Lapalux – Lustmore // Review

lapalux_lustmore
 
(Brainfeeder/Rough Trade)
 
»Lustmore« ist ein Sound-Gemälde im Großformat. Auf dem Nachfolger seines 2013er Debüts »Nostalchic« pinselt Lapalux wieder einmal Klänge quer über das gesamte Frequenzspektrum. Im Fokus der 13 Tracks steht dabei oft – allem Futurismus zum Trotz – ein gutes altes, manchmal schon etwas deformiertes E-Piano. Drumherum schmiert Lapalux dann freihand Synthie-Linien in geradezu klassischen Klangfarben subtraktiver Synthese. Skizzenhaft legen sich darüber immer wieder Vocal-Passagen (bevorzugtes Motiv: Andreya Triana), die an mancher Stelle kurz gefährlich nach Popsong-Realismus klingen, dann aber meist direkt in posthumane Autotune-Abstraktionen hin und her transponiert werden. Dazu Drums, die immer wieder die Perspektive verschieben und alle geraden Linien stolpernd auflösen. Überhaupt bewegt sich hier ständig alles. Während im einen Moment noch die knisternde, rauschende Oberfläche der Sounds den undurchschaubaren Vordergrund bildet, stürzt schon im nächsten alles in jene unmöglichen Hallräume zusammen, in denen elektronische Melancholien heute so gerne baden. Apropos: die Synthesizer leiden hier durch die Bank an ausgeprägten Stimmungsschwankungen. Auf dem Opener »U never know« und dem großartig traurigen »Closure« schwelgen sie im Detune-Pathos, auf »Midnight Peelers« leiern sie dir dann beinahe ein wippendes Tanzbein aus den Rippen. Die stärkste Passage aber bilden die vier letzten Tracks, angefangen mit dem als Teaser veröffentlichten »Don’t mean a thing«, das sich gegen Ende in ein Solo aus verregneten Sound-Schlieren hineinstampft. Über den bedächtigen Beginn von »1004«, das sich erst im zweiten Teil als hybride Kreuzung aus Pop-Ballade und Footwork-Rhythmatik zu erkennen gibt. »Make Money« statuiert ein radikales Exempel hyperkapitalistischer Reduktion der eingesetzten Subbass-Mittel und »Funny Games« lässt noch einmal vier Minuten lang Revue passieren, was dieses Album ausmacht: Wenige Granden der Beat-Avantgardisten bieten im Moment eine so stimmige Sound-Palette wie Lapalux.
 

 
Text: Malte Pelleter
 

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