Jay Electronica – Call Of Duty

Für ein Jahr war er abgesehen von ein paar kleinen Meldungen von der Erdoberfläche verschwunden. Dann reichten ein Bild im Studio mit Just Blaze und Young Guru sowie ein paar positive Äußerungen der Beiden via Twitter, und zumindest der Hype um die rappende Messias-Figur Jay Electronica war wieder zum Leben erweckt. Seine Reimsalven auf »Exhibit A« und »Exhibit C« katapultierten ihn anno 2009 quasi aus dem Stand an die Speerspitze einer Rap-Generation, die zu beweisen hat, dass man HipHop noch nicht so einfach unter die Erde scharren kann.

In den vergangenen Tagen waren dann die Twitter-Leitungen auch schon wieder heftig am Glühen, als Jay Elect zunächst einen neuen Track ankündigte und das zugehörige Artwork veröffentlichte und anschließend gemeinsam mit Young Guru und Elliott Wilson immer wieder mit Updates aus dem Studio die Hypetrommel rührte. Zumindest hielt er sein Wort und ließ gestern Abend seinen Track »Call of Duty« auf die Welt los. Mit einigen Überraschungen.

Zunächst einmal wurde das Artwork um einen Schriftzug erweitert: »Featuring The Infamous Mobb Deep« stand da plötzlich. Und tatsächlich: Prodigy und Havoc sind mit von der Partie. Und wie. Prodigy erzählt in der Hook was von Diamanten in der Luft. Angesichts der Vergangenheit von Prodigy und Electronicas Chef äußerst interessant. Man stelle sich mal die absurde Situation vor, Jigga würde Prodigy irgendwann mal die Roc Nation-Kette um den Hals legen. (Ist ja gerade zehnjähriges Jubiläum von »Takeover«.) Jay Electronica zeigt zumindest, dass eine Firma mit einem Chef wie Jay-Z gar nicht so schlecht sein kann. Ohne ein einziges Album auf dem Buckel zu haben, tönt der Mann aus New Orleans großspurig: »I went from Myspace to the top of the food chain.« und bezeichnet sein Album als »the next ‚Chronic‘«.

Ob an Vergleichen dieser Art etwas dran ist, muss der mittlerweile 35-Jährige auf seinen kommenden Tracks erst wieder unter Beweis stellen. »Call of Duty« ist nicht das Meisterwerk, als das man es anpries. Daran ändern auch all die starken Lines nichts. Der auf »Exhibit A« und »Exhibit C« noch unersättlich scheinende Hunger des MCs ist einer gewissen Selbstzufriedenheit gewichen. Die sonst häufig zum Denksport mutierende Aufgabe, dem über mehrere Ecken denkenden »Renaissance Man« zu folgen, wird dem Hörer auf »Call of Duty« enttäuschend leicht gemacht.

Produktionstechnisch ist die Nummer auch kein Geniestreich. Just Blaze hat zwar seine Finger mit ihm Spiel, aber Jay Elect übernimmt die Haupt-Credits selbst. Ob die unterdurchschnittliche Soundqualität Methode hat? Leider geht dadurch zumindest der Dancehall-angehauchte Bass verloren und das Gefühl, dass man einen dieser vorantreibenden Jahreshymnen auf dem Ohr hat.

Fazit: Für den nächsten Hype muss Jay Electronica erstmal wieder eine Runde arbeiten. Wir wissen ja, dass er es kann.

(ao)

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