Bree Runway: »In Wahrheit liefern die Frauen im HipHop gerade richtig ab« // Interview

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Bree Runway sollte man nicht einfach als »Rapperin« bezeichnen, auch wenn sie selbstverständlich rappt. Die Londonerin ist vielmehr eine Pop-Künstlerin, die es beherrscht, Einflüsse aus verschiedenen Genres miteinander zu verknüpfen, ohne dabei je aufgesetzt zu wirken oder einem Hype nachzujagen. Pop-Hymnen zum Mitsingen stehen gleichberechtigt neben Songs mit stark verzerrten Metal-Gitarren oder Trap-Bangern, die Brees Diskographie vielseitig machen. Kein Wunder, dass sie im UK bereits viel Aufmerksamkeit bekommt, unter anderem auf der »Artists To Watch 2021«-Liste der BBC gelandet ist, mit Rapperinnen wie Rico Nasty, Yung Baby Tate oder Missy Elliott zusammenarbeitet und selbst Cardi B Fan ist.

Im Interview haben wir mit Bree Runway über ihre musikalischen Anfänge und frühere Zweifel gesprochen, die empowernd-politischen Botschaften in ihren beeindruckenden Videos näher betrachtet und festgestellt, dass wir endlich wieder Konzerte und Face-To-Face Gespräche brauchen.

Wie geht’s dir?
Mir geht‘s gut. Wie geht’s dir?

Ganz OK dafür, dass wir gerade eine Pandemie haben.
Ich weiß, das ist f*****g verwirrend, oder etwa nicht?

Schon, mein Job besteht zu großen Teilen daraus, Zoom-Meetings zu erstellen, um dort Leute zu interviewen. Oft eine komische Art der Kommunikation.
Es ist sooo verdammt langweilig. Ich wünschte, wir könnten das Interview einfach in Deutschland machen, das wäre viel spaßiger.

Safe und außerdem gäbe es dann die Chance, dass du dort live spielst.
Ich weiß und ich mag Deutschland echt sehr, ich bin öfters zum Recorden in Berlin. Bist du gerade dort?

Im Moment nicht, da ich im Homeoffice arbeite, aber normalerweise ist unser Büro dort. Was hast du in Berlin aufgenommen? Eigene Songs, Features?
Ich hab da meine eigenen Songs recordet und mache dann meistens Sessions, so für eine Woche oder zehn Tage. Ich liebe das wirklich sehr.

Ich vermisse es auch ziemlich, einfach dort zu sein und Leute zu treffen. Aber lass mal weniger über Berlin reden und zu deiner Musik kommen. Man kann deiner Musik nicht wirklich ein Genre zuordnen, eher sehr viele, die dort Einfluss haben. Daher will ich natürlich wissen, was deine musikalischen Anfänge waren. Welche Musik hast du gehört, als du jünger warst?
Ich hab mich schon ziemlich früh für Musik begeistert. Mein Dad war ein Drummer und meine Mum hatte großes Interesse an Pop-Sachen und afrikanischer Musik. Das habe ich dann zu Hause viel gehört. Selber angefangen habe ich in meinem Schlafzimmer, da habe ich sozusagen kleine Fake-Konzerte für niemanden gespielt. Ich habe mich verkleidet, meine Haare ordentlich gemacht und im Endeffekt vor meinen Teddybären performt. Als ob es eine Sold-Out-World-Tour wäre, die es natürlich nicht war. So habe ich wahrscheinlich den ersten Schritt dahin gemacht, eine Musikerin zu sein. Aber ich hatte immer ziemlich Angst davor, Musik weiter zu verfolgen. Ich habe mich gefragt, ob ich es als Musikerin schaffen würde und ob ich gut genug bin. Ich hatte aber auch Angst davor, ein bekannter, großer Star zu sein, weil man von Celebrities eben Dinge wie öffentliche Zusammenbrüche mitbekommt. Das hat mich alles etwas verängstigt, aber Musik war trotzdem meine große Leidenschaft.

Wann war dann der Zeitpunkt, wo du dich doch dafür entschlossen hast, etwas vor anderen Leute zu spielen?
Uff, es hat ziemlich lange gedauert. Aber es gab die Zeit, wo ich dachte, dass ich wenigstens meine Stimme vor Leuten präsentieren kann, die ich gern habe. Das war ich ungefähr 12 Jahre alt. Meine Cousins und ich haben im Wohnzimmer ein Konzert für unsere Onkel, Tanten und Eltern gespielt. Ich war sowas wie der Main-Act. Es war fast wie ein Festival und ich war die Headlinerin im Haus. Ich weiß auch nicht, aber auf jeden Fall waren sie ziemlich beeindruckt und meinten, dass meine Stimme fantastisch klingt. Ich habe dann gefragt (macht quietischig hohe Stimme nach): »Ist sie wirklich?« Und sie meinten: »Ja.« Also habe ich das weiterhin gemacht. Bei jedem dieser Konzerte, die wie danach gemacht haben, war ich der Main-Act. Jedes einzelne Mal.

