aus der Hood werden von Luvre47 um persönliche Einblicke erweitert, die von Struggles, Konflikten sowie Emotionen erzählen und ihn als Person greifbarer denn je machen. Wir haben uns mit Luvre47 über die Bedeutung von Gropiusstadt, seinen bisherigen Weg, Musik als unabhängigen Hustle und die Wertschätzung für seine Eltern unterhalten.

Foto: @thenastyfotos

Dein Debütalbum »Herz« ist jetzt schon eine kleine Weile draußen. Wie lief das Release? Bist du zufrieden damit?
Luvre47:
Absolut. Ich bin ja nicht so ein Kickstart-Artists, der ein Album rausbringt und dann direkt erwartet, dass das Ding Millionen von Streams hat. Ich bin mit der Resonanz und dem Feedback also mehr als zufrieden. Gerade auch weil es vielleicht kein Stilbruch war, aber doch sehr viel emotionaler und tiefer geht als die Sachen davor. Es ist bei Künstlern ja immer so, dass wir uns ein bisschen einscheißen bevor die Platte rauskommt und uns fragen wie sie ankommt. Ich war da sehr zufrieden, habe viele positive Nachrichten bekommen und bin damit sehr happy.

Gerade beim ersten großen Debütalbum überlegt man wahrscheinlich doppelt und dreifach, wie es sich konkret ausgestalten soll, oder?
Luvre47:
Definitiv. Im Vergleich zu anderen habe ich relativ lange mit einem Album gewartet und davor nur EPs rausgehauen. Das habe ich bewusst so gemacht, weil das Debütalbum für mich etwas besonderes ist und ich wollte, dass alle äußeren Umstände passen und ich mir genug Zeit dafür nehmen kann. Ich hätte mir am Ende des Tages eigentlich gerne noch ein Jahr länger Zeit gelassen, aber damit muss man sich abfinden.

Gab es Schwierigkeiten das Release während der Corona-Pandemie fertigzustellen?
Luvre47: Es gibt Songs wie »In den Lauf«, die schon vor der Pandemie fertig waren. Bei dem fand ich damals schon, dass er so tief war, dass er auf jeden Fall ein Album-Song werden sollte. So hat sich mit der Zeit hier und da etwas angesammelt. Und da das Album jetzt in der Schlussphase der Pandemie erschienen ist, zumindest hoffentlich, hatte man sich schon damit arrangiert, wie man in dieser Zeit arbeiten kann. Wir Musiker haben das Glück, dass es unsere Arbeit ist ins Studio zu fahren, weswegen ich keine großen Probleme hatte. Das einzige was natürlich weggefallen ist, war eine direkt anschließende Tour zum Album, das ganze Live-Business. Aber wenn man das ausklammert, war das eine sehr angenehme Phase, gerade zum Arbeiten. Diese Lockdown-Phasen haben mit sogar mehr Spaß gemacht, weil man mehr Freiraum hatte, nicht von links und rechts an einem gezerrt wurde und man eh nichts besseres tun konnte als Musik zu machen. Bei Videodrehs gab es hier und da Probleme, aber damit konnte man sich trotzdem arrangieren.

Du hast gerade schon gemeint, dass »Herz« deutlich persönlicher geworden ist als vorige Projekte. Es fühlt sich außerdem ein bisschen wie eine Reise durch wichtige Phasen deines Lebens an, bei denen es einen gemeinsamen Nenner gibt: Gropiusstadt. Was bedeutet Gropiusstadt für dich und wie hat die Gegend dich geprägt?
Luvre47:
Ich muss echt in fast jedem Gespräch die Bedeutung von Gropiusstadt erläutern und denke mir mittlerweile »Abo, ich bin von außen so ein richtig krasser Lokalpatriot geworden!« Vielleicht sollte ich das ein bisschen weniger thematisieren. (lacht) Aber es ist eben das Epizentrum meines Lebens. Ich bin hier aufgewachsen, war ab und zu auch woanders, aber der Weg hat immer hierher zurückgeführt und ich lebe nach wie vor hier. Ich habe da die einschneidendsten Phasen meines Lebens verbracht, mein Freundeskreis ist dort und viele Geschichten, die ich erzähle, sind dort passiert. Gerade bei uns in Berlin liegt es ein bisschen in der DNA, das eigene Viertel zu repräsentieren. In Gropiusstadt haben wir das Ding, dass wir südliches Neukölln sind und Leute meistens an den nördlichen Teil und das Rathaus denken, wenn sie von Neukölln sprechen. Wir hatten den Anspruch unsere Ecke auf die Karte zu bringen, deshalb ist das in den letzten Jahren so massiv in meine Musik eingeflossen. Ich habe es auch bei Rap aus den Staaten immer sehr gefeiert, wenn Leute ihre eigene Community supportet haben und die Hood nicht vergessen. Nichtsdestotrotz bin ich Berliner und in meiner Zeit hier sehr viel rumgekommen.

