Blakroc – Blakroc // Review

 

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(V2/Cooperative/Universal)

Wertung: Fünf Kronen

Wie packt man’s an, dieses unverhoffte Highlight zum Jahresend’? Eine launige Einlassung über Damon Dashs jüngste Neigung zu Hornbrillen, Latte Macchiato-Lofts und Cool Kids-Katalogoutfits? Eine bittere Bemerkung, wie dreist hier mit der gesamten B-legschaft der Roc-Endphase sowie einem bei der Byrd Gang ausgeliehenen Jay-Z-Klon Diamantenfälschung betrieben wird? Eine Generalkritik gar an 25 Jahren Crossover-Unsinn, die außer einer “Rock Box” und vereinzelten Pubertätsschlagern vor allem Pest und Verderbnis über die Menschheit gebracht haben? Nein, mit Zynismus kommt man ihr nicht bei, dieser durch und durch bemerkenswerten Platte, die da im Brooklyner Studio der Black Keys unter der Federführung Dashs entstanden ist. Denn sie lebt nicht vom Konzept, nicht von Namen, nicht von ihrer smarten Aufmachung, sondern vom Vibe ihrer Entstehung, die einem entgegendrängt wie das Killerkarnickel aus “Die Ritter der Kokosnuss” nach einer Überdosis M.O.P. Die scheinbar salopp skelettierten Beatgerüste des Black Keys-Drummers Patrick Karney entfalten über die Spieldauer von 36 Minuten einen Erstliga-Übungsraum-Cypher-Charme, der gerade aus den zahlreichen Altmeistern in der Booth Vorstellungen kitzelt, wie man sie auf konventionellem Bummtschack kaum mehr zu hören bekommt. Dan Auerbach an Gitarre und Gesang akzentuiert diesen rohen, reduzierten Sound eher, als dass er ihn überfrachtete mit seinem unaufdringlich eingängigen Spiel, und auch seine Stimme harmoniert hervorragend mit den Gästen aus der anderen Welt. Überhaupt ist das Booth-Personal geschickt zusammengestellt, obwohl gut die Hälfte des Materials spontanen Studiobesuchen geschuldet sein dürfte: Billy Danzes Testotenor und Jim Jones verkiffter Slow-Flow raspeln puren Rock’n’Roll aus der stets unterschätzten Soulstimme Nikki Wrays, Raekwon verlängert seinen fast schon beängstigenden Lauf mit Geschichten aus der Goldenen Ära zu organisch Aufgezupftem, Jones und Mos stylen rum, und auf dem hymnischen “Hard Times” frisst man irgendwann sogar das Manöver mit NOE, der nicht nur mit einem täuschend ähnlichen Organ wie Jay-Z gesegnet ist, sondern ganz offensichtlich auch mal das “Black Album” gehört hat. Und spätestens wenn sich RZA auf “Dollaz & Sense” durchs Reverb fräst, verzeiht man Dame sogar seine Hipsterverkleidung. Geiler Scheiß.

 

Text: Davide Bortot

 

 

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