Was für Musik hast du damals gemacht?
Damals war ich ehrlich gesagt sowas wie ein Destiny’s Child Tribut. Ich habe eigentlich nur das gesungen, was Destiny’s Child damals gesungen haben.

Gute Wahl für Gesang.
Auf jeden Fall.

Wann hast du damit angefangen, dir eigene Sachen auszudenken?
Weißt du was? Jedes einzelne Jahr in der Schule habe ich mir ein musikbezogenes Projekt vorgenommen, das dann auch Sachen wie Songwriting beinhaltet hat. Also war ich ungefähr 15 als ich damit angefangen habe, meine eigene Musik zu schreiben. Ich glaube in meinem ersten Song ging es darum, dass ich meine Oma verloren habe. Damit habe ich angefangen und danach habe ich mehr übers Produzieren und solche Sachen gelernt. Damit wurde ich viel selbstbewusster im Musik-Machen.

Das ist auf jeden Fall früh und das Thema auch ziemlich deep.
Ich weiß. Viel deeper als die Sachen über die ich jetzt schreibe. Jetzt ist es so, dass ich mich weigere, deep zu werden, ich bin eher verängstigt davon.

Ja schon, aber ich würde nicht sagen, dass es gar keine Deepness in deiner aktuellen Musik gibt.
True. Meine Message ist schon ziemlich deep, das stimmt.

Hast du den ersten eigenen Song veröffentlicht?
Ne, das habe ich nie gemacht, ich habe ihn eigentlich nur für mich selbst geschrieben. Es ist nie rausgekommen. Mann, ich würde ihn wirklich gerne finden.

Welchen Song hast du dann als erstes rausgebracht, damit ihn sich alle anhören können?
Das war der Song »It’s About Us«, den habe ich auf Soundcloud gepackt. Er hat sich um meinen Ex gedreht und ist entstanden, nachdem ich mir mein erstes Studio-Setup für Zuhause gekauft habe. Ich habe um die 200 Pfund für eine Soundkarte und ein Mikrophon samt Zubehör ausgegeben, die ich dann an mein Macbook angeschlossen habe. Damit habe ich dann Zuhause geschrieben, aufgenommen und gemixt. Es war nicht fantastisch, aber der Song war gut genug, um ihn auf Soundcloud zu laden. Das war mein erster richtiger Song.

»Ich wollte es zu meinem ersten Move machen, jedem zu zeigen, dass ich keine Person bin, die man auf diese Art ausnutzen kann. Ich schlage dir halt den Schädel mit einer Schale ein und lasse dich bluten.«

Bree Runway über ihre Message im Video zu »What Do I Tell My Friends?«

Hat er dir schon irgendwelche Aufmerksamkeit eingebracht?
Das war eher der erste Schritt, ich glaube das hat gar keine Wellen geschlagen. Außer vielleicht an der Uni und bei Lehrern, die das Songwriting und die Art, wie der Song komponiert war, spannend fanden. Aber wenn es um die echte Öffentlichkeit geht, hat der Song echt gar nichts für mich gebracht. (lacht) Aber das hat mich natürlich trotzdem einen Schritt näher zu dem gebracht, wo ich heute bin.

Logisch. Und welche Artists liefern ihr bestes Material denn direkt mit dem ersten Song ab?
Exakt. Es trägt einfach dazu bei, dass man besser und größer wird.

Weißt du noch, wann du den auf Soundcloud geladen hast?
Ich glaube das war 2015.

Dann hat es danach ja wirklich nicht lange gedauert, bis du größere Aufmerksamkeit bekommen hast. Weil der erste Song mit Video, der Welle gemacht hat, war dann 2017 »What Do I Tell My Friends?«, oder?
Genau, der war es. Und weißt du, was verrückt ist? Den habe ich in Deutschland aufgenommen. Ich habe »What Do I Tell My Friends?« in Berlin aufgenommen, in Kreuzberg.

