Felix Krull: »Wer feiert meine Musik? Das müssen Almans sein.« // Feature

Der Münchener Felix Krull wandelt musikalisch geschickt zwischen Kitsch, Party und Almanie, verbreitet gerappte Lebensweisheiten über »Bier« und propagiert den »Oktoberfestflavour«. Eine Annäherung.

Ein junger Mann mit strengem Scheitel sitzt an einem Tisch. Er trägt eine pinke SS-Uniform und eine Herz-Armbinde, seine eisblauen Augen starren lethargisch in die Kamera. Aus der Nase läuft Blut, wohl wegen des weißen Pulvers, das auf dem Silbertablett serviert wurde. Der junge Mann ist Felix Krull, benannt nach der gleichnamigen Roman­figur von Thomas Mann. Die Szene entstammt dem zwei Jahre alten Musikvideo zum Song »Cäsarenwahn«. Die Grenzen zwischen Realness, maßloser Übertreibung und ironischer Brechung verschwimmen bei dem vorgeblichen Schickeria-Rapper, der augenzwinkernd von seinem Leben zwischen sündhaft teurem Schaumwein und Klischee-Deutschtümelei berichtet.

Dass das trotz aussagekräftiger Albumtitel wie »Kitsch« oder dem letztjährigen »Alman Tape«, aus dem mindestens eine Trilogie werden soll, nicht immer greifbar ist, weiß der Münchener. »Momentan versuche ich in erster Linie, eine Zielgruppe zu definieren. Ich mache halt keinen Gangbanger-Rap oder Lean-Trap, für mich gibt es keinen klaren Markt. Das überfordert mich. Ich stelle mir oft die Frage: Wer könnte potenziell meine Sachen feiern? Das müssen vor allem Almans sein.«

Felix ist ein Unikat, sein Vokabular enthält Worte wie »neckisch«, sein Lebemann-Image überfordert zuweilen. Feiert der ernsthaft das Oktoberfest? Oder verarscht er es? »Aus kommerzieller Sicht ist das ein Problem, aber durch das Alman-Ding wird es zugänglicher. Ich muss nur den Alman-Sound weiter definieren, der bisher dann am besten ankommt, wenn ich partymäßig abgehe – aber mit einem Hauch Asozialität.« Bestes Beispiel dafür: Der Song »Bier«, auf dem Felix »Unforgettable« von French Montana covert – ein waschechter Hit, der zuweilen wie eine Parodie wirkt. »Das ist ein schmaler Grat. Diese sommerliche Leichtigkeit gemischt mit einem asozialen Vibe möchte ich beibehalten – auch wenn ich nicht nur Parodie-Rap machen will.«

»Ich will nicht nur parodie-rap machen.«(Felix Krull)

Den Drahtseilakt zwischen Musik mit Witz und Witz mit Musik muss Felix jetzt meistern. Die Alleinstellungsmerkmale und das musikalische Gespür dafür bringt er mit. »Ich könnte mir vorstellen, breiteres Entertainment abzuliefern – aber das ist verschrien. Mir machen einfach viele Sachen Spaß.« Nun muss es nur noch gelingen, alles bündig zusammenzubringen und mit der »Alman Tape«-Trilogie nicht nur als lustiges Meme in die Annalen einzugehen.

Text: Skinny
Foto: Max Bacardi

Dieses Feature erschien erstmals in JUICE #186. Die aktuelle Ausgabe kann im Shop versandkostenfrei bestellt werden.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here