AOB – Auf Achse // Review

Die Army of Brothers nimmt ihre HörerInnen mit auf einen Autotune-freien Nowschool-Rap-Spaziergang durch Neukölln.

(Flomo Records)

Army of Brothers sind zertifizierte Neukölln Hustlers, loyale Soldaten aus dem Umfeld von Lieblingsrapper Said und überhaupt ein ziemlich faszinierender Haufen. Seit Bangs, Almani, Haki, Chapo, Tarit und Abiad vor rund zwei Jahren mit dem Vollzeitrelease »Abgeführt ohne Beweise« demonstrierten, dass man nicht unbedingt Trap-Banger braucht, um dopen Straßenrap aus Berlin zu machen, ist man vom Startkonzept kaum abgewichen. Warum auch? Die ureigene Mischung aus zelebriertem Rap-Fantum, subtilem Humor und realitätsnahen Beschreibungen des Alltags eines Kleinkriminellen ist ein zeitloses Unterhaltungsformat. Mit der ersten Veröffentlichung nach dem Red Bull Soundclash 2018, bei dem AOB die Bühne ihrer Rivalen The Jugglerz für ein paar Ohrfeigen stürmten, wird somit auch dort ­angeknüpft, wo man bei »Absitzen ohne Bewährung« aufgehört hat: die Straßen von 44. Wie bei jedem Release der Crew, bekommt (fast) jedes Mitglied einen Solotune, bevor es mit »ASD« als Kollektiv zum finalen Roundhousekick geht. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich in so einem basisdemokratischen System ein paar Qualitätsschwankungen schummeln. »Auf Achse« wird vordergründig von Asphalt-geprägtem, Autotune-freien Nowschool-Rap regiert, der manchmal ­zwingend (»Besser verdient«), manchmal aber auch nur beiläufig (»Allo«) über die zweckdienlichen 808-Rollbretter fließt. Nicht jeder Satz ist ein Quotable, nicht jeder Beat ein Genickbrecher und nicht jeder Protagonist überzeugt im Alleingang. Gerade Saids charismatische Performance verwandelte in der Vergangenheit Straßenhits wie »Wa ok« oder »Gib mir das Geld« in lupenreine Ohrwürmer. Dass der Hook-Pate hier leider fehlt, kann man wahlweise als emanzipatorisch oder bedauerlich auslegen. Wer 20 Minuten Zeit mitbringt, findet auf »Auf Achse« trotzdem einen kurzweiligen Hood-Spaziergang vom Hermannplatz zur Grenzalle. »Sowas steht nicht in der ‚Backspin’«, rappt Bangs auf »Besseres verdient«. Aber in der JUICE.

Text: Kilian Peters

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