Logic – The Incredible True Story

logic_cover

(Def Jam / Universal)

Wertung: Dreieinhalb Kronen

Während der Großteil seiner XXL-Freshman-Kollegen auf lilanem Sirup durch’s imaginierte All schwebte, hüllte sich Logic lieber in eine Jacke mit NASA-Emblem, setzte sich mit Zettel und Stift an den wenig futuristischen Schreibtisch und erdachte sich seine eigene Spaceship-Theorie. Die fungiert jetzt als roter Faden seines zweiten Albums »The Incredible True Story«. Die Commander Kai und Thomas schnacken in kurzen Skits mit Bordcomputer Thalia über Musikklassiker, Pussys und technischen Fortschritt. So leiten sie die Tracks von Logic ein, während sie durch weites Schwarz reisen. Die Erde hat längst abgedankt. Eine beklemmende Dystopie. Logic erzählt dann, dass er ein »Upgrade« hinter sich hat, doch das stimmt nur bedingt. Bei aller Weltraumromantik driftet er nicht etwa in weirde Fantasien ab, sondern bleibt weltlich. Seine Mission ist momentan vor allem das Touren. »The Incredible True Story« dreht sich hauptsächlich um ihn selbst in der Gegenwart. Um seine verkorkste Liebe, um HipHop und darum, dass er nun mal der Beste ist. Der Größte, der Großartigste – »I am the greatest«. Ein guter Rapper ist Logic tatsächlich, vor allem wenn er am Anfang mit unglaublicher Geschwindigkeit über seine Wiederkehr spricht. Einen eigenen Stil hat er dabei leider nicht gefunden. Logic mimt den Meister der Adaption, ein rappendes Chamäleon. Er schwankt zwischen den Stilen seiner Vorbilder von Drake bis Kid Cudi. Und auf dem letzten Track: Ist das etwa Kendrick Lamar? Nein, Logic. Die Produktionen aus der eigenen Feder und der von 6ix sind melodiös und wenig spacig. Sie funktionieren, allein der Mut zum Neuen fehlt. Immer wieder hat er auf dem organischen Mischmasch gute Ansätze, fragt sich, warum man Drake für seine Themenwahl basht, aber gleichzeitig 2Pac für Geld-Tratsch auf Breakbeats feiert und fordert die Gleichheit aller Menschen. Der Ansatz der Story, die zwischen den Tracks erzählt wird, ist interessant, jeder Track geht gut ins Ohr. Hängen bleibt dagegen wenig. Um sein Potenzial aber vollends auszuschöpfen, müsste Logic wirklich mit dem Raumschiff durchs All rauschen. Und sei es, um sich von seinen Einflüssen zu emanzipieren.

 

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