IDK über sein Album »USEE4YOURSELF«, Emotionalität und Kanye West //Interview

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Schon Anfang Juli hat IDK sein zweites Studioalbum »USEE4YOURSELF« veröffentlicht und darauf einen vielseitigen Mix von Trap-Songs geliefert, der zeitgeistig und selbstbewusst klingt. Ende Oktober ist außerdem die zugehörige Deluxe Version erschienen, auf der die eh schon prominent besetzte Featureliste um Künstler wie Trippie Red, SiR, Shy Glizzy oder Lil Yachty ergänzt wird. Unsere Autorin Mia Thordsen hat sich mit dem Rapper aus Maryland über die Entstehung des Albums, Emotionalität, die Abkehr von seiner Heimat und den Vergleich mit Kanye West gesprochen.

Heute ist der Tag deiner Albumveröffentlichung. Welche Emotionen gehen dir gerade durch den Kopf?
Es ist wunderbar. Jede*r zeigt Liebe und postet das Album in seinen sozialen Medien. Alle hatten wirklich nette Dinge zu sagen. Viele Leute weinen.

Ja, das ist ein ziemlich emotionales Album.
Ich denke, es ist großartig, an einem solchen Ort zu sein und den Leuten zu zeigen, dass es in Ordnung ist, verletzlich zu sein und zu weinen, besonders Männer und besonders Schwarze Männer. Das ist nichts, was uns beigebracht wird.

Hattest du in der Kindheit nicht die Möglichkeit, beziehungsweise die Freiheit zu weinen?
Genau. Es gab definitiv eine soziale Einschränkung. Denn wenn du weinst, bist du eine Bitch. Das sagen die Leute zu Hause. Im Nachhinein ist es nur die Angst, auf eine bestimmte Weise dargestellt zu werden, und definitiv das, was die Fähigkeit einschränkt, diese Emotionen herauszulassen.

Hast du einen Track auf diesem Album, der für dich besonders emotional ist?
Ja, definitiv. »Closure«, »Church«, »1995« und »Hey Auntie«. Ich habe es erst vor kurzem wirklich gefühlt, als ich es tatsächlich aus einer Ich-Perspektive gehört habe und nicht aus einer „Ich muss dies und das noch ändern“-Perspektive.

Das sind tatsächlich auch einige meiner Favorites. Andere Frage: Wie stark hat DMX deine Karriere beeinflusst?
Er war wahrscheinlich einer der ersten Menschen, an die ich mich erinnern kann, die so waren wie ich sein wollte. Der Bruder meiner Mutter ähnelte ihm tatsächlich sehr und hat Klamotten wie DMX getragen. Deshalb hat er mich sehr an ihn erinnert. Ich erinnere mich, dass ich seine Filme wie »Cradle to the Grave« und »Romeo Must Die« gesehen habe und mir beim Anschauen gedacht habe: »Jemand ist so talentiert im Musikmachen und genauso talentiert als Schauspieler?“ Das war dope.

Bei einem Harvard-Panel hast du diskutiert, wie einflussreich und hilfreich dein Umzug nach LA für deine Karriere war. In ein paar Songs rappst du darüber, dass LA voller aufrichtiger Leute ist. Denkst du immer noch, dass der Wechsel hierher wichtig war, um deine Karriere richtig zu starten?
Auf jeden Fall, 100%. Das war nötig. Denn fast alles in diesem Album ist passiert, weil ich in LA war. Abgesehen von den Neptunes. Das lag daran, dass ich in Miami war. Nichts davon ist passiert, weil ich zu Hause war. Was ein Problem ist, denn nicht jeder hat den Luxus, nach LA kommen zu können. Aber andererseits braucht es nicht viel, um hierher zu kommen. Ich kam mit 50 Dollar und einem One-Way-Ticket dorthin. Ich hatte eine Unterkunft und ein Fahrrad, das mir ein Freund gegeben hat. Und damit habe ich Karriere gemacht. Es ist subjektiv, bei jedem unterschiedlich. Aber es braucht nicht viel. Wenn du wirklich, wirklich willst, kannst du 100 Dollar in die Hand nehmen. Du kannst dein Bestes tun, um jemanden in LA zu finden, den du kennst. Und das ist, glaube ich, der schwierigste Teil. Wo wirst du leben? Wie lange wirst du das machen können? Das wird unangenehm. Ein Großteil dieser Reise wird unbequem sein, aber damit muss man klarkommen. Du musst es nur so sehr wollen, dass dich das nicht stört.

