Kwam.E – Whut Da Phunk?! // Review

(Nur! Musik)

Wenn sich einer High-Level-Ignoranz auf die Schläfe tätowieren darf, dann Kwam.E. »Whut da Phunk?!« ist der reinste Deutschrap-Anachronismus: MPC-Geknister statt 808, BMX statt Bentley, und wo andere dramatische Pausen zwischen Bars setzen, füllen sich bei Kwam.E erst die Zeilen mit Absurditäten. Der Hamburger, der mit einem Sechzehner für »Bist du down?« Teil von Deutschraps aberwitzigstem Hype wurde, transformiert sich mit »Whut da Phunk?!« vom Handlanger zum Protagonisten eines vollkommen surrealen Films: Teletubbies und Timbaland-Boots, Kommissar Columbo und Cracksteine stecken die Welt des Stimmenverstellers aus Mümmelmannsberg ab, der Dancehall-Reibeisen und New-York-Spitter in einem ist, während er Vergleiche aus dem Mighty-Ducks-Trikot schüttelt und dabei »fly wie Tabaluga« ist. Wer Kwam aber als bloßen Abzug eines Nineties-Negativs versteht, hat die letzten zwanzig Jahre selbst verschlafen. Denn zum einen funktionieren Kwams Flows auf den schwer hinkenden Boombap-Beats von Classic.Der.Dicke als vertonte Insta-Retro-Ästhetik und sind damit so zeitgemäß wie sie nur irgendwie sein könnten. Vor allem aber ist die Erzählung von Kwam.E so eigensinnig, dass man sie gar nicht genug hervorheben kann. Kwam predigt Werte, die in der Vergangenheit vor allem in Rucksäcken transportier wurden: Liebe, Respekt und Achtung. Ja, Kwam.E verteilt auch ganz ohne Ironie Props an Eloquent, um sich an anderer Stelle ganz selbstverständlich als Fashionvogel oder Blockzeuge zu entpuppen. All das kann ein Hamburger, Baujahr 1995, heute mühelos in einer Person vereinen – »fresh, frech and funky till the death«.

Whut da Phunk
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