Nice. Das ist auf jeden Fall real. Und ich würde sagen im Video zu diesem Song findet sich genau diese deepe Message, über die wir vorhin gesprochen haben. Es gibt dort einen übergriffigen weißen Mann, der dich begrapscht. Bezieht sich das auf eine generelle Erfahrung von dir oder speziell auf Vorgänge in der Musikindustrie?
Ich glaube es war für mich wichtig, dieses Thema im Video früh in meiner Musik und meiner Karriere zu behandeln. Die Fetischisierung des Schwarzen, weiblichen Körpers ist auf jeden Fall eine Sache, die existiert. In Musik, in Kunst, im Leben, wenn du nur die Straße langläufst – wo auch immer. It is a thing. Und genauso wie das, gibt es auch viele Männer in der Industrie, die ihre Positionen ausnutzen. Unter dem Vorwand, dass sie einem helfen und hervorheben wollen, bringen sie dich in Situationen, die unangenehm sind. Dann kann es sein, dass du einen Teil von dir selbst aufgeben musst, um das zu bekommen, was du willst. Für mich persönlich ist das nichts, auf das ich mich jemals einlassen würde. Ich würde literally das tun, was ich im Video mit der Schale mache. Ich fühle diesen Druck auch nicht, weil ich weiß, dass mein Talent genug ist, um dahin zu kommen, wo ich hin will. Es zahlt sich auf jeden Fall aus. Aber es ist eben trotzdem ein Ding. Es gibt so viele Frauen auf Instagram, denen Fotographen in die DMs sliden und Dinge schreiben wie: »Hey, lass uns ein Shooting machen.« Und dann wollen sie, dass du bestimmte Sachen machst oder anziehst, während du eigentlich dachtest, dass man hier für einen Fashion-Shoot ist. Aber der Fotograph will dich eigentlich nur nackt sehen. Weißt du was ich meine? Es gibt so viele Männer, die ihre Positionen ausnutzen. Ich wollte es zu meinem ersten Move machen, jedem zu zeigen, dass ich keine Person bin, die man auf dieser Art ausnutzen kann. Ich schlage dir halt den Schädel mit einer Schale ein und lasse dich bluten. (lacht)

Ja, exakt diese Typen gibt es hier natürlich auch. Aber du holst dir deinen Raum am Ende des Videos auf jeden Fall auf eine eindrückliche Art und Weise zurück. Definitiv ein starkes Signal.
Auf jeden Fall. Ich liebe ein bisschen Drama, ich setze gern ein Statement. Etwas, dass sich Leute häufiger angucken und dann über die tiefere Bedeutung dahinter reden. Und es ist echt, es ist einfach sehr echt.

»in Wahrheit liefern die Frauen im HipHop gerade richtig ab. Es ist eigentlich eine sehr gute Zeit für uns, insbesondere für Schwarze Frauen. […] Im Moment habe ich das Gefühl, dass die Welt wirklich zuhört.«

Im Video zu »Big Racks« blendest du am Anfang Fakten ein, die direkt zum Nachdenken anregen. Unter anderem, dass ethnische Minderheiten weniger verdienen und das Gefühl haben, sich mehr anstrengen zu müssen, um erfolgreich zu sein. Auch etwas, dass du selbst in der Musikindustrie erfahren hast?
Ich habe das in der Industrie nie direkt selbst mitbekommen. Ich sehe Tweets, wo Leute schreiben, dass ich erfolgreicher wäre, wenn ich light-skinned wäre. Das könnte stimmen, es könnte aber auch nicht stimmen. Fakt ist, dass light-skinned immer bevorzugt wird, for sure. Und das ist schon seit einer langen Zeit so. Ganz generell, zum Beispiel wenn es darum ging, welche Mädchen bei den Jungs beliebt waren, oder wenn es darum geht, welche Frauen mich von Magazin-Covern angeguckt haben, oder wer Hauptrollen bekommen hat – überall war Erfolg ganz klar in Verbindung zu einer helleren Hautfarbe vorhanden. Wir müssen immer extra hart arbeiten, um eine gute Position zu kommen. Das ist auch der Grund, warum meine Arbeit auf Statements setzt. Einmal ganz generell, weil ich eine Person bin, die nicht daran glaubt, mittelmäßige Arbeit zu veröffentlichen. Aber auch deswegen, weil ich weiß, dass ich mir als dark-skinned Frau meinen Arsch aufreißen muss, um dahin zu kommen, wo ich landen will. Alles, was ich mache, muss »Wow« sein. Alles, was ich mache, muss diesen Replay-Value haben, damit Leute sich fragen »What the fuck?! Hat sie das gerade wirklich gemacht?« und es sich nochmal angucken. Ich könnte niemals durchschnittlich sein, weil ich weiß, wie die Welt uns sieht und wo sie uns haben will. Ich bin bereit dazu alles zu geben, um für meine Position zu kämpfen.

