Kwam.E: »Mich und Tee kann man sich wie Yin und Yang vorstellen. Ich bringe ihre Positivität auch mit, aber mit Zorn« // Feature

»Bist du down?« machte Vibes aus Hamburger Skateparks letztes Jahr zum globalen Insta-Story-Bett und wirft nun einen großen Schatten in den Weg von Ace Tees Kolla-Bro Kwam.E. Glücklicherweise fühlt der sich im Dunklen zu Hause. So klingt zumindest seine Solo-EP »Whut Da Phunk«.

»Mich und Tee kann man sich wie Yin und Yang vorstellen. Ich bringe ihre Positivität auch mit, aber mit Zorn. Die Beats machen mich so. Wenn ich einen Beat höre, der mich catcht, sagt mir mein Herz genau, was ich schreiben soll.«

Kwam ist ein Prozessor. Auch das winterliche Wetter, in dem die EP entstand, trug dazu bei, sich vom sonnigen Ace-Tee-Vibe abzuheben – und passte perfekt auf die Beats von Classic.der.Dicke. Der teilt sein Faible für Interpunktion rein zufällig mit dem Izza und ist rauschenden Sample-Sounds verhaftet, zeichnet sich aber durch besonders druckvoll abgemischte Drums aus, die sich mit Kwams Delivery zu einem stimmigen Energiebündel ergänzen. Eloquent und die Sichtexot-Crew sowie der Retrogott haben den Hamburger zu diesem Style inspiriert.

Weiß man um die Einflüsse, kann man sie auf »Whut Da Phunk« hören: Kwam ist rabiater und weniger philosophisch, aber die absurden Battle-Lines und die eigenbrötlerische Attitüde hat er durchaus mit dem Huss-und-Hodn-Frühwerk gemein. »Die meisten Leute denken, ich bringe den Oldschool oder Boombap zurück. Was ich aber eigentlich machen will, ist Phunk. Das ist nicht von Boombap beeinflusst, sondern von Rugged-&-Raw-Funk und ein neuer Sound.« Kwam bezieht sich hier auf die meist »Deep Funk« genannte Bewegung, die auf eine Londoner Partyreihe des DJs Keb Darge zurückgeht und sich durch raue Funk-Produktionen mit schwerfälligen Drums und klaren Rhythm-and-Blues-Wurzeln auszeichnete. Deep-Funk-Platten erschienen in kleiner Auflage und waren die Untergrund-Antithese zum vorherrschenden Disco-Funk der Siebziger.

Zwischen Beats, die Leichen verschwinden lassen, und Flows, die Gegner zer- und ihre Gedärme verteilen, verpflichtet sich Kwam jedoch der positiven Message. Davon zeugt der Song »Peace, Love & Harmony«, der in Erinnerung an seine Schulzeit entstand: »Ich war der einzige Schwarze an der Schule und wurde mehr gemobbt als andere. Irgendwann habe ich mir den Respekt geholt und gesagt: So geht das nicht! Dann haben sie gemerkt, ich kann tanzen, ich kann rappen – ich kann angeblich alles, weil ich ja schwarz bin. Plötzlich war ich super beliebt.« Bringt man schon als Kind genügend Selbstbewusstsein mit, so scheint es, kann man also diffamierenden Rassismus in Exotismus wenden, kommt aber von Stereotypen trotzdem nicht los.

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