Gang Starr – No More Mr. Nice Guy

Dieses Album zeigt eine junge Rap-Crew auf der Suche nach ihrem Sound. Die Essenz dessen, was Gang Starr mit ihren Alben Nr. zwei bis vier zu stilprägenden Ikonen des Neunziger-Raps machen sollte, ist bereits vorhanden – nur wissen DJ Premier und The Guru Keithy E selbst noch nicht so genau, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Die Beats sind so schnell, wie Rap-Beats Ende der Achtziger eben schnell waren, und so roh gechoppt wie bei den Ultramagnetics. Zwei Stücke wurden gar vom 45 King produziert, der zu dieser Zeit einige Eisen bei Wild Pitch im Feuer hatte. Das, was später zum typischen Premo-Gefühl wurde, lässt sich bestenfalls erahnen. Auch Guru arbeitet noch an dem monotonen Flow, der ihn bald zum coolsten MC des Planeten machen sollte. Hier sind seine Rhyme-Patterns eher von Kool Keith und Big Daddy Kane beeinflusst, während textlich einfach formulierte Consciousness gespreadet wird. Statt “Code Of The Streets” heißen die Songs “Positivity” und “Knowledge”.

So zumindest klingt die Platte, wenn man sie heute, 20 (!) Jahre nach ihrem Erscheinen, mal wieder durchhört. Anno ’89 war “No More Mr.Nice Guy” der ganz heiße Scheiß und trumpfte mit zwei sechskronigen Überburnern auf, deren Einfluss noch Jahre später weit über HipHop hinaus spürbar sein sollte: “Jazz Music”, die Blaupause zu “Jazz Thing”, betrieb zum ersten Mal Wurzelschau in Richtung Coltrane und Co. und legte den Grundstein für ein Missverständnis namens Jazz-Rap. Und dann natürlich “DJ Premier In Deep Concentration”, für mich die Mutter aller sophisticateten DJ-Tracks und ein frühes Manifest dessen, was Premo der Welt mit seiner Musik schenken sollte.

Wild Pitch

Oliver von Felbert

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