Auf dem Cover deiner EP »Be Runway« zeigst du dein Gesicht, in dem eine Hälfte deinen natürlichen Hautton hat, während die andere Hälfte gebleicht ist. Warum hast du dich für dieses Bild entschieden?
Es gibt eine doppelte Bedeutung dieses Covers, denn in der Arbeitswelt müssen schwarze Frauen manchmal selbst White-Washing betreiben. Wir müssen viele Mikro-Agressionen am Arbeitsplatz ertragen, um unser Gehalt am Ende des Monats zu sehen. Du willst nicht widersprechen und zu laut erscheinen, denn dann wirst du direkt als »Ghetto«, »laut« oder »wütende schwarze Frau« abgestempelt. Auf der anderen Seite gibt es auch weiße Leute, die total darauf aus sind, Features mit schwarzen Personen zu bekommen. Es ist ein sehr seltsames Give & Take-Ding, das in der Welt passiert. Einfach merkwürdig.

Empowerment ist bei dir nicht nur in Bezug auf die Schwarze Community zu sehen, sondern ganz generell für Frauen. Auch wenn du nicht nur eine Rapperin, sondern eben Sängerin und Pop-Artists bist, bist du der HipHop-Szene natürlich verbunden. Gerade dort fühlt es sich oft so an, als ob Frauen auch heute noch oft zweite Wahl sind.
Aber in Wahrheit liefern die Frauen im HipHop gerade richtig ab. Es ist eigentlich eine sehr gute Zeit für uns, insbesondere für Schwarze Frauen. Jetzt ist die Zeit dafür, laut zu sein, sein Bestes zu geben und eben das zu tun, was man tun möchte. Im Moment habe ich das Gefühl, dass die Welt wirklich zuhört.

Du tust das auch in Form von Features mit anderen Frauen, wie Yung Baby Tate, Rico Nasty oder Brooke Candy, die das sicherlich ähnlich sehen. Auf deiner Single »ATM« hast du mit Missy Elliott zusammengebarbeitet. Wie ist es dazu gekommen?
OMG, das war unwirklich. Anfang des letzten Jahres habe ich den Song »Apeshit« raugebracht und es gab einen Haufen Tweets, in denen ich mit Missy verglichen wurde. Es gab schon einige von diesen Tweets, ein paar hundert, also habe ich Missy Eliott getaggt und geschrieben, dass die Leute mich anscheinend als ihre musikalische Tochter sehen. Und sie hat geantwortet, dass sie das mitbekommen hat und ich so weitermachen soll. Ich meinte zu einer Freundin, dass sie das auf jeden Fall screenshotten soll und ich und Missy dieses Jahr einen Song zusammen machen werden. Sie war ein bisschen skeptisch, aber ich meinte nur: »Screenshot this f*****g text, we are making a song togehter.« Ich hatte dann den Song ATM und das Gefühl, dass dort noch etwas fehlt. Ich wusste nicht wirklich genau was und es hat Ewigkeiten gedauert, den fertig zu stellen. In der Zwischenzeit habe ich den Song »Gucci« rausgebracht und als ich schlafen gehen wollte, hat mein A&R mich angerufen und gefragt, was ich mache. Ich meinte dann, dass ich jetzt gerade schlafen wollte und er meinte nur: »Wach auf. Missy will einen Song mit dir zusammen machen.« Ich konnte es nicht fassen und er meinte, dass sie ihn kontaktiert hat und etwas machen möchte. Ich war aufgeregt und wusste nicht, was wir ihr senden sollten. Er meinte, dass wir »ATM« senden sollten und ich meinte dann, dass wir es ja probieren können und schauen, was passiert. Und sie mochte den Song und hat einen Verse darauf recordet. Ich dachte nur »What the hell?!«

Mega. Wie war das für dich?
Da ist auf jeden Fall ein Traum wahrgeworden. Sie ist eine total wichtige Frau im HipHop, ein Idol.

Der Song ballert auf jeden Fall hart und auch die Outfits sind sehr extravagant.
Darauf bin ich auch sehr stolz, ich bin ein absolutes Fashion-Girl. Fashion ist mir wirklich wichtig.

Passt auf jeden Fall dazu, dass du dich schon früher verkleidet hast.
Ja, das macht echt Sinn. Damals hat meine Mum die Kostüme gemacht. Ich hatte die Idee für das Design, sie hat diese Ideen lebendig gemacht. Das ist im Grund genommen auch heute noch der Prozess. Ich designe die Fashion und das Team setzt die Ideen um.

