Haze: »Aber ich bin kein Veganer, gell.« // Feature

 

Haze und seine Jungs fahren mit eigenem Soziolekt auf, den man so in Deutschland bisher nicht gehört hat: Badnersprech trifft auf Straßensprech. Außerdem erfährt man von Haze Geschichten und Ungerechtigkeiten aus wahrscheinlich ist Haze dafür zu bescheiden. Eher geht es ums Malochen und den neuen Kampfhund – so kraftvoll vorgetragen, dass man sich versetzt fühlt in eine Welt mit wenigen Farben und vielen Schicksalen – denen von Geflüchteten und Gastarbeitern zum Beispiel. »Ausländer rein«, heißt daher auch ein Haze-Track, auf dem nicht etwa der Zeigefinger gehoben wird, sondern die richtigen Fragen gestellt werden. »Wer von euch weiß, was es heißt, seine Heimat zu verlassen wegen Krieg/Zu fliehen wegen Religionen, Hass und Politik«, will er wissen. Denn seit Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise sieht Haze, wie die Intoleranz gegen alles Fremde steigt, und wie alle, die anders aussehen, über einen Kamm geschoren werden.

Auch die Polizei pauschalisiert. Häufig werden Menschen mit dunkelhäutigem Teint oder slawischen Zügen als potenzielle Kriminelle ausgemacht. Interne Ermittlungsverfahren gegen Polizisten hingegen werden oft eingestellt, ohne dass es für die Angeklagten große Konsequenzen nach sich zieht. Auf dem »Bullentrack« versucht Haze mit zwielichtigen Beamten aufzuräumen und kramt dafür die Geschichte eines Kommissars hervor, der über Jahre hinweg kiloweise Koks aus der Asservatenkammer stahl und seine Frau misshandelte. So etwas komme häufig vor, sagt Haze. Dann weicht sein gelassener Blick plötzlich merklicher Hektik. In der Wohnung wird gewuselt. »Bleiben die stehen?«, fragt Haze einen Kumpel neben sich. Kurz wird das Interview zur Nebensache, dann macht sich Erleichterung breit. Ein Polizeiauto war etwas zu langsam an der Wohnung vorbeigefahren. Auch wenn Haze mit der Musik den geraden Weg geht, scheint das Misstrauen gegen die Polizei tief zu sitzen.

Grund dafür ist sicher auch die schon im Namen verankerte Vorliebe für die grüne Versuchung. Obwohl sich Baden-Württemberg im Gegensatz zum Nachbarbundesland Bayern durchaus tolerant gibt und der amtierende Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei den Wahlen unlängst für die Grünen die meisten Wählerstimmen holte, bleibt Vorsicht geboten. Auf der Straße entspannt einen Joint zu rauchen, das geht nicht immer gut. Würde es nach Haze gehen, dann wäre Marihuana längst legalisiert. So wie in Kalifornien. Die Leute würden kein verhunztes Zeug mehr rauchen und ihre Lungen kaputtmachen, weil alles besser kontrolliert werden würde – und Steuergelder gäbe es für den Staat obendrauf, argumentiert er. Gutes Papier, hochwertige Klamotten und Öl könne man aus Hanf ja auch noch machen. Gesünder und besser für die Umwelt sei das. Dann überlegt er kurz, muss lachen und sagt: »Aber ich bin kein Veganer, gell!«

Dieses Feature ist erschienen in JUICE #174 – hier versandkostenfrei nachbestellen.juice 174

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