Hast du dein Aufwachsen als hart empfunden?
Luvre47:
Es ist immer so eine Sache. Wir sind immer noch in Deutschland, wo es uns im Vergleich zu anderen Ländern und Regionen noch sehr gut geht. Natürlich ist das Leben hier anders als in gut betuchten Gegenden, aber trotzdem kein absoluter Spießrutenlauf. Die wirklich roughe Zeit war eher das frühe Erwachsensein, als man lernen musste für sich selbst zu sorgen. Ich habe auch früh rausgefunden, dass ich mit einem normalen 9-to-5-Job nicht glücklich werde und nicht für den Reichtums eines anderen Ackern kann. Dadurch hat der Hustle sehr früh angefangen und ich habe mir die Frage gestellt, was ich eigentlich mit meinem Leben anfangen will. Wie verwirkliche ich mich selbst und verdiene dabei auch noch Geld? Das hat eine Weile gedauert und ist mehr oder weniger durch Zufall die Musik geworden. Aber die Gegend hier ist halt nicht Compton, weißt du? Es ist nicht so einfach, dass man sagen kann „Hier ist es besonders hart und an anderen Orten hat man es viel leichter.« Du kannst auch im letzten Kaff in einer schlechten Ecke wohnen und da kann es auch sehr rough sein. Berlin hat den Straßen-Hardcore-Stempel nicht alleine gepachtet.

»Wir machen sehr viele Sachen selber und sind mittlerweile ein kleines Team. Ich bin extrem stolz darauf, dass wir zum Beispiel Sachen wie Merch nicht auslagern müssen und das Game so spielen, dass wir vieles in der eigenen Hand halten.«

Du hast schon erwähnt, dass dein eigener Hustle dann die Musik geworden ist und greifst auf »Herz« auch ein paar wichtige Momente deiner Karriere auf. Mir ist besonders ein Part im Kopf geblieben, wo du erzählst, wie dein Kumpel nach fünf Jahren aus dem Knast kommt und ihr als erstes zum Splash! fahrt. Gab es so etwas wie einen entscheidenden Moment, wo du dich für die Musik entschieden hast?
Luvre47: Das war ein schleichender Prozess. Musik war für mich immer sehr groß und unerreichbar. Klar, man kann bei einem Kumpel mal einen Song aufnehmen, aber dass man selbst professioneller Musiker wird, war sehr weit weg. Ich habe eine Weile lang Mukke gemacht und die nur im Freundeskreis rumgezeigt. Irgendwann wollten die Leute dann auch, dass ich mal Sachen ins Internet stelle, was ich lange Zeit nicht gemacht habe. Es war ein schleichender Prozess: Erst gucken 20.000 Leute dein Video und du bildest dir noch nichts drauf ein. Dann darfst du durch Zufall etwas bei Aggro TV hochladen und es sehen 100.000 Menschen. So bildet sich ein anderes Selbstbewusstsein, was man sich zutrauen kann. Ich war schon immer ein Freund davon, sich selber zu verwirklichen und aufzubauen. Selber etwas zu schaffen und mit Freunden selbst anzupacken. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich hier wirklich etwas reißen und etwas erreichen kann. Irgendwann kann man dann auch Miete und Essen davon bezahlen und entwickelt einen ganz anderen Fleiß dafür.

