JUICE #144 – ab 21.06. am Kiosk

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Dass ein junger MC es binnen eines halben Jahres vom »HipHope«-Thema über einen Schwerpunkt mit vierseitigem Artikel (im Rahmen des »Rap in D 2012«-Covers) bis zur eigenen Cover-Story schafft, das hat es in der Geschichte der JUICE noch nicht gegeben. Aber gut, Cro – der erfolgreichste Panda Deutschlands – hat die eine oder andere Geschichte in petto, die es so noch nicht gegeben hat. Genauso wie die eine oder andere Geschichte, die es eben bereits gegeben hat. Das nennt man Sampling, falls es jemand vergessen hat. Leider ist nicht alles »easy« im HipHop. Wir trauern weiterhin um die HipHop-Legenden (und Sampling-Pioniere) MCA und Graffiti-Writer Stay High 149 und trösten uns mit der Gewissheit, dass jedes Ende auch ein neuer Anfang ist. We salute all of you!

THEMEN DER AUSGABE #144

Titel: Cro – Ich und meine Maske
Egal wo Cro auftaucht – die Mädchen lieben ihn, die Jungs klopfen ihm auf die Schulter, die Erwachsenen versuchen sich bei ihm anzukumpeln. Kein Wunder: »Easy« ist der größte Deutschrap-Hit seit »Mein Block«, das epochale Video steuert lässig auf die 20 Millionen Klicks zu, amerikanische Major-Labels klopfen bei seinem Management an und wollen ihn am liebsten sofort verhaften. »Raop« ist das eine Deutschrap-Debüt, das diesen Sommer zählt. Alle Zeichen stehen auf Gold. Doch Cro nimmt’s leicht.

Nicki Minaj – I Am Your Leader
Die Fronten sind verhärtet am rosa Freitag. Nicki Minaj habe mit ihrem zweiten Album ihre Lorbeeren des »Monster«-Verses und des On-her-own-shit-Eminem-Mordes endgültig verspielt, sagen die einen. Die Pop-Nummern seien egal, sagen die anderen, weil sie Großraumdisco-, Christopher-Street-Day-, WorldStarHipHop- und Rap-am-Mittwoch-Gänger unisono hinter ihrem Gesäß hat. Fakt ist: Nicki Minaj braucht sich mit ihren Albenverkäufen nicht vor ihren Cash- Money-Brüdern Lil Wayne und Drake zu verstecken, sie tingelt wie kaum ein anderer Prominenter über rote Teppiche und Mainstream-Mattscheiben, sammelt Feature-Anfragen wie Nagellackfläschchen und zeigt zumindest auf einer Handvoll Album-Tracks, dass sie noch immer besser rappen kann als Crooked I, Papoose und Tech N9ne zusammen.

20 Jahre Kolchose – Wenn der Kolchmob tourt
Im Jahr 1993 fand sich in der Stuttgarter Ausgabe des Stadtmagazins »Prinz« ein Stammbaum eines losen Zusammenschlusses lokaler HipHop-Heads. Zu Beginn bestand die Kolchose, die sich erst ein knappes Jahr zuvor gegründet hatte, aus dem Namensgeber Max Herre und seinem musikalischen Umfeld (dem späteren Freundeskreis), den Bands Massive Töne und Die Krähen sowie verschiedenen Graffiti- und Breakdance-Crews. In diesem Jahr findet anlässlich des 20-jährigen Jubiläums die große Wiedervereinigung auf dem Mixery HipHop Open statt. Die Geschichte von Stuttgarts legendärer HipHop-Clique, erzählt von Max Herre und Schowi von den Massiven Tönen.

