Bhad Bhabie – 15 // Review

(B.H.A.D. Music / Atlantic)

Selbst in Zeiten, in denen eigenwillige Internet-Hype-Rapper die Szene spalten, ist Danielle Bregoli aka Bhad Bhabie ein besonderer Fall von »Lieb oder hass es«. Vom Internet zum Meme und von einem cleveren Manager zur Rapperin gemacht, wird das Ex-Cash-Me-Outside-Girl allein bei Instagram mittlerweile von 15 Millionen Beobachtern auf ihrer Reise begleitet. Damit, dass die 15-Jährige knapp zwei Jahre nach ihrem ersten Erscheinen immer noch eine Rolle spielt, haben Fans und Hater wohl gleichermaßen nicht gerechnet; genauso wenig damit, dass ihr erstes Release »15« wirklich etwas kann. Ein gewisses Talent für Sprechgesang kann man dem Mädchen aus Florida nicht absprechen. Wer sich von der Stimme, die zumindest gewöhnungsbedürftig ist, nicht abschrecken lässt, bekommt eine ganze Reihe zeitgenössischer Rapresenter voller Erzählungen darüber, wie viele Ficks Bhad Bhabie auf die zahllosen Hater und Fake Friends gibt. Mit jedem weiteren Durchlauf wächst die Toleranz für ihr helles Organ und die Liebe für ihre nonchalante Intonation. Bei Bregoli geht es weniger darum, was sie sagt, sondern wie sie es trotzig in dein Gesicht spuckt. Zwischen okayen Songs gibt es ein paar echte Höhepunkte. Neben dem wohl bekanntesten Ronny-J-Zertrümmerer »Hi Bich«, ist »Gucci Flip Flops« ebenfalls ein Brett direkt aus der Trap-Küche, mit einem Cheeze-Beatz- und 30-Roc-Zerstörer, nach dem sich auch ein 21 Savage die Finger lecken würde. Darauf spaziert Bhad Bhabie durch Binnen­reime, bevor sie gekonnt einen Doubletime-Part anflowt. Mit diesem Skillset macht sie selbst neben Feature-Gästen wie YG, Lil Yachty und Lil Baby keine schlechte Figur. Sicher ist der sich selbst angedichtete Reichtum und die krasse Härte und Überheblichkeit schwer glaubwürdig, aber wer die Authentizitätskeule wild durch einen Haufen Newcomer-Rapper schwingt, der wird auch ein paar Treffer landen. Aber so zu tun, als wäre »Fake it till you make it« nicht schon lange ein veritabler Weg im HipHop, langweilt einfach nur. Gebt dem Mädchen doch eine faire Chance.

Text: Arne Lehrke

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