Die Anekdote mit meinem Kumpel, die du angesprochen hast, war echt krass. Mein Freund ist reingegangen als es noch gar keine Musik von mir gab. Als er fünf Jahre später rausgekommen ist und sein erstes Freigang-Wochenende hatte, haben wir ihn in einen 9er-Bus gepackt und sind mit ihm zum Splash! gefahren, weil wir dort Auftritt hatten. Das Musik-Ding ist alles passiert, während er gesessen hat. Wenn mal ein Handy für ihn geklärt werden konnte, konnte er ein paar Sachen im Internet nachgucken oder hat sie erfahren, wenn wir telefoniert haben. Aber natürlich kriegst du dort drinnen viel weniger mit. Das war schon ein Flash. Ein Moment, in dem man krass stolz war. Bei uns war es so: Wir waren vorher nie auf dem Splash! Das war viel zu weit weg, sich ein 200-300€-Ticket zu holen und ein paar Tage zelten zu gehen. Das war einfach nicht drin, da spreche ich eigentlich für meinen gesamten Freundeskreis. Das war ein Moment, wo ich stolz war, dass wir etwas auf die Beine gestellt hatten, auch wenn es noch nicht so groß war wie bei anderen Artists. Über die letzten 2-3 Jahre hat sich unsere Arbeit nochmal professionalisiert, sodass wir mit einem anderen Tatendrang an die Sachen rangehen.

Also nehme ich mal an, dass du das Musik-Ding zu deiner Vollzeitbeschäftigung gemacht hast und so viel Energie reinsteckst wie geht.
Luvre47:
Absolut. Ich arbeite, ohne das blöd zu meinen, das doppelte bis dreifache von dem, was Leute in einem normalen 9-to-5-Job machen. Ich arbeite gefühlt Minimum 12 Stunden an 7 Tagen der Woche an der Kunst, mir selber und allem, was drumherum passiert. Wir machen sehr viele Sachen selber und sind mittlerweile ein kleines Team. Ich bin extrem stolz darauf, dass wir zum Beispiel Sachen wie Merch nicht auslagern müssen und das Game so spielen, dass wir vieles in der eigenen Hand halten. Und wenn der Punkt kommt, wo man Hilfe braucht, wollen wir das nicht auslagern, sondern lieber Leute in unser Team integrieren. Wir wollen da langfristig denken und vielleicht auch irgendwann dem ein oder anderen Kumpel die Möglichkeit bieten, Musik zu veröffentlichen. Aber alles mit Geduld und Weitsicht.  

Wo wir schon bei Teams sind. Wäre es eigentlich die beste Alternative zum Musik-Hustle gewesen, wenn du Fußballprofi geworden wärst. Auf dem Album rappst du davon, mal einen Elfer für Hertha zu halten.
Luvre47:
Ich habe in meiner Jugend auf einem hohen Niveau gespielt, in der B-Jugend und A-Jugend sogar Bundesliga. Da wäre bestimmt etwas gegangen, aber es sollte nicht sein. Ich will das gar nicht auf irgendwelche Knieverletzungen schieben, wie Leute das gerne machen. (lacht) Es hat einfach nicht für den hochklassigen, bezahlten Fußball gereicht. Für den mittelklassigen Fußball von unterer zweiter Liga bis vierte Liga hätte es reichen können, da wird auch noch bezahlt. Aber das war nicht die Welt, die ich mag. Gerade der bezahlte Fußball ist eine sehr primitive Welt. Als Freigeist, wie ich mich selbst sehe, ist man da sehr limitiert und fühlt  sich sehr verloren. Das hat mir immer mehr Spaß geraubt und ich musste irgendwann einsehen, dass ich kein krasser Fußballprofi mehr werde, obwohl es eine Zeit lang gut aussah. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mich auf andere Sachen konzentrieren wollte.

Verfolgst du Fußball trotzdem noch als Fan?
Luvre47:
Mein Leben war echt sehr lange darauf ausgerichtet, auch wenn ich schon früher immer Flausen im Kopf gehabt habe und mich links und rechts mit anderen Sachen beschäftigt habe, anstatt mich nur auf den Sport zu fokussieren. Ich habe immer noch meinen Lieblingsverein und versuche den zu supporten, war da aber auch schon viel aktiver unterwegs. Irgendwann musste ich einsehen, dass man sich Sachen suchen muss, die einen selbst voranbringen, wenn man im Leben vorankommen will. Der Hertha hinterherzufahren und darauf zu hoffen, dass wir irgendwann mal Meister werden, ist dann auch nicht die Erfüllung für mich selbst. Aber es gibt Leute, denen das extrem viel gibt. Bei mir selbst war das eine Zeit lang auch so und ich habe viele meiner Freunde aus dieser Zeit.

