Fler – Flizzy // Review

Wertung: Viereinhalb Kronen
(Maskulin Music Group / Groove Attack)

Was ist das für 1 Vibe, der Fler zurück zur Basis, der Musik, kehren ließ? Wäre er 2006 gerne ein Trendsetter gewesen, ist er es heute tatsächlich, wenn er seine erbarmungslos kapitalistischen Mantras vom »Stapel« lässt: »Rolies, Bitches, Diamanten. Alles andere hab ich nie verstanden.« Dabei war er vor gewisser Zeit noch der meist gedemütigte Bürger Raphausens, verhöhnt von all seinen Einwohnern. Zu allem Überfluss stellte er sich selbst bei jeder Gelegenheit mit peinlichem Trash Talk ins Abseits. Wie es auch immer ausgerechnet ihm, dem cholerischen Maskulin-CEO auf Anabol, gelungen ist, nun doch zu reflektieren, sich mit seinen Feinden zu versöhnen, sich mit ihnen gegen seinen einstigen Mentor zu verbünden und über den eigenen Babyspeck zu schmunzeln, bleibt sein Geheimnis. Fest steht: Läuft bei dem, trotz oder gerade wegen eines High-Levels an Ignoranz. Diese Transformation gelang zwar bereits mit dem Vorgänger »Vibe«, doch muss der Status als ernst­zunehmender Künstler besonders im Falle Frank Whites und sein­­­­en auch musikalischen Eskapaden in diesen Zeiten erstmal untermauert werden. Mit »Flizzy« gelingt ihm das. Zielsicher am State of the Art von Ami-Rap 2018 entlangprogrammiert, macht er weiter, wo er aufgehört hat. Auf vollsynthetischen Beats ergeht er sich in kämpferischem Money Talk – und zwar fluently, falls jemand fragt –, übt sich aber auch weiter in Zurückhaltung und Kontemplation: Lines gegen Gegnaz kommen meist ohne Namedropping oder übertriebene Härte aus. Fler subtil. Who would have thought so? Für direktes Dissen ist der halbschuldige-halbunschuldige (Rooz-Voice) Sinan G zuständig, der auf »Wayyy« die Gelegenheit nutzt, offene Rechnungen mit Bushido zu begleichen. Eine Kollabo und ein HipHop-Moment mit Entertainment-Wert. Es stimmt: »Laas hat nicht bei mir gekifft, weil mir nichts einfällt.« Fler schießt nicht nur kreativ, sondern auch ins Schwarze und bringt mit »Flizzy« einen Longplayer inklusive Hype, Hits und Humor auf den Markt. Einzig trauriges Kapitel bleiben die ausufernden Vergewaltigungsfantasien Farid Bangs. Dennoch hat die Feature-Liste viel Variables zu bieten: Die Wunschkandi­daten Azad, Prinz Pi, Nimo, Rick Ross und andere haben das Drehbuch des Regisseurs verinnerlicht und cyphern intensiv mit. Flers neuester Auftritt wird auch dadurch um eine gute Portion interessanter.

Text: Jan Burger

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