Dein Umfeld und die Features, die du in deine früheren Projekte und das aktuelle Album einbezogen hast, stellen eine Bandbreite an Kreativität dar. Wie hast du diese Einflüsse zusammengebracht.
Ich betrachte Musik nicht als Schachtel. Ich betrachte die Fähigkeit von jemandem nicht als Schachtel. Und am wichtigsten ist, dass ich Produzent bin, also kann ich alles nehmen und daraus etwas neues machen. Ich bearbeite den Beat so, damit er um die Vocals herum mehr Sinn ergibt. Außerdem füge ich die Schlüsselelemente hinzu, die auf meinem Album Sinn machen könnten. Und dann sage ich die richtigen Dinge zu sage, die uns alle Sinn machen.

Also siehst du dich eher als Produzenten und nicht als Rapper?
Ja, Ich bin ein Produzent. Der zufällig auch rappt.

Es gibt oft Vergleiche zwischen dir und Kanye West.? Magst du es, mit ihm verglichen zu werden?
Ich denke, IDK ist für Kanye West was Lil Uzi Vert für Lil Wayne oder Young Thug für Lil Wayne ist. Ich denke nicht genau wie er, aber offensichtlich gibt es einen Einfluss. Richtig? Aber ich denke, dass wir uns in einer Welt befinden, in der es Platz für jemand neues gibt, der ähnlich ist. Und zweitens haben viele der Künstler, die vor uns kamen, Einfluss auf uns. Und ich denke, es gibt viele ältere Künstler, die von neueren Künstlern beeinflusst sind und so klingen, was es schwieriger macht, eine eigene Richtung zu finden. Bei mir und Ye ist das Tolle, dass es nur ich und Ye sind, falls man einen Vergleich machen will. Ich denke, Ye ist ein Mentor für mich ist, jemand, mit dem ich mich unterhalten, und der sich darüber keine Sorgen zu machen scheint.

Einer meiner persönlichen Favoriten aus dem Album ist »Puerto Rico«. Du hast Tamias »Can’t Get Enough« gesampelt. Wenn es um das Sampling geht, wie der Denkprozess bei diesem Song aus?
Darüber denke ich gar nicht so viel nach. Es kommt einfach raus. Ich war in einem Zug, raus aus Richmond, Virginia, um nach D.C. zu kommen. Dann hatte ich einen Freestyle, den ich in Lake Tahoe aufgenommen, aber nie richtig fertig gemacht habe. Das war früh morgens, um 8:00 Uhr habe ich auf meinen Zug gewartet und gesungen, gesungen und einfach weiter gesungen. Und ich wusste, dass ich einen zweiten Teil für die Hook brauchen und dieser Hook kam einfach so zu mir. Das hat ausgereicht. Das ist wirklich sehr wenig nachgedacht. Fun Fact: Ich war Sänger, bevor ich Rapper wurde. Als ich jünger war habe ich versucht R&B-Musik zu machen, das war meine Grundlage. Und dann bin ich zum Rap gekommen und habe mich bis vor kurzem nie weiter mit dem Singen beschäftigt.

Gibt es einen Teil deiner Kindheit, von dem du denkst, dass er zu dem gehört, was du heute bist?
Als ich 17 war habe ich versucht herauszufinden, ob ich auf der Straße sein wollte. Darauf läuft es wahrscheinlich hinaus. Das hat geprägt, wer ich in Zukunft sein würde. Und auch der Moment, als ich aus dem Gefängnis gekommen bin.

Hast du Pläne für eine internationale Tour, jetzt wo die Auswirkungen der Pandemie langsam weniger werden?
Ja, wir schauen auf jeden Fall auf das nächste Jahr. Dazu habe ich gerade erst ein paar Mails bekommen.

Ok, das klingt super, wir behalten das im Auge. Danke für das Gespräch, IDK.

Interview: Mia Montgomery
Foto: Warner Music Group

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