Logisch, dass du auch in diesen Prozess involviert bist.
Oh ja, ich bin überall involviert. Glücklicherweise und unglücklicherweise. (lacht) Es ist wirklich seeehr viel Arbeit.

Dafür hast du natürlich die komplette Kontrolle über alles, was unter deinem Namen erscheint.
Genau das ist es. Das ist der spannende Part.

Den Song »Gucci« hast du ja schon erwähnt. Ist dir Designer-Mode wichtig?
Es geht weniger darum, dass es Designer-Ware ist. Mehr darum, dass es ein Statement setzt. Wenn es ein Statement ist, liebe ich es. Das kann von einem Second Hand Store kommen oder eben von Dior. Es muss auf jeden Fall ein Stück sein, das interessant ist. Mir sind interessante Klamotten wichtig.

Gibt es jemanden, der Inspiration für deinen Style liefert?
Ich bin ehrlich gesagt von allem inspiriert, aber von keiner spezifischen Person. Es gibt Zeiten, da bin ich von der Unterwelt beeinflusst, das können zum Beispiel die Muster von irgendwelchen Fischen sein. Ich finde wirklich überall Inspiration.

Gilt das auch musikalisch?
Auf jeden Fall, hundert Prozent. Du kannst Sounds und Rhythmen überall hören. Selbst die Art, wie jemand im Zug hustet, oder wie jemand mit seinen Füßen tappt. Ich höre überall Musik.

Hast du dann direkt kreative Ideen, wenn du jemanden im Zug rhythmisch husten hörst?
Ja, das ist schon so oft passiert. Sobald ich aus dem Zug raus bin, versuche ich das Husten-Pattern in einer Sprachnotiz zu wiederholen und mit ins Studio zu nehmen.

Cooler Arbeitsprozess.
Mich inspiriert echt alles, damit kann man dann im wahrsten Sinne Nothing into Something machen.

Und man findet immer neue Ideen.
Ja, es ist ein Segen.

Du hast auch mit einigen anderen spannenden Leuten zusammengearbeitet, zum Beispiel mit Aminé an dem Song »Pressure In My Palms«, auf dem Vince Staples und Slowthai zu hören sind.
Das war ein großartiger Prozess, Aminé ist fantastisch. Er ist jemand, der sehr genau weiß, was er will. Daher war das Arbeiten mit ihm sehr einfach. Ich glaube wir haben mehr Zeit damit verbracht, nach dem Arbeiten im chinesischen Restaurant zu essen, als tatsächlich im Studio am Song zu arbeiten. Wir haben automatisch verstanden, was die jeweils andere Person gebraucht hat. Eine klasse Session, die echt easy war.

Fällt es dir oft so leicht?
Ich bin eine People-Person, daher eigentlich schon. Die einzige Sache, die für mich ab und zu ein bisschen frustrierend ist, ist dass meine eigene Kunst einfach speziell ist. Deswegen funktioniert es nicht bei jeder Person, die meine eigene Vision umsetzten soll. Nicht jeder ist auf meinem Film.

Welcher Artist ist noch auf deiner Bucket-List? Was wäre ein Traum-Feature?
Ich würde liebend gerne mit Kevin Parker, Lady Gaga, Young Thug oder Grimes zusammenarbeiten.

Gute Auswahl. Ich könnte mir auf jeden Fall ein krasses Video von dir und Lady Gaga vorstellen.
OMG, das würde ein sehr verrücktes Video werden.

Dann lass am Ende noch einen Blick in die Zukunft werfen. Mit »Hot Hot« kommt dein erster Song in diesem Jahr raus. Was kannst du uns darüber erzählen?
Es ist einfach eine so harte Zeit, ein Jahr im Lockdown zu sein. Ich wollte einen Song machen, während ich quasi aus dem Gefängnis komme, sagen wir es so wie es ist, in dem ich mich absolut gut fühle. Ich fühle mich dann wie ein Hot Hot Girl und genauso sollen sich auch alle anderen fühlen.

Nach der näheren Zukunft zu fragen, ist aktuell natürlich ein bisschen schwierig, weil keiner genau weiß, wie es weitergeht. Aber was willst du auf jeden Fall machen, wenn die Pandemie vorbei ist?
Ich will auf jeden Fall meine Londoner Headline-Show spielen, ich hoffe die kann stattfinden. Außerdem hatten alle sehr viel Zeit, um die Texte zu lernen, daher freue ich mich auf den tadellosen Gesang der Crowd. Ich kann das wirklich nicht mehr erwarten.

Interview: David Regner
Beitragsbild: Vasso Vu

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