Haiyti – Nightliner // Review

(Katamaran Musik)

Haiyti tänzelt mit ihrer Musik auf einem schmalen Grat zwischen ­Absurdität und Realness. Dabei ­ent­flieht sie erfolgreich jeglicher Kate­gorisierung, ihre Musik lebt von der Unberechenbarkeit. Und die macht nun auch »Nightliner« zu ­einem der unterhaltsamsten Releases in 2016. In der Manier von »City Tarif« und »Toxic« bleibt das übergreifende Thema auf »Night­liner« der ständige Identitätswechsel zwischen unnahbarem »Chef-Girl« und fragilem Liebchen. »Guns ’n’ Roses« könnte man das Konzept nennen, das sich auf »Nightliner« in 13 spontanen Gefühlsausbrüchen zwischen Faustschlag und Kusshand niederschlägt. Stilistische Grenzen gibt es nicht, dafür aber das beste Adlib-Reper­toire im Deutschrap: Kampf­schreie, Schluchzer und ­verbale Motorengeräusche ­untermalen elektrisierende Straßenraps und Ohrwurm-Hooks. Dabei bringt Haiytis krächzende Stimme auf Nahkampf-Startern und kitschigen Pop-Balladen gleichermaßen das Quäntchen einzigartige Rawness, das es verdammt schwer macht, weg zu hören. »Flashmob, Moshpit/Ich mache die Blockhits«, heißt es daher auf »Halleluja« – auch wenn Songs wie »Globus« problem­los als Radio-Hits durchgehen könnten. »Nightliner« ist bis dato Haiytis ambitio­nier­testes Mixtape. Ihre vielen Ideen setzt die Rapperin mit einer Kompromisslosig­keit ­um, die bereits in der Vergangenheit sporadische Hörer zusammenschrecken ließ. Genau deswegen hätte kein anderer Künstler im Deutschrap-Kosmos ein Release wie »Nightliner« so ­aufnehmen können.

Text: Max Hensch

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