Eminem – Revival // Review

(Interscope/Universal Music)

Mit der Fallhöhe ist das ja so eine Sache. So richtig scheppert es erst, wenn man ganz oben angekommen ist. Und Eminem, da müssen wir uns nichts vormachen, verkehrte auch fast zwanzig Jahre nach seinem sagenumwobenen zweiten Platz bei dieser Rap-Olympiade in Sphären, wo die Luft recht dünn ist. Der daraus resultierende Mangel an Sauerstoff wäre eine plausible Erklärung für »Revival«. Vier Jahre nach »MMLP II« ist Ems siebtes Studioalbum mehr Abgesang denn Wiederbelebung. Der mittlerweile 45 Jahre alte Marshall Bruce Mathers III wirkt unentschlossen, gar realitätsfern. Ein Gesamtkonzept, das die 19 (!) Tracks umschließt, sucht man vergebens – die Willkür des Shuffle-Modus könnte hier keinerlei Schaden anrichten. Dabei hätte man die drohende Katastrophe an Donald Trumps Verhalten erahnen können. Dass der 71-jährige Internetrambo ausnahmsweise die wurstigen Twitterfinger still hielt, als Eminem letzten Oktober im Rahmen der BET Awards zur Verbalattacke ansetzte, spricht Bände über die Effektivität des viereinhalbminütigen Cypher-Vortrags. Ungeachtet führt Em seinen Ansturm gegen den 45. Präsidenten der USA, den er bereits 2016 mit »Campaign Speech« begonnen hatte, auf »Revival« fort. »Like Home« ist gleichermaßen pathetisch wie patriotisch – und verpufft, weil der sonst um keinen Tweet in Richtung Show- und Sportgrößen verlegene Trump ihn erneut ignoriert. Nicht dass man ihm einen Rückfall in die Medikamentensucht oder erneutes Babymama-Drama wünschen würde, doch eine Analyse von Eminems Diskografie macht klar, dass genau diese persönlichen Dämonen und privaten Querelen Treibstoff für die Großartigkeit des wasserstoffblonden Derwischs waren. Statt dem aufgedunsenen Slim Shady erwartet einen auf »Revival« ein hagerer, ernst dreinblickender Mittvierziger, dessen output zwischen zwei Extremen pendelt: glattgebügelte Balladen (»Walk on Water«, »River«, »Need Me«) alternieren mit Blödel-Sex-Rap (»Remind Me«, »Heat«). Verschlimmert wird dieses Fiasko nur noch durch die blutleeren Produktionen und Ems Faible für Weichspül-Stimmchen. Auch die Mühen der ausführenden Produzenten Dr. Dre und Rick Rubin sind vergebens. Am Ende bleibt der traurige Fakt, dass wir seit »The Eminem Show« im Frühjahr 2002 auf ein wirklich überzeugendes Soloalbum von Slim Shady warten.

Revival
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