A.G. – Everything’s Berri

 

AG_Everythings-Berri

 

(Fat Beats/Groove Attack)

 

Vier Jahre ist es her, dass Andre The ­Giant mit “Get Dirty Radio” nach längerer Auszeit geschickt den zweiten Indierapper-Frühling erlebte, indem er sich die nach allgemeiner Ansicht richtigen Beats von den damals aktuellen Helden der Stunde besorgte: Madlib, Jake One, Oh No und J Dilla. Nun ist die D.I.T.C.-Legende mit einem neuen Werk zurück, das ein komplett gegenläufiges Konzept auffährt. Bis auf ein einziges stammen alle Instrumentals auf “Everything’s Berri” von dem No-Name-No-Face-Producer Ray Berri – diese auf den ersten Blick unspektakulären, auf den zweiten jedoch einigermaßen kunstvollen Beats bieten dem nicht mehr ganz jugendlichen MC die perfekte Unterlage, um seinen ruhelos-furiosen Flow endlich mal auf die entspannte Essenz zu reduzieren. Das Albumcover im Vintage-Look gibt bereits die Stimmung für die Platte vor, die wie der Afterhour-Soundtrack zu einer Park-Jam der späten siebziger Jahre klingt. Auf spärlich instrumentierten Slowmo-Breakbeats plätschern Loops dahin, die einem stets irgendwie bekannt vorkommen, auch wenn sie aus der hinterletzten Dollar-Kiste eines Plattenladens am Bronx River Parkway stammen.A.G. berichtet aus der realistischen Perspektive einer alternden, aber nicht altersmüden HipHop-Größe, für die das gute Leben nicht der Club in Downtown Manhattan, sondern eine Flugreise nach Zürich oder Düsseldorf bedeutet – dorthin, wo man seine Fähigkeiten eben noch zu schätzen weiß (“Remand Me On My Stay”). Ansonsten will der erwachsene Rap-Held nicht mehr viel außer Abhängen, Weed rauchen, Liebe machen und sich an bessere Zeiten erinnern, dennoch kommt “Berri” zu keinem Zeitpunkt verbittert daher – vielmehr ist es ein melancholischer Trip die Memory Lane hinunter, in der sich lebende (Roc Marciano) wie verstorbene (Party Arty) Freunde herumdrücken. In erster Linie zählt hier der Vibe. Und genau davon lebt diese Platte. Ein herrliches Kleinod, das wirklich jeden einzelnen der 899 Eurocent bei iTunes wert ist.

 

Text: Stephan Szillus

 

 

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