Interview: K.I.Z. – Maxim

 

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Welche Rolle spielst du bei K.I.Z.?
Ich bin der Nette von K.I.Z., Sil-Yan ist ja mehr so der Society-Typ. Ansonsten bin ich der Frontmann und einer von den Rappern. Mehr jetzt eigentlich nicht.

 

Bist du derjenige von euch, dem ­HipHop am meisten am Herzen liegt?
Das kommt einem so vor, weil ich nicht gut singen kann. Ich mag Rap. Ich höre sehr viel Rap, besonders deutschen Rap. Aber ich würde nicht sagen, dass einem von uns Rap mehr am Herzen liegt als dem anderen. Ich habe eine gute Wahrnehmung für Präzision, Texte und Flow. Ich respektiere das auch krass, und ich freue mich immer voll, wenn Nico voll präzise rappt oder Tarek irgendwas geil rüberbringt. Wir alle haben einen unterschiedlichen Geschmack, Tarek und ich hören verdammt viel deutschen Rap, Nico eher weniger. Aber wir lieben alle HipHop voll.

 

Wie sieht dein Anspruch an Rap aus?
Originalität finde ich wichtig. Das Wichtigste. Dann ist es auch nicht so wichtig, ob jemand auf dem Takt rappt. Für mich selbst ist das essenziell, aber bei anderen ist mir das eher egal. Ich will, dass die Musik mich bewegt.

 

Wo liegen denn die Anfänge deiner Liebe zu HipHop?
Ich hab die Franzosen gehört, damals halt NTM und IAM. Die Texte haben mich damals schon am meisten fasziniert. Mit dem deutschen Zeug konnte ich mich einfach kein bisschen identifizieren. Das hat erst mit »Hoes, Flows, Moneytoes« begonnen. Natürlich hatte ich auch eine Beginner-Platte, aber da hätte ich auch genauso gut irgendwelche Pop-Platten hören können. Wegen NTM und »Hoes, Flows, Moneytoes« wollte ich auch selbst rappen. Das fand ich natürlich noch mal geiler, weil es aus Berlin kam. Ich war ja auch der größte Spezializtz-Fan. Als »King Of Rap« das erste Mal im Fernsehen kam, hatte ich Gänsehaut. Oder Bushidos »Bei Nacht«, wo die Jagdbomber über Schöneberg ­fliegen – das war so krass.

 

Also habt ihr auf dem Schulhof auf Deutsch gerappt.
Ja. Ich hab davor auf Französisch gerappt, aber das war nur eine Ausrede, damit die Leute nicht verstehen, was man sagt. Dann haben wir alle auf Deutsch angefangen zu rappen. Es wäre damals schon peinlich und uncool gewesen, auf Englisch zu rappen. Klar fand ich auch Freestyle Fellowship cool, aber eigentlich habe ich das nur gefeiert, weil Taktlo$$ und Savas es gefeiert haben. Heute höre ich mir das nicht mehr an, ist ja teilweise auch richtig grausame Mucke. Die Einstellung von denen feiere ich aber immer noch: Du bist Lehrer, Mitte 30, kannst krass rappen und hast irgendwelche Hinterhof-Battles, gefilmt mit der Handykamera, im Internet. Hobby-Rapper sind eh gut, die sollte es immer geben. Aber ich finde es auch angenehm, davon leben zu können.

 

Wann kam der Moment, als ihr Musik nicht mehr nur für euch machen wolltet, sondern damit nach draußen gegangen seid?
Der Übergang war fließend von Open-Mic-Sessions über verkackte Schulauftritte bis zu einer Kreuzberger Theatergruppe, wo wir zwischen den Akten kurz einen Song performen durften. Wir hatten eigentlich schon früh eine große Bühnenerfahrung, obwohl wir so scheiße waren. Im Theaterhaus Mitte sind die Zuschauer mal bei einem unserer Auftritte einfach rausgegangen, weil es so schlecht war. Irgendwann waren wir dann Teil des Bunker-Universums. Da waren wir dann auch mal der Opening Act für Jack Orsen oder so was.

 

 

Davor gab es noch die erste Zusammenkunft mit Staiger im Bunker?
Ja, Staiger hat sich die ersten drei Tracks unseres Demos angehört und meinte: Nee, find ich nicht so gut. Das war’s. Dann haben wir uns entschlossen, dass wir niemanden brauchen. Wir brennen einfach alles selbst. Aus Spaß haben wir das Gangster-Album »Rap für Geld« aufgenommen. Darauf ist dann diese einzigartige K.I.Z.-Mischung herangereift. Dieses Straßenzeugs war einfach ein Abbild meines Umfelds, aber für mich war das nie interessant genug, davon direkt zu erzählen. Das hatten ja andere schon vor mir gemacht. Es hat mich einfach nicht interessiert, übers Dealen zu rappen. Zumal das für mich auch nie eine Zukunftsperspektive dargestellt hätte. Aber trotzdem ist das mit eingeflossen. Ich hab ja nur Gangsta-Rap gehört, besonders auf Deutsch.

