Beck’s Art Label Edition M.I.A.

Die Popkultur ist voller Kunst. Und die Kunst ist voller Popkultur. Ist so. War so. Wird auch so bleiben. Eine weitere Episode in der Beziehung liefert die neue Beck’s Art Label Edition, bei der internationale Künstler wie M.I.A., Bloc Party, Anton Corbijn, Boys Noize & Paul Snowden und Seeed die grünen Flaschen verzieren durften. Auf 90 Millionen Flaschen kleben derzeit fünf verschiedene Designs. Die Ansage von der Bier-Firma aus Bremen war folgende: Frei, unabhängig und ohne Vorgaben sollten die Künstler die Etiketten gestalten. Das ist natürlich ganz im Sinne einer unserer allerliebsten Britinnen. M.I.A. sagt dementsprechend: »Kunst heißt für mich einfach, sich selbst auszudrücken, es ist einfach, was jemand tut.« Und das stellt die Weltenbummlerin nicht nur auf ihrem Bier-Label unter Beweis, sondern auch in etlichen Videos.

Zur Feier der Beck’s/M.I.A.-Kollaboration haben wir – ganz im Zeichen der Kunst – die kreativsten M.I.A.-Videos ausgesucht.

M.I.A. »Galang«
Möchtegern-Banksy-Streetart und American Apparel-Videoclip-Ästhetik klingt schon sehr nach Sell-Out. Aber untergrundiger als M.I.A. im Jahr 2003 konnte man gar nicht sein – das Label Showbiz Records brachte den Song »Galang« in einer Auflage von nur 500 Stück raus. Was folgte, war eine der beeindruckendsten Karrieren der Nuller-Jahre. Die Kontroverse gab es ihm Video zu »Galang« gleich dazu: Gescribbelte Bombenexplosionen, tamilische Tiger und rollende Panzer – sieht hier ganz putzig aus, war in der Realität aber ein direkter Verweis auf die eigene Familiengeschichte. (ae)

M.I.A. »Sunshowers«
»Sitzt ’ne Britin im Dschungel auf ’nem Baum…« So fangen schlechte Witze an oder eben gute M.I.A.-Videos. Wie diese Maya Arulpragasam hier nicht nur mit Dschungel-Drums, sondern auch visuell ihrem erklärten Vorbild Missy Elliott Konkurrenz macht, ist schon ganz großes Kino. Und dann chillt die halt mal so nebenbei auf einem badenden Elefanten und macht einen auf Bollywood im Dschungel-Dickicht. Und wie verdammt gut sie erst in dieser weißen Bluse aussieht. (ae)

M.I.A. »Boyz«
M.I.A. goes Jamaica. In »Boyz« zeigt die Londonerin ihre typisch, bunte, lebhafte Seite neben einer Gruppe jamaikanischer Tänzer, deren Beweglichkeit und Dynamik locker Usher von der Tanzfläche kicken würden. Der Dancehall-Electro-Hit könnte auch einem kleinen LSD-Trip ähneln, wenn man sich zu sehr auf die wechselnden Farben, Muster und Illustrationen konzentriert. Ist aber bloß pure Kreativität, die unser Kopf verarbeiten muss. (ff)

M.I.A. »Bad Girls«
Mehr Swag hatte noch keiner, wenn es darum geht, sich die Fingernägel stehend auf einem auf zwei Räder fahrenden Auto in der Wüste zu feilen. M.I.A. ist eben die Prinzessin der (Selbst-)Inszenierung. Mit glitzernder Kleidung, golden-protzenden Accessoires und illegalen Autorennen baut sie eine perfekte Gangsta-Attitüde auf. »Live fast die young/Bad girls do it well«, heißt das Motto im »Bad Girls«-Video, das sie erneut mit Romain Gavras produzierte. Neben der auffällig gekleideten Rapperin sieht man ihre saudi-arabische Gang mal tanzen, mal ziemlich cool herumstehen. Das Rebellische daran: Trotz Kopftüchern wirken die Frauen emanzipiert und unabhängig. Und wie großartig es aussieht, wenn die Kette auf M.I.A.s Brust klatscht. (ff)

M.I.A. »Born Free«
Es lebe die extreme Gewaltdarstellung. Im Video zu »Born Free« leben M.I.A. und der Regisseur Romain Gavras (auch Justice »Stress«) ihre künstlerisch-provokante Ader deutlich aus. Es zeigt rassistische Militärsoldaten, die rothaarige Jungs entführen und in einer öden Gegend aussetzen, um sie schließlich erst wie Kaninchen zu jagen und dann willkürlich zu erschießen. Bodenbomben, explodierende »Ginger Kids« und reichlich Kunstblut prägen die gewaltsame Darstellung. Das Duo M.I.A./Gavras geht aufs Ganze und entsetzt. (ff)

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