JAY-Z – Smile / Marcy Me / Legacy // Videos

Kurze Erinnerung: Shawn Corey Carter – JAY-Z – ist vor wenigen Wochen 48 Jahre alt geworden, mittlerweile ist der Junge aus Brooklyn Vater von drei Kindern. Und trotzdem scheint er noch keinen Gedanken daran zu verschwenden, die eigene Rap-Karriere zu beenden. Im Sommer veröffentlichte Hov sein dreizehntes (!) Studioalbum, seitdem folgten bereits etliche hochwertige Video-Auskopplungen. Nun fehlt nicht mehr viel, ehe alle dreizehn Lieder des Albums mit einem entsprechenden Video, respektive Kurzfilm, versehen sind. Denn heute Nacht veröffentlichte Jigga auf YouTube drei neue Filmstreifen, die bisher nur auf Tidal verfügbar waren.

Aber der Reihe nach. Da wäre zunächst der Kurzfilm zu »Smile«, dem vielleicht persönlichsten Song des mit Sicherheit persönlichsten Albums von Jigga. Auf jenem Track lässt JAY-Z die Katze aus dem Sack und teilt mit der Welt, dass seine Mutter homosexuell ist: »Mama had four kids, but she’s a lesbian / Had to pretend so long that she’s a thespian / Had to hide in the closet, so she medicate / Society shame and the pain was too much to take«.

As real as it gets: JAY-Z featured seine Mutter

Als wäre das allein nicht schon aller Ehren wert, ergreift Gloria Carter sogar persönlich das Wort – am Ende des Videos. So liest sie einer Selbsthilfegruppe ihre Verse vor: »Living in the shadow / Can you imagine what kind of life it is to live? / In the shadows people see you as happy and free / Because that’s what you want them to see / Living two lives, happy, but not free«. Stark.

Als nächstes wäre da das Video zu »Marcy Me«. Hier fliegen zwei Polizisten bei Nacht in einem Helikopter über ein New Yorker Viertel. Der Schluss liegt nahe, dass sie auf der Suche nach Drogen und Verbrechen sind, scheinen die Officer doch gleich mehrfach eine heiße Spur zu verfolgen, stoßen letztlich aber auf nichts als friedliche Menschen. Wohl für beide Seiten ganz normaler Alltag.

Schließlich wäre da der Kurzfilm zu »Legacy«, eröffnend mit einem Monolog der Hollywood-Legende Susan Sarandon, die eine belehrende Gefängnisaufseherin spielt. Dies ist insofern eine bittersüße Ironie, als dass die Oscar-prämierte Schauspielerin sich in der Vergangenheit mehrfach gegen Rassismus und die Todesstrafe eingesetzt hat. Der Plot toppt diesen Sarkasmus durch die nachfolgende Darstellung einer Reihe inhaftierter Amerikaner, die scheinbar eins gemeinsam haben: ihre Unschuld. (Darunter befindet sich auch eine andere Hollywood-Größe: Ron Perlman, der im Übrigen 2020 als US-Präsident kandidieren will). Zunächst diskutieren sie über das ungerechte Gefängnissystem in ihrer Heimat und damit einhergehend über eine (un-)mögliche Resozialisierung, ehe ein Teil von ihnen den schier letzten Ausweg findet: die durch Gefängniswärter ermöglichte Flucht aus dem Gefängnis. Ein Gänsehaut-Moment jagt den nächsten und wir überdenken unsere Liste zum Video des Jahres vielleicht nochmal.

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