Ive: »Die Ärzte gaben mir noch zwei bis drei Jahre« // Feature

Entschleunigter Sound mit vielen Jazz-Einflüssen: Der Mainzer Ive veröffentlicht nun sein Debütalbum »Das zweite Gesicht« – und gibt darauf »kein F«.

Zwei bis drei Jahre gaben die Ärzte Ive noch. Eine überraschend kurze Zeit für jemanden, dessen größter Lebensinhalt der Kampfsport war. Doch nach einer langwierigen Herzmuskelentzündung musste der 25-jährige Mainzer der Körperertüchtigung entsagen – eine niederschmetternde Situation für jemandem, der lange auf seinen ersten Kampf hingearbeitet hatte. Aber nicht nur das: Immer wieder brachte Ive seinen Körper auch anderweitig an seine Grenzen. Ein Halbtagsjob, das Kampfsporttraining und abends ging es ständig feiern, teilweise bis zur Eskalation.

Umso überraschender ist der Sound von Ives kommenden Album »Das zweite Gesicht«, das über Vinyl Digital erscheint. Ganz bei sich, ruhig und besonnen – so präsentiert er sich heute. Was ihm wichtig ist, hat sich verschoben. Nach einer außerkörperlichen Erfahrung ändert sich seine Perspektive augenblicklich. Ive kann sich nicht mehr mit Kampfsport identifizieren, und auch das Streben nach Reichtum erscheint ihm banal. Er glaubt an die Musik als seinen Weg. Im Krankenhaus schreibt er Zeilen, ist glücklicherweise schon mit Leuten down, die perfekte Boombap-Gerüste für seine esoterischen Perspektiven zaubern. »Ich weiß, dass etwas passieren wird, weil ich es fest sehe«, beschreibt Ive seine Richtung. Redet er sonst sehr zurückgenommen, sprüht seine Stimme vor Freude, wenn er von zukünftigen Auftritten redet. Ive ist viel mehr als seine überwundene Krankheit, trotzdem ist seine Zukunft unbestreitbar ein Resultat dieser schwierigen Zeit. Mittlerweile ist er körperlich fit, will »die Mucke für sich selbst machen, rausgehen und sie live zocken.« Ehrlicher wird es nicht.

Text: Arne Lehrke

Dieses Feature erschien erstmals in JUICE #189. Die aktuelle Ausgabe ist versandkostenfrei im Shop zu beziehen.

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