Jorja Smith: »Ich habe mich früher aus Spaß selbst inter­viewt« // Interview

Lieder mit Themen zwischen verlorener Liebe und Gesellschaftskritik, gesungen über Beats jeglicher Art mit einer beeindruckenden Soulstimme voller Kraft und Energie. Dank dieser Rezeptur gelang Jorja Smith ein beruflicher Blitzstart. Innerhalb von zwei Jahren ging es von ihrem Job bei Starbucks zur weltweiten Bekanntheit durch den Gastauftritt auf Drakes »More Life«-Album.

Du singst zu UK-Garage- und House-Beats, andere deiner Lieder klingen nach Soul. Wie nennst du deinen Stil?
Genrebezeichnungen hasse ich. Ich singe zu allem, was mir gefällt, denn dann bin es immer ich. Insofern kann meine Musik alles sein. Meine Stimme bestimmt meinen Sound. Dadurch sind einige Lieder schwer in Schubladen zu stecken. Dazu gehört auch mein Song auf dem »More Life«-Album von Drake.

Wie war die Arbeit mit Drake?
Ich habe mal über den Beat von »Doing It Wrong« [Lied aus Drakes »Take Care«-Album; Anm. d. Verf.] gesungen und ihm die Videoaufnahme davon zugeschickt. Er fand das so toll, dass er das gesampelt hat. Ich war anfangs nicht so begeistert, weil ich mich mit dem Text nicht identifizieren konnte. Dann ist aber einiges in meinem Privatleben passiert, wodurch ich immer besser verstanden habe, was Drake mit dem Song aussagen will.

Mit wem würdest du noch gerne mal zusammenarbeiten?

Mit Damien Marley – das wäre meine Traum-Kollabo. Noch krasser wäre nur noch Amy Winehouse, aber das geht ja leider nicht mehr. Von Freunden habe ich aber eine »Stronger Than Me«-Maxi von ihr zum Geburtstag geschenkt bekommen, da ist ein Acappella drauf. Vielleicht kann ich damit irgendetwas anstellen.

Dein Vater ist auch Musiker. Welche musikalischen Einflüsse hattest du als Kind?
Mein Vater hatte früher eine Band, heute singt er manchmal noch. Auch meine Mutter hört ständig Musik. Als ich noch zu Hause gewohnt habe, habe ich oft Songs geschrieben, sie ihnen dann direkt gezeigt und mit ihnen darüber gesprochen. Jetzt wohne ich zwar in London, aber mein Papa und ich stehen in regem Kontakt. Er ist ein Musik-Nerd und zeigt mir Sachen, auf die er abfährt, wie Taylor McFerrin oder Robert Glasper. Oder neulich »The Ooz« von King Krule. Meine Eltern haben mich von Anfang an auch sehr unterstützt. Ich kenne andere junge Künstler, deren Eltern nicht wollen, dass sie sich voll auf die Musik konzentrieren. Meine Eltern haben mir immer gesagt: Folge deinen Träumen!

Wie sahen diese Träume aus, als du noch Jugendliche warst?

Ich habe damals bei Starbucks gearbeitet und hatte immer Textzeilen oder Melodien im Kopf. Wenn nichts los war, bin ich nach hinten gegangen und hab sie schnell aufgenommen. Ich hab auch Selbstgespräche geführt und mich aus Spaß selbst inter­viewt. Eine gute Übung, oder? (lacht)

Dieses Feature erschien erstmals in JUICE #184 (hier versandkostenfrei nachbestellen).

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