Oldschool Future – Wie junge Laptop-Producer das Gesicht von HipHop verändern
HipHop lebt im Internet. Besonders profitiert von dieser Entwicklung haben neben eigenwilligen Weirdo-Rappern vor allem jene Burschen, die in ihrem Schlafzimmer die Beats für die Mixtapes der Stunde produzieren. Vorbei die Zeit, in der man sich als ambitionierter Beatmaker mit grausigen Nasen in grauen Anzügen herumschlagen musste. Vorbei die Zeit, in der sich Produzenten in Plattenläden auf der Suche nach neuen alten Sounds herumtrieben. Heute gibt es schließlich Twitter und Shazam. Seitdem der Bedroom-Producer Clams Casino im vergangenen Jahr aus dem Nichts zum Netz- und Presseliebling avancierte, genreübergreifend Instrumental-Fans begeisterte und die besten Songs auf dem Mixtape des Jahres von A$AP Rocky produzierte, sucht die Welt nach dem nächsten Magier der Generation MacBook. Anwärter gibt es mehr als genug – wir haben uns mit sechs besonderen Talenten unterhalten: Party Supplies, DJ Burn One, SKYWLKR, Lee Bannon, Cardo und Mike Will Made It.

Pictorial: Diplo – All Around The World
»Seven years, thirty-two countries, sixty thousand photos und a million miles later, here is what we’ve been doing.« So steht es auf der ersten Seite von »128 Beats Per Minute, Diplo’s Visual Guide to Music, Culture, and Everything in Between« geschrieben. Man kann ihm vorwerfen, was man will, er sei der David Guetta der Urban-Outfitters-Generation oder was auch immer. Aber nicht, dass er ein langweiliges Leben führen würde. Drei Gigs pro Woche, in jeder Woche, in jedem Jahr. Da kommt einiges zusammen. Das Buch zeigt fantastische Bilder und führt den Betrachter von Spanien nach Israel, Trinidad, Brasilien, Russland, Deutschland und an jeden Ort, den du gerne mal besucht hättest, aber es nie geschafft hast.

Drill Rap – Chicagos Jugend erfindet den Gangsta-Rap neu
Denkt man an Chicago, denkt man an Kanye West, an Common und an Lupe Fiasco. Ihre Melange aus sozialem Bewusstsein, subkulturellem Wissen und modischer Extravaganz prägte lange das Bild der Windy City, das europäische HipHop-Nerds verinnerlicht hatten. Aber Chicago ist auch die drittgrößte Stadt der Vereinigten Staaten, kämpft mit zermürbender Arbeitslosigkeit und einer Teilung in die wohlhabende Downtown und die bitterarme South- und Westside. Die Jugendlichen, die zwischen Drogen und Waffengewalt in den Projects der Metropole aufwachsen, haben zwangsläufig kaum Bezug zum Schaffen der HipHop-Bohémiens. Sie vergessen ihre Alltagsprobleme bei den Trap-Epen von Lex Luger, den unkontrollierten Gefühlsausbrüchen von Waka Flocka und den knallbunten Erzählungen des Wirrkopfes Gucci Mane. Und sie machen die Musik, die das nächste große, lokale Phänomen nach dem Hyphy-Hype begründen könnte: Drill Rap.

El-P – Fight Music
Red Hook, Brooklyn. Es ist ein warmer Mainachmittag, als JUICE-Korrespondent Alexander Richter den Apartmentkomplex betritt, den El-P bewohnt und in dem sich gleichzeitig sein Studio befindet. Hier ist »Cancer 4 Cure« entstanden, das neue Soloalbum eines Mannes, der mit Company Flow und Def Jux seit beinahe 20 Jahren die amerikanische Indie-HipHop-Szene prägt und mitgestaltet. Einmal mehr nahm sich El-P viel Zeit für das neue Werk, parallel dazu nahm er noch ein komplettes Album als Produzent für Killer Mike auf und kümmerte sich um die posthum erschienene Platte seines 2007 an Krebs gestorbenen Freundes Camu Tao. Eine harte Zeit voller Schmerz und Entbehrungen, die ihre Entsprechung im Sound von »C4C« findet: brachiale Drums, schnei- dende Basslines, kreischende Synthies. El-P kämpft immer noch, um zu verstehen: den Tod seines Freundes, aber auch den Lauf der Welt und sein eigenes Ich. Ein Gespräch mit einem Musiker, für den Wut und Trauer wichtige künstlerische Antriebsfedern sind.