Klar, gerade Auswärtsfahrten sind einfach ein sehr zeitaufwändiger Support, bei dem man trotzdem in einer eher passiven Rolle als Unterstützer bleibt.
Luvre47:
Es ist einfach auch wahnsinnig undankbar. Gerade im kommerziellen Fußball ist kein Platz für Meinung und die Vereine dürfen den Fans diesen Platz schon fast gar nicht mehr geben, weil es zu kontraproduktiv für die wirtschaftliche Situation ist. Dementsprechend muss man einsehen, dass man da wenig Wertschätzung zurückbekommst.

»Ich konnte über die Musik und über dieses »Etwas aus sich machen« den Respekt meiner Eltern zurückerkämpfen.«

Ist Deutschrap generell nicht auch eine total kommerzialisierte Welt?
Luvre47:
Voll. Es ist nicht ganz die gleiche Dimension, aber auch in der Musikwelt gibt es genug Scheiße, die einen abfuckt. Ich will gar nicht in so einen Rant-Talk kommen, aber was du meinst kann man schon unterschreiben. Da macht man dann manche Moves gar nicht, weil man zu stolz dafür bist und zu viel Skepsis hat. Am Ende ist es trotzdem ein Business und man muss gucken wie man stattfindet und vorankommt. Wichtig ist eine eigene Nische zu finden, wo etwas funktioniert, ohne dass man sich »verkauft«. Aber ich bin eh nicht der Artist, der einen absoluten Höhenflug erwartet und gehe daher mit Geduld an die Sache ran. Man muss nicht direkt Top10-Artist sein, um sein Geld damit zu verdienen. Solange ich die Sachen mit mir selbst vereinbaren kann und Feedback aus meinem Umfeld bekomme, funktioniert das. Ich hole mir auf jeden Fall immer Meinungen ein, bevor ich neue Wege einschlage.

Um zurück zum Album zu kommen. Dort geht es auch auf persönlicher Ebene darum, mit sich selbst im Reinen zu sein. Gerade in Bezug auf deine Eltern, speziell deine Mutter, wird das und außerdem der Respekt deutlich, den du hast. Das Thema hast du auch schon auf früheren Releases verhandelt, wie sieht deine Beziehung zu deinen Eltern aktuell aus?
Luvre47:
Aktuell ist mein Verhältnis zu meinen Eltern super und das habe ich der Musik zu verdanken. Ich konnte über die Musik und über dieses »Etwas aus sich machen« den Respekt meiner Eltern zurückerkämpfen. Das hat seine Zeit gedauert und war nicht immer so ein goldenes Verhältnis. Es gab mit meinem Elternhaus auch sehr schwierige Zeiten und ich bin früh raus von zu Hause. Über die Musik konnte ich Frieden mit mir selber und auch mit meinen Eltern finden. Ich habe ihnen sehr viel zu verdanken, nicht unbedingt aus finanziellen Aspekten, sondern eher in der Art wie sie mich als Menschen geformt haben und mir bestimmte Werte mitgegeben haben. Mit der Zeit ist mir das immer mehr bewusst geworden. Das betrifft natürlich nicht nur meine Ma, sondern auch meinen Vater, aber die Mutter ist eben häufig die sensiblere Seite des Elternhauses. Ich kann froh sein, dass ich ein intaktes Elternhaus habe, in dem beide da sind. Ich habe meine Eltern auch Scheiß-Situationen ausgesetzt. Wenn die Bullen dann mal wirklich mit einer energischen Haltung vor der Tür stehen und deine Ma weiß wo’s langgeht und wie sie sich zu verhalten hat, um nicht gerade die Tür aufzumachen und dich noch tiefer in die Scheiße zu reiten, dann ist man dafür Jahre später sehr dankbar. Mit mir hätte es definitiv auch woanders hingehen können. Es ist jetzt kein klassischer »Mama es tut mir Leid und ich kaufe dir jetzt ein Haus«-Song, sondern ein bisschen tiefer. Ich wollte ihnen meine Dankbarkeit zeigen und gerade mit der Platte »Herz« und dem zugehörigen Titelsong konnte ich reinen Tisch mit meinen Eltern machen. Auch meine Eltern wussten lange nicht, in welchen Gefilden ich unterwegs war und man konnte ihnen nicht direkt offenbaren, wie das alles für mich funktioniert hat. Mit der Zeit und über die Musik konnte ich ihnen das erklären und es war für mich selbst ein wenig überraschend, dass sie damit so krass im Reinen sind. Heute stehen meine Eltern voll hinter mir und hinter der Kunst. Darauf bin ich extrem stolz und deswegen fließt das öfters mit ein. Es gibt auch einen ähnlichen Song, der an meinen Dad gerichtet ist, der noch nicht draußen ist. Er sollte bewusst nicht auf’s Album, weil das trotzdem kein Family-Album sein soll. Aber es war mir schon wichtig, das zu beleuchten. Gerade weil ich das Thema oft sehr flach behandelt sehe, was ich gerade schon mit diesen typischen Mama-Songs meinte. »Ich mach alles für dich Mama«, »Ich kaufe ein Haus für dich Mama« –  das ist bei 75% der Leute straight Cap, weil das Geld dann doch zuerst in den AMG fließt. Wenn ich nach Hause komme, brauche ich meinen Eltern auch nichts kaufen und hinzustellen, darum geht es gar nicht. Deshalb wollte ich diese klassischen Sätze gar nicht droppen, denn es geht vielmehr um die persönliche und emotionale Ebene.

