Bun B – Trill O.G.

 

Bun-B_Trill-OG

 

(Rap-A-Lot/Import)

 

“I been watching a genius at work on this album”, schwärmt J.Prince im Intro über seinen prominentesten Mitarbeiter. Der Chef von Rap-A-Lot müsste es eigentlich wissen, er ist ein gewiefter Geschäftsmann mit scharfem Blick für musikalisches Talent. Mit dieser Einschätzung aber liegt er gründlich daneben. Seit den späten achtziger Jahren besticht Bun B durch altpreußische Arbeitsmoral, beispiellose Geradlinigkeit und eine bewundernswerte Hartnäckigkeit. Er hat die Ignoranz hochnäsiger New Yorker ebenso überwunden wie die langjährige Inhaftierung seines Partners Pimp C, und selbst dessen unerwarteter Tod im Jahr 2007 konnte ihn nicht brechen. In 23 langen Karriere­jahren hat er sich nie zum Deppen gemacht und dabei neun mehr oder weniger gelungene Alben veröffentlicht – als Botschafter des Country Rap mit UGK sowie als vielseitig einsetzbare Sechzehner-Maschine im Alleingang (“Trill”). Er hat die Stimme und den Status, die Persönlichkeit und die richtigen Freunde. Kurz: Bun B ist einer von den Guten, ein Sympathieträger, ein Lieblingsrapper, man gönnt ihm alles Glück dieser Welt. Ein Genie jedoch ist er nie gewesen. Dafür ist sein Flow letztlich zu simpel, sein musikalisches Verständnis zu limitiert. Und “Trill O.G.” zeigt diese kleinen Mängel im großen Stil auf. Der Platte fehlt nicht nur Pimp C. Ihr fehlen auch Ideen, Stringenz, Moment und alles andere, was ein gutes Rap­-Album auszeichnet. Dabei hat “Trill O.G.” durchaus seine Momente. Die erste Single “Just Like That” etwa ist eine Respekt-her-und-zwar-sofort-Hymne monumentalen Ausmaßes, mit imperativer Snare, Fanfaren und einem Jeezy in Bestform. “Speakeasy” zeigt einen interessanten, Blues-lastigen Zugang zum musikalischen Vermächtnis Pimp Cs. “Ridin’ Slow” mit Slim Thug und Play N Skillz erinnert in seiner bittersüßen Zähflüssigkeit an die Hochzeit texanischen Parkplatz-Raps. Und “Put It Down” hat immerhin eine grundsolide Strophe von Drake zu bieten, der einmal mehr wie ein Pfau auf Testosteron und E durch die mindestens beste Nacht seines Lebens marodiert. Ansonsten aber ist “Trill O.G.” über weite Strecken einfalls-, ja: belanglos. Routinemäßig werden alle gebräuchlichen Streetrap-Stile zwischen Houston und Atlanta abgeklopft, hier nervt T-Pain, dort langweilt Yo Gotti. Und wenn einem dann aus heiterem Himmel die Trademark-Drums von Bun Bs langjährigem Freund DJ Premier entgegenscheppern, ist das nicht die angekündigte gelebte Geschichtsschreibung, sondern nur ein ziemlich fader Stilbruch. Zu allem Überfluss muss dann noch der späte Pimp für eine Konservencollage mit Trey Songz und 2Pac herhalten: Ein Aufreißersong mit R&B-Hook und zwei Toten – besser hätte man die erstaunliche Beliebigkeit dieser Platte nicht auf den Punkt bringen können.

 

Text: Davide Bortot

 

 

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