Amewu – Keine leichte Kost
Wer sich jemals bei einem der vielen Open-Mic-Abende, Cyphers und Freestyle-Sessions der Bundeshauptstadt eingefunden hat, dürfte auch schon Amewu über den Weg gelaufen sein. Der Westberliner Untergrundveteran hat schon Mitte der nuller Jahre mit seinen Auftritten bei diversen Grime-Partys für Aufsehen gesorgt. Schon damals polarisierte der charismatische MC, weil er seine außergewöhnliche Rap-Technik mit komplexen Inhalten kombiniert, die nicht jedermanns Sache sind. Mittlerweile hat Amewu unzählige Gigs gespielt, sein Debütalbum »Entwicklungshilfe« veröffentlicht und mit Edit Entertainment ein smartes Indie-Label im Rücken. Amewu gilt als zukünftige Conscious-Rap-Instanz im deutschen Spiel, doch die Inhalte des Berliner Rappers bleiben auch auf seinem zweiten Album »Leidkultur« weiterhin komplex bis polarisierend.

Kings of HipHop: Common
Common ist einer der kontroversesten Rapper, die das Genre je hervorgebracht hat. Klingt komisch, ist aber so. Als Speerspitze der Conscious-Rap-Bewegung, die immer mehr fiktives Konstrukt als echtes Move- ment war, lobte man ihn für seinen positiven HipHop-Ansatz über Jahre hinweg in den Himmel. Dass er dabei in etliche Fettnäpfchen trat, die anderen die ganze Karriere gekostet hätten, macht Common nur zu einer noch helleren Lichtgestalt des Genres. Diese Ambivalenz zieht sich durch sein Leben, wie auch durch sein künstlerisches Schaffen. Dabei macht Common eigentlich stets das Gleiche: Er rappt – mal als Denker, mal als Prolet, mal als Weichei, mal als Haudruff, dann probiert er mal etwas aus und erkennt auch mal, dass das nicht das Wahre ist. Kurzum: Er ist er selbst. Er ist der 40-jährige Lonnie Rashid Lynn aus Chicago, der seit 20 Jahren mit I.H.R. in guten wie in schlechten Zeiten zusammen ist.

Darüber hinaus findet ihr in dieser Ausgabe u.a. Features und Interviews mit:
MCA
Future
Waka Flocka Flame
KC Rebell
Automatikk
Big Juss
Aesop Rock
BadBadNotGood
Lunice
Rich Hil
Kid Ink
Momo
Lance Butters
Beat BBQ
Melanie Fiona
Michael Kiwanuka
A Tribe Called Quest
Trey Songz
uvm.

Tracklist JUICE CD #112

01 Tefla & Jaleel, MoTrip, Bernd Bass, Marsimoto, Moop Mama »Splash! 15« JUICE Exclusive
02 Telly Tellz »Festival« JUICE Exclusive
03 Lance Butters »Schreib was du magst« JUICE Exclusive
04 Roger »Fresh Out The Box« JUICE Exclusive
05 CR7Z »Drache« JUICE Exclusive
06 Amewu »Langsamer« JUICE Exclusive
07 Gerard feat. Thunderbird Gerard »Keep Going« JUICE Exclusive
08 Momo »Raus in die Welt« JUICE Exclusive
09 Morlockk Dilemma feat. Kamp »Der Messi«
10 Sendemast »Zappzarapp« JUICE Exclusive
11 Danger Dan »Einzig und allein« JUICE Exclusive
12 Automatikk »Vermächtnis« JUICE Exclusive
13 Alpa Gun »Hip Hop lebt«
14 Antihelden feat. Headtrick & Mortis One »WTF« JUICE Exclusive
15 DCVDNS »Bravo wurde zensiert« JUICE Exclusive

Die JUICE-Ausgabe #144 (Juli/August 2012) ist ab dem 21.06. bundesweit für 5,00 EUR inklusive JUICE CD #112 im Zeitschriftenhandel erhältlich.

Cover JUICE #144

Cover JUICE CD #112

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