Bad Gyal – Worldwide Angel // Review

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(Puro / Canada)

La reina del reggaeton catalán kürt sich zum internationalen Phänomen. Mit Recht: Die Katalanin Bad Gyal ist über ein feministisches und spanischsprachiges Publikum hinausgewachsen, ohne ihr Empowerment oder ihre Sprache eingebüßt zu haben. Dass ihre Heimat am Mittelmeer gerade nicht weiß, ob sie unabhängig ist oder zur Erbmonarchie Spanien gehört, kann man also beim Hören von »International Angel« getrost vergessen: Bad Gyal überwindet Grenzen und singt und rappt inzwischen auch größtenteils auf Spanisch, streut lediglich auf dem Track »Yo Sigo Iual« das Katalanische ein. Übersetzt bedeutet das so viel wie »Ich bin dieselbe« und handelt davon, dass der Fame sie nicht verändert hat. So weit, so bekannt. Interessanter ist ein Blick auf die Produzentenliste, die zeigt, dass der Bad-Gyal-Sound sich per Verweis auf den allgemeinen Charterfolg von Reggaeton und Dancehall nicht greifen lässt: Dubbel Dutch hat die Riddims produziert, die Popcaan vom Inselphänomen zum Dancehall-Superstar machten. Jam City half letztes Jahr Kelela, ihre androide Symbiose aus R’n’B und Elektronik zu finden. Und D33J legt in seinem Soloschaffen einen Popquerschnitt durch die Zweitausender in ein unermüdlich two-steppendes Technogewand. Der gemeinsame Nenner ist vielleicht im Track »Tra« versteckt. Die Protagonistin ist von komplizierten Liebesdingen geplagt, die einzige Medizin: Die Flucht auf den Dancefloor. »Las Niñas Quieren Tra« – die englische Übertragung »Girls Gotta Work« funktioniert vermutlich besser als »Mädchen müssen arbeiten« – erinnert an das Rihanna-Cover »Pai«, mit dem sie vor zwei Jahren ihren Durchbruch feierte. Der Dancer ist die Bühne, auf der das katalanische small town girl Alba Farelo hinter Autotune, flashy Outfits und Musik aus aller Welt verschwinden kann und zum rudegal Bad Gyal wird. Diesen Prozess macht »Worldwide Angel« noch offensichtlicher als ihr bisheriger Output, erschließt aber wenig neuen Raum für Autonomie.

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