Einfachso: »Ich habe auch schon auf Country-Musik gerappt« // HipHope

Bei EINFACHSO ist der Name Programm. Nicht nur, weil er die Frage, wie er eigentlich auf seinen Künstlernamen gekommen ist, bereits beantwortet, ohne dass man danach gefragt hätte. Auch die unverkrampfte Musik des experimentierfreudigen Wieners entsteht ohne große Hintergedanken.

Das trifft auch auf die aktuelle »UDTZ UDTZ«-EP zu, die seine charismatischen Raps mit tanzbarem Techno instrumentiert. Auf klassische HipHop-Elemente verzichten die fünf Songs dabei vollständig, voreilige Rückschlüsse sollte man deshalb aber keine ziehen. »Ich habe schon in der Grundschule Bushido gehört, dann habe ich Freestyle-Battlerap gemacht. Aus dieser Ecke komme ich auch eigentlich, das hat mich aber irgendwann nicht mehr interessiert.« Eine besondere Electro-Leidenschaft nennt der junge Pole aber nicht sein eigen. »Ich würde nicht behaupten, dass dieses Techno-Ding das ist, was ich auf Dauer machen möchte. Das war eine Idee, die uns kam, als ein Kollege einfach aus Spaß ‚Ohne mein Team‘ auf einen Techno-Beat gelegt hat. Das hat gut gepasst und mich ein bisschen angefixt. Das gibt es ja auf Deutsch nicht so richtig. Sachen wie ‚Stoff und Schnaps‘ sind witzig, aber nicht krass gerappt. Das war dann wie ein Spielplatz für mich. Ich hatte keinen Plan von der Materie und musste erst mal googeln, was so ein Techno-Beat überhaupt an BPM hat.«

»Geil rappen auf alles, was geht.«

Mit Technopartys hat EINFACHSO nichts am Hut, der 20-Jährige ist ein absoluter HipHop-Head, der »auf Freestylebattles mit nem Bier und nem Joint Gegner zerflext«. Immerhin eine kleine Einordnung, denn so richtig will keine Schublade passen. Auf seinen Pressetext angesprochen, in dem er »zwischen Straße und Unihörsaal« angesiedelt wird, lacht EINFACHSO. »Fick mal unseren Pressetext!«, sagt er – bestätigt allerdings, ein »vielseitiger Motherfucker« zu sein.

Und in der Tat, das ist er. Aus Schlagworten von »Hool« bis »Schach« fällt es schwer, ein griffiges Puzzle zusammenzusetzen. Das braucht es aber auch gar nicht. Sein Studium tut er grinsend als »eher semi-ambitioniert« ab, musikalisch scheint er dafür umso motivierter. Kommende Projekte sollen aber wieder anders klingen; nicht aus Prinzip, sondern weil es ihm gefällt, sich auszuprobieren. »Im Grunde genommen kann man sagen: Geil rappen auf alles, was geht.« Als Freestyler hat er ohnehin schon auf alles gerappt, was Rhythmus hat. »Ich habe auch schon auf Country-Musik gerappt. Ich probiere einfach rum und haue alles raus, was gut klingt. Limitierungen gibt es keine.«

Auch nicht von Seiten seines Labels, Gerards Futuresfuture. Diese ungewöhnlich wirkende Verbandelung kam über seinen Kollegen Jugo Ürdens zustande. »Ich glaube nicht, dass wir jetzt dieses Interview führen würden, hätte ich nicht das Label im Rücken. Der Gerard steht einfach auf das, was wir machen – auch wenn es musikalisch etwas völlig anderes ist als sein eigener Kram.« Seine Zukunftsaussichten erklärt er belustigt. »Wenn nicht mit Rap, dann … keine Ahnung. Irgendwas.« EINFACHSO. Der Name ist Programm – in jeglicher Hinsicht.

Text: Skinny

Dieses Feature erschien erstmals in JUICE #188. Back-Issues können versandkostenfrei im Shop bestellt werden.

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