Antifuchs: »Der Auftrag ist nach wie vor Real Rap« // Interview

Erst wollte sie und konnte nicht, dann konnte sie und wollte nicht mehr: A­ntifuchs hat lange im Schatten ausgeharrt, bevor sie nun endlich ihr Debütalbum »Stola« veröffentlicht hat.

Warum hat es so lange mit deinem ­Debütalbum gedauert?
Für meine erste richtige Platte wollte ich mir Zeit lassen, habe intensiv mit meinem Produzenten Rooq im Studio gearbeitet, einige Freetracks veröffentlicht und nach Partnern Ausschau gehalten. Mit Wolfpack habe ich dann einen starken Rücken für meine Projekte gefunden. Jetzt kann’s richtig losgehen!

Eine Neuausrichtung hat trotz der Wartezeit nicht stattgefunden: Sound und straighte Mittelfingerattitüde sind identisch geblieben, auch die Maske ist noch da.
Ja, der Style ist immer noch schizophren, die Weisung nach wie vor Real Rap. Allerdings ist »Stola« in seiner Gesamtheit etwas diverser und verkopfter. Vielleicht fühlt sich die Platte gerade deswegen wie ein Anfangspunkt an.

Die Präsentation deiner Rap-Skills stand im Vordergrund deiner Promo. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich.
Ich habe bewusst One-Take-Videos aus der Booth präsentiert, in denen ich Lieder von vorne bis hinten durchspitte. Gerade weil anderswo über Playback-Auftritte und Autotune diskutiert wird, wollte ich beweisen, dass ich auch in einer derart rohen Situation abliefern kann und kein aufwändiges Setting dafür brauche.

Du beschäftigst dich intensiv mit deinem Standpunkt als Frau in der Szene. Worin besteht hier die Kontroverse?
Auch wenn ich das selbst nicht gut finde, kann ich die Sonderrolle, die mir als Frau zuteil wird, nicht leugnen. Wenn es nach mir ginge, würde das Geschlecht eines Künstlers keine Rolle spielen. Auf diese Problematik spiele ich oft an.

Steht dieser Umstand in einem ­Verhältnis zu deiner Maske?
Ich habe das Ding ja nie getragen, um mich zu verstecken, sondern um von meiner Weiblichkeit abzulenken – ein Aspekt, den ich bis heute als sehr positiv bewerte.

Das Album fühlt sich für mich an wie ein Rachefeldzug. Vertrauensbrüche und Intrigen spielen eine bedeutende Rolle.

Eine Kernfrage innerhalb des Albums ist definitiv die Differenzierung zwischen Freund und Feind. Eins habe ich in der Vergangenheit gelernt: Dieser Grat kann sehr schmal sein.

Songs über Mütter sind im Rap nichts Neues. Dein Track »Mama« ist trotzdem anders.
Der Song war ursprünglich auch nicht als Mutter-Song geplant. Es geht darin um die Selbstbestimmung der Frau und die Erkenntnis, dass es nicht unbedingt erstrebenswert ist, Kinder in diese kaputte Welt zu setzen. Die Arbeit an diesem Song war ungewöhnlich, weil zuerst der Gedanke da war, dass es feige wäre, eine so wichtige Entscheidung in die Welt zu tragen, bevor man sie der eigenen Mutter gegenüber gerechtfertigt hat. Dadurch hat der Song eine enorme Tiefe bekommen.

Du hast in Video-Battles deine ersten Rap-Gehversuche gemacht. Spielt das angriffslustige Outro auf diese Zeit an?
Nicht unbedingt. Vielmehr zolle ich hier dem harten Rap Tribut, der mich seit meiner Jugend beeinflusst hat. Nach dem eher seichten Einstieg ins Album war es mir wichtig, das Ding umso brachialer zu Ende zu bringen.

Text: Alexander Barbian
Fotos: Roy Fritzsche

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