 

Und woher kam der Humor?
Bei mir sicher von den französischen Chansons, die ich früher gehört hab. Serge Gainsbourg hat zum Beispiel mal für den 18-jährigen Shooting-Star France Gall, so eine heiße Göre, einen Song über Lutscher geschrieben. [»Les Sucettes« von 1966, Anm. d. Red.] Im Video dazu nimmt sie 30-Zentimeter-Lollis in den Mund. Der Song war der größte Hit und es geht halt nur ums Blasen. Das war wunderschön. Die politische Satire der »Titanic« hat mich natürlich auch immer begleitet. Generell ist Humor in Deutschland ja komplett angepasst. Ich rede jetzt nicht von Volker Pispers, sondern von Mario Barth. Das finde ich zum Kotzen, ich kann da nicht drüber lachen.

 

K.I.Z. wären doch prädestiniert dafür, Deutschland wieder witzig zu machen.
Nein, ich glaube, wir sind noch zu ­vulgär. Aber das kann ich mir einfach nicht ­abgewöhnen. Hat ja auch schon Peter Fox gesagt: »Ihr müsst euch noch eure Straßenhörner abstoßen.«

 

Wie bist du denn aufgewachsen?
Sozial gesehen, das klingt jetzt albern, nicht besonders wohlhabend. Aber meine Eltern sind halt Linke, ein wenig gebildet. Und ich bin auf eine vernünftige Schule gekommen. Von der Grundschule bin ich geflogen, aber dann auf französische Schulen gegangen. Dass ich Franzose bin, hat mir bildungstechnisch den Arsch gerettet. Ansonsten halt Kreuzberg, so wie es vor 20 Jahren war. Was soll ich sagen? Ich finde es doof, darüber zu reden, wie man aufgewachsen ist. Jeder findet es doch normal, wie er aufwächst, egal wo und wie. Ich habe auch keine Lust, mich darüber zu profilieren. Genauso finde ich es bescheuert, wenn Leute kommen und dich »gutbürgerlich« nennen, nur weil du dich vernünftig artikulieren kannst. Ich fand es nie interessant, der Härteste zu sein.

 

Das Aufkommen des harten ­Straßenraps aus Berlin hat euch aber schon beeinflusst.
Klar. »Carlo Cokxxx Nutten« hat mich krass beeinflusst. Sido auch. Am Anfang vielleicht nicht, aber »Mein Block« dann schon. Ich hab mich immer krass gefreut, weil es eine echte Alternative zu dem war, was man Mainstream nannte. Diese Wir-wollen-nur-spielen-Attitüde à la Fettes Brot hat mich immer angekotzt.

 

Eurem Erfolg im Mainstream hat Aggro aber auch den Weg geebnet.
Das weiß ich nicht. Natürlich hat das Aggro-Zeug harten Rap populär gemacht, und dadurch war es für uns einfacher. Aber das gilt für alle deutschen Rapper. Tarek nervt es extrem, dass wir immer als Gegensatz zu Aggro und Bushido dargestellt werden. Ich würde uns nie so sehen, das ist für mich kein adäquates Feindbild, das man bekämpfen muss. Ich höre die Mucke von denen doch selbst. Es war auch irgendwie lustig, dass diese Leute uns respektiert haben. Vor allem damals, als man vom Bunker kam, was ja nicht so das Gangster-Label war.

 

 

Dieser Wunsch nach Respekt ist wieder diese HipHop-Attitüde.
Ja, aber auch wieder so ein Straßending. Weil du dich in einem Umfeld bewegst, in dem es wichtig ist, was die Leute über dich denken. In einem Umfeld, in dem es nicht so wichtig ist, auf Gesetze zu achten, sondern eher, wem man vertrauen kann. Wenn die Musik aus diesem Umfeld kommt, dann ist es auch wichtig, was diese Leute darüber denken.

 

Wie hast du es dann empfunden, als sich die ganzen schlauen Feuilletons auf euch gestürzt haben?
Na ja, die »taz« hat uns ja am Anfang ziemlich doof dastehen lassen. Dem hab ich auch dafür aufs Maul gehauen. (lacht) Aber das war jetzt keine spezielle Ehre für mich, von denen interviewt zu werden. Die haben auch immer so viel hineininterpretiert, was ich selbst gar nicht verstanden habe. Dabei halte ich mich schon für schlau. Andererseits dachte ich mir: Macht doch. Wir haben davon profitiert. Wobei man ja auch sagt: Wenn die Intellektuellen das Boot betreten, dann ist es kurz davor, zu sinken. Andererseits: Was wir machen, ist schon ziemlich ­unangreifbar. Da kann sich keiner mehr drüber lustig machen.

 

Aber ein Rap-Album sollte »Urlaub fürs Gehirn« auf jeden Fall werden?
Klar, ich wollte nicht künstlich was anderes machen. Wir haben schon versucht, an manchen Stellen ein wenig zu singen, also nicht ich, aber die anderen beiden. Aber alles bleibt bei uns immer in einem Rap-Kontext. Ich mag Rap weiterhin und will mich nicht bewusst davon distanzieren, indem ich ein Rock- oder ein Techno-Album mache. Rap ist immer noch das, was ich am besten kann.

 

Text: Alex Engelen

 

Foto: Christoph Voy

 

Das Interview mit Nico von K.I.Z. findest du hier.
Das Interview mit Tarek von K.I.Z. findest du hier.
Das Interview mit DJ Craft von K.I.Z. findest du hier.

 

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