Danny Brown – Atrocity Exhibition // Review

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(Warp Records)

»Atrocity Exhibition« – treffender hätte es Danny Brown nicht formulieren können. Seit drei Alben wölbt der Weirdo-Rapper mit Vorliebe für britischen Post-Punk sein Innerstes nach außen und hustet in Ferrari-Geschwindigkeit Geschichten über Drogenmissbrauch, Depressionen und Realitätsverlust aus. Dabei war es immer dann am spannendsten, wenn es im Nebel der Halluzinogene zusehends undurchsichtiger wurde, wo ironische Glorifizierung endete und die nüchterne Dokumentation der eigenen Zerstörung begann. »Atrocity Exhibition« knüpft an eben jene Grauzone an, die dem Detroiter MC mit der Quäkstimme schon im Zuge seines Fool’s-Gold-Debüts »XXX« zu vermehrter Aufmerksamkeit verhalf. Diverse Produzenten wie Paul White, Black Milk oder Evian Christ lassen kernige Bassläufe bedrohlich ihre Kreise ziehen und Tribal-Snares sekundenlang in die Leere scheppern. Und Brown seziert sich über diesem Klanggewusel Line für Line selbst: »I’m sweating like I’m in a rave/Been in this room for three days«, eröffnet er das Album paranoid mit »Downward Spiral« und skizziert, begleitet von einem Gepolter, das an die Noise-Rocker Swans erinnert, eine Geschichte, die beim Dreier von letzter Nacht erst anfängt. Auf Albumlänge profitiert Danny Brown von einer Eigenschaft, für die er oft gescholten wurde: Er ist und bleibt ein Hipster. Sein immens breiter Musikge­schmack, der von Love bis Master P reicht, macht Brown nach wie vor unberechenbar. In »Dance In The Water« manövriert er sich gekonnt durch Fela-Kuti-Gesänge, für »Today« wagt er sich in tiefste UK-Bass-Höhlen, um daraufhin mit Cypress-Hill-Ikone B-Real die genüssliche Weed-Hymne »Get Hi« zu bauen. Dabei schafft es Danny Browns Hedonismus-am-Limit-Rap allein, die unterschiedlichen musikalischen Stimmungen auf »Atrocity Exhibition« in ein homogenes Gesamtbild zu lenken. Jeder kurze Lichtblick ist ein trügerischer, und die nächste Pille nur einen Handgriff entfernt.

Text: Lukas Klemp

Atrocity Exhibition [Explicit]
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