»4:44« Track-by-Track: JAY-Z auf Herz und Nieren geprüft // Feature

4. »Caught Their Eyes« (featuring Frank Ocean)
Sample: Nina Simone, Baltimore (1978)
Ein Schlüsseltrack, der in der Hookline von einem sprechsingenden Frank Ocean unterstützt wird. Während Jay in der ersten Strophe sehr allgemein über Heuchlertum und Unehrlichkeit in freundschaftlichen wie geschäftlichen Umfeldern spricht, hat es der zweite Vers in sich. So bezichtigt Jay unter anderem die Angehörigen von Prince der Leichenfledderei, da sie das Anwesen »Paisley Park« der Öffentlichkeit gegen Einlassgelder zugänglich gemacht zu haben – ein, für ihn, beispielhaft intrigantes Verhalten. Wichtiger ist allerdings der Strophenschluss und die unscheinbare Line: »Don’t big bro me, don’t big homie«. Einerseits referenziert Jigga mit diesen Worten aus Kanye Wests 2007er »Big Brother«, auf dem Yeezy seine Beziehungsgeschichte mit Jigga aufrollt (und auf dem ironischerweise auch No I.D., der »4:44« federführend produziert hat, Erwähnung findet) – andererseits bezieht sich Jay hier auf die »Big homie, better grow up«-Zeile aus Beyonces 2016er Song »Sorry«, der laut Fan-Diskussionen an Jay adressiert war. Somit ist »Caught In Their Eye« im Albumkontext ebenfalls der Appell an realitätsbezogene Bewusst- wie Wachsamkeit, wenngleich der Song sich inhaltlich – im Vergleich zum Albumeingang – wieder mehr auf eine Ich-Perspektive konzentriert.

5. »4:44«
Sample: Hannah Williams & The Affirmations »Late Nights & Heartbreak« (2016)
Der vermutlich wichtigste Song auf dem Album. Das vorangegangene Motiv des Einverständnisses mündet hier in einem demütigen Entschuldigungsbrief an Ehefrau Beyoncé – »Look, I apologize, often womanize/Took for my child to be born/See through a woman’s eyes«. Im weiteren Songverlauf dokumentiert Jay detailliert Fehler, die er während ihrer gemeinsamen Beziehung in den letzten 15 Jahren begangen hat, und offenbart seine Verletzlichkeit und Verlustängste (»I stew over what if you over my shit?«). Jay kombiniert nun die Irrungen und Wirrungen des menschlichen Egos mit persönlichen wie biografischen Momenten der Fehlbarkeit und Schwäche – ein lyrischer Transfer, ja eine Art Zusammenfassung der eingangs aufgebauten Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Und eine starke Ansage an all jene, die nach Beyoncés »Lemonade« an einer ehrlichen Antwort seitens Jigga gezweifelt hatten.

6. »Family Feud«
Sample: The Clark Sisters »Ha Ya (Eternal Life)« (1980)
Das Narrativ der Familientragödie, das Jay auf dem Titelsong bereits biografisch beleuchtet, wird hier nun auf die (HipHop-)Öffentlichkeit ausgeweitet. Dem internationalen (Rap-)Generationskonflikt zwischen den Vertretern des sogenannten »Mumble Rap« und der älteren Fraktion wird eine Kollabo mit Beyoncé entgegengesetzt, was in diesem Kontext als persönliches Symbol der Geschlossenheit zu verstehen ist. Abermals kehrt der Leitgedanke der Einvernehmlichkeit zurück, der bereits für »The Story Of O.J.« fungierte. Jay agiert hier als eine Art Streitschlichter und Rap-Oberhaupt, das nach vierjähriger Abstinenz eine aufgestachelte Szene zu bändigen versucht. Zusammenfassend predigt Hovi: »We all lose when the family feuds/What’s better than one billionaire? Two«.

7. »Bam« (featuring Damian Marley)
Samples: Sister Nancy »Bam Bam« (1982), Jacob Miller »Tenement Yard« (1979)
Ein klassischer Shawn-Carter-Track, in dem es in erster Linie um seinen sozialen Aufstieg zum bestbezahlten Rap-Künstler der Welt geht. Mit Chorus-Support von Damian Marley bricht Jay hier bewusst mit der bis dato selbstreflexiven Herangehensweise und erklärt die Notwendigkeit des eigenen Stolzes: »Sometimes you need your ego, gotta remind these fools/Who they effin‘ with, and we got FN’s too«. Außerdem findet sich hier, neben dem ikonischen Sister-Nancy-Sample, das auch auf Kanyes »Famous« Verwendung fand, ein möglicher Seitenhieb gegen Yeezy: »Uh, niggas is skippin‘ leg day just to run they mouth«. Laut verschiedenen Quellen handelt es sich hier um eine Antwort auf folgende Ye-Line aus »30 Hours«: »I hit the gym, all chest, no legs«.

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