2Pac – Strictly 4 my N.I.G.G.A.Z. (1993) // Review

strictly

(Jive/Rough Trade)

Man sagt, wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue. Und wenn man dieses Sprichwort rückblickend auf 2Pacs zweites Solo-Album »Strictiy For My N.I.G.G.A.Z.« anwendet, dann tut man das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mit diesem Album ging nämlich das Kapitel der harten Westcoast-Beats in bester N.W.A.– und (früher) Ice-Cube-Tradition zu Ende. Gleichzeitig jedoch sollte der Künstler 2Pac durch diese Veränderung die Möglichkeit bekommen, seine ruhigere Seite stärker denn je zu betonen. Tatsache ist: »Strictly For My N.I.G.G.A.Z.« besteht noch zum größten Teil aus schnellen Beats unter aggressivem Pac, der sich wie auch schon auf »2Pacalypse Now« den Frust von der Seele schreit. Und Tatsache ist auch, dass die erste Single »Holla If You Hear Me« stellvertretend für genau diese Seite der Platte stand. Dementsprechend hatten die US-Medien ein ordentliches Problem mit dem Song: zu hart, zu wenig mainstreamfreundlich, und das auch noch zu einer Zeit, da die gesellschaftliche Debatte um explizite Lyrics ihren Höhepunkt erreicht hatte. Doch hatte das Album nicht nur harte Songs zu bieten, gerade diese bittersüße Mischung aus dem Revolutionär ohne Rücksicht auf Verluste, dem nachdenklich-traurigen Poeten und dem lebensfrohen Frauenmagneten, der auf den ruhigeren Tracks (den wahren Klassikern dieser LP) zum Vorschein kam, machte den Reiz aus. »Keep Ya Head Up«, eine Hymne für alle Frauen, ist ebenso für die Ewigkeit gemacht wie »I Get Around«, 2Pacs wahrscheinlich größter Club-Song ever (Sorry, »California Love«-Fans, but that’s what it is). Neben diesem Duett der All-time-Hits steht ein grandioser Song wie »Papa’z Song« zwangsweise leicht im Schatten — was ihn aber fast noch charmanter macht, passt das doch nur zu gut zur Geschichte des Songs, einer Abrechnung mit dem eigenen Vater, die irgendwo zwischen Zeigefinger und Faust, zwischen Selbstmitleid und reinster Wut anzusiedeln ist. Ein stiller Klassiker. Und vielleicht wird ja gerade durch die monumentale Größe jener ruhigerer Lieder die zahlenmäßige Überlegenheit der harten und schnellen Songs so gut ausgeglichen. Die Radio- und TV-Anstalten jedenfalls fühlten sich verpflichtet, die Folge-Singles »I Get Around« und »Keep Ya Head Up« zu spielen. Ob diese Motivation auf wahrer Sympathie gegenüber der Musik oder auf der steigenden Nachfrage der Fans beruht, werden die jeweiligen Programm-Direktoren allerdings nur selber wissen. Der Weg jedenfalls, den das Album in den Wochen nach seinem Release genommen hat, mag auf den ersten Blick etwas merkwürdig erscheinen. In Wahrheit aber zeigt er doch die wahrscheinlich interessanteste Facette des Künstlers 2Pac auf: die Widersprüche in seiner Person. Ob zwiespältig oder vielseitig, ob hart und bedingungslos oder gefühlvoll und nachdenklich, ob organisiert und clever oder emotional und chaotisch, all das ist auch »Strictly 4 My N.I.G.G.A.Z.«. Und genau deshalb ist 2Pac der charismatischste Rapper aller Zeiten.

Text: DJ Kitsune

 
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