Und im Gesamten trifft das ja auch auf »Herz« als Album zu, das an vielen Stellen mehr als gewohnten Straßenrap bietet, sondern dich als Person näher beleuchtet und auf emotionale Momente eingeht.
Luvre47:
Genau, das war das Ziel des Albums. Du hast vorhin ja nach dem Feedback gefragt und das war so ein Ding, wo ich mir nicht sicher war, ob den Leuten die pure Straße und das »In die Fresse« fehlt oder ob sie checken, warum man das so macht. Ich hatte das Gefühl, dass die Leute das geahnt haben und das war mir wichtig.

Auf dem Outro-Track, der sich auch nochmal um die Hood dreht, gibt es die Line »Frieden in der Gegend, Krieg im Kopf«. Gilt das immer noch oder hast du mittlerweile mehr Frieden mit dir selbst geschlossen?
Luvre47:
Das ist eine schwierige Frage. Ich bin definitiv mehr mit mir im Reinen als vor 2-3 Jahren und habe definitiv mehr Hoffnung für das Leben. Wie ich gesagt habe: Bevor ich meinen Weg zur Musik gefunden habe, war ich sehr planlos, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Ich merke, dass sich bei mir im Kopf eine Menge tut und ich mehr Zuversicht für mich selber finde. Ich bin auch ein Mensch, der sehr von Ängsten geleitet wird. Existenzangst herrscht auch heute noch zu einem Teil vor. Musik ist nichts, wo du sicher weißt, dass du das bis zum Alter von 60 machen kannst. Wenn ich Pech habe, hört mir in einem Jahr keiner mehr zu und ich stehe wieder da, wo ich vorher war. Mittlerweile habe ich gelernt, daraus Motivation zu ziehen und meinen Arbeitsfleiß zu stärken. Ich bin deutlich zuversichtlicher als früher, trotzdem gibt es weiterhin dunkle Phasen, wo man abgefuckt ist, zweifelt und der ganzen Sache kritisch gegenübersteht. Gerade wenn etwas nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat. Aber ich bin mittlerweile in Therapie, habe Hilfe, kann darüber sprechen, wenn ich Ängste habe und mir Hilfe holen. Dieser Schritt, sich einer dafür qualifizierten Person gegenüber zu öffnen, hat lange gedauert. Mit gewissen Bewältigungsstrategien kannst du anders an solche Themen rangehen und fällst emotional nicht mehr ganz so tief, wenn etwas schiefgeht. Ich bin vielleicht noch nicht komplett im Reinen mit mir, aber mittlerweile viel gefestigter.

Interview: David Regner

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