Kanye x Jay-Z x Big Sean

Hit Boy macht es zurzeit einfach klar. Nach dem er mit dem »Niggas in Paris«-Beat die Grundlage für den größten Abi-Ball- und Club-Hit der letzten und nächsten Jahre ablieferte, rappen Kanye und Jay-Z erneut auf einer Hymne, die sich bestens zum Vorglühen für die letzten Gangs der Stadt eignet. »Clique«, die nächste Single für den G.O.O.D. Music Sampler »Cruel Summer«.

Big Sean übernimmt nach dem James Fauntleroy-Intro den Einstieg und beweist, dass er ohne weiteres neben den beiden Giganten bestehen kann. Sein letztes Mixtape war bereits eine kleine Style-Offenbarung. In »Clique« schüttelt der MC aus Detroit ebenfalls einen Kalauer nach dem anderen aus dem Ärmel, inklusive »It ain’t no fun if the homies can’t have none«-Referenzen. Die repetitive Hook ist ein Element, welches gleichermaßen auf Nachhaltigkeit getrimmt ist und für lange Zeit in den Clubs zwischen Niedersachsen und Wyoming zu hören sein wird. Egal ob Rich Kids on Instagram oder Southpole-Jersey in der Großraumdisse. Bombe.

Jay-Z. Was soll man sagen? Sein Terminkalender ähnelt dem von Josef Ackermann und dennoch ist dieses 60s-Baby frischer, dominanter und souveräner als alle Kids mit »High School 2012«-Aufkleber auf der Heckscheibe des neuen Autos. Die simple Aufzählung seines aktuellen Freundeskreis gepaart mit dieser abartig tonangebenden Autorität reicht völlig. Was man von den nicht wirklich subtilen Nas- und Kelis-Anspielungen halten will, ist dann wieder jedem selbst überlassen. Später stellt er eine kleine Rechnung über seine Finanzverhältnisse auf. Natürlich ist Geld nicht alles. Das »Ich hab eine Pistole, du hast keine Pistole«-Prinzip zieht im Rap allerdings so gut wie immer, wenn der Flow und die Attitüde stimmen. Und das geht in diesem Fall mehr als auf. Boss.

Kanye. Dem G.O.O.D. Music-Mastermind scheint einiges auf dem Herzen zu liegen und so nimmt sich Yeezy das Recht heraus, ca. doppelt soviel Bars aufzunehmen. In diesem Fall bekommt die HipHop’sche Matrix-Tugend »Ignorance is bliss« eine ganz neue Bedeutung. Ein Shout-Out an sein Prachtweib. Natürlich ist die Einstellung, dass man über allem, was das Mädel vor der Beziehung gemacht hat, drüber steht und die ehemaligen Gefährten ausblenden kann, eine beinahe fortschrittliche und emanzipationsfreudige Charaktereigenschaft. Der Bezug auf ein für immer frei zugängliches und geplantes Sex-Tape sorgt dann doch für Kopfschütteln. Wie der drauf ist. Und das war erst der Anfang. Von der freien Liebe führt der nahtlose Übergang zu herrlichen und politisch extrem unkorrekten Übertreibungen. Gedankenaustausch mit dem Ex-CIA-Chef George Tennet über Kanyes Maybach. Dann eine Studie über die gleichbleibenden Verhaltensmuster von Kaukasiern und Afro-Amerikanern, die sowas von absurd ist. Als hätte es das Civil Rights-Movement nie gegeben. Weiße werfen ihr Geld nicht aus dem Fenster, sie mieten Autos oder gründen ein Unternehmen. Kanye kauft sich lieber 80 Goldketten und ignoriert die Financial Times. Es liegt halt an seiner Pigmentierung. Sorry, Spike Lee aber es ist einfach so. Ein Spast. Aber ein lustiger Spast. Was folgt ist der Aufstieg aus der tiefen Depression nach dem Tod Kanyes Mutter, Alkohol-Prahlereien, Wellness in Pompei, und Smalltalk mit dem Allmächtigen. Real Talk. Irre.

(nn)

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