Review: Left Boy – Permanent Midnight

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(Downbeat Records/Warner)
 
Diese gewisse Vorliebe für abgeschmackten amerikanischen Softrock der 1970er – wenn etwa Ambrosia oder Andrew Gold gesampelt werden – macht den vieldiskutierten Österreicher Left Boy ja irgendwie schon wieder sympathisch. Das ist so mit das schmalzigste, worauf unsere Eltern einst abgefahren sind und stellt eine positive Entwicklung dar, nach dem doch immer häufigeren und recht platten Sampeln aktueller Hits. Und auch wenn man als gelernter HipHopper mit Abschluss an der School of Hard Knocks erstmal eine Aversion gegen den Richboy-Style des Sohnes von Roncalli-Gründer und Aktionskünstler André Heller entwickelt, so dringt früher oder später sein multi-musikalischer Ansatz aus der Perspektive eines Bonzenjungen (»Look, I was born rich / I don’t give a fuck about rims / A fuck about cars / A fuck about bling«) doch zu einem durch – wie etwa im gerade zitierten »Healthy Ego«. Neid ist ohnehin immer ein schlechter Ratgeber. Doch Left Boy wird nicht allein wegen seiner vermeintlich fehlenden Realness ziemlich viel einstecken müssen. Dass der Junge als Rapper auftritt, dürfte allein genügen. Und von eben jenem Gedanken, sollte man sich für dieses Album freimachen. Denn Left Boy ist in etwa soviel Rapper wie Jello Biafra von den Dead Kennedys, Jacques Brel oder Justin Timberlake. Diesem kommt er mit seinem vielfältigen Stil vielleicht am nächsten, im Besonderen im Video zu »Black Dress«, in dem JT auch optisch kopiert wird. Left Boy ist Popmusiker durch und durch und er weiß die besten Einflüsse populärer Genres miteinander zu vereinen. Genau da liegt die Stärke und gleichzeitig leider auch die größte Schwäche von »Permanent Midnight« – von der Diskussion über seine Stimme mal abgesehen. Left Boy will einfach zuviel: Einerseits den sexy Don Juan mimen, andererseits den Happy-Sing-A-Long-Teenierapper, zwischendurch den gefühlvollen Poeten an der Akustikgitarre und dann wieder den Boomfunk MC, der in einem Song auch noch drei bis vier Beat-Epochen zitiert. Da fehlt der Mut zum klaren Bekenntnis, stattdessen wird alles wild durcheinander geschmissen und hinterlässt einen leicht irritierten Hörer.
 
Text: Pat Cavaleiro
 

 

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