Ultimate P: Die zehn essenziellen Prodigy-Tracks // Liste

Prodigy – Mac 10 Handle
»Return Of The Mac«, der vielbeachtete Blaxpoitation-Rückzug in den Underground auf Alchemie-Basis nach dem G-Unit-Kater um das Album »Blood Money« erinnerte wieder mehr an alte »Infamous«-Tage und lies den sichtlich frustrierten P in einer selbstgezimmerten Paraderolle glänzen: der abgefuckte Straßenköter. Anstelle mit Schmuck-behagenem Bernsteinzimmer-Braggadocio, war er nun zurück auf melancholisch-süßen Soul-Samples »alone in my dirty ass room / Starin‘ at candles, high on drugs / All alone wit my hand on Mac 10 handle«. Genau da wollten ihn seine Fans am Liebsten immer sitzen sehen, was zur Folge hatte, dass das Indie-Projekt sich 130.000 Mal verkaufte und leider Ps vermutlich zwingendstes Werk bis zu seinem Tod bleiben sollte.

Prodigy – Keep It Thoro
»Heavy air play allday, with no chorus« – Prodigys 2000er Soloalbum »H.N.I.C.« hätte kaum authentischer und bösartiger als auf diesem Jack-Mayborn-Flip aus Alchemists Musikmaschine geteastert werden können. Ein bedrohliches Hood-Klavier, beängstigende Orchester-Drops und eine kraftvolle Bassline, die dem tiefstimmigen Schwarzmaler jenes Agressionspotenzial bot, das gar keinen Refrain brauchte, um ein Hit zu werden – obgleich das A&R Steven »Chris« Lighty damals anders sah und eine Radio-Version mit Havoc-Hook veranlasste. Dennoch bleibt »Keep It Thoro« eines der beeindruckendsten Realness-Statements in der wachsenden Jiggy-Welle um Bad Boy Records oder Jermaine Dupri während des beginnenden Jahrtausends – und bekam laut Falk »Hawkeye« Schacht und dessen Beat-Produktion für Curse‘ »Ich rap nicht mehr« 2002 sogar ein deutsches Rip-Off.

Mobb Deep – Hell On Earth (Front Lines)
Das Duo hatte sich mit ihrem Debüt »The Infamous« einen derartig guten Ruf erspielt, dass man beim Follow-Up »Hell On Earth« noch mehr Vertrauen schnekt und Havoc die alleinige Produktion überließ. Die Folge: ein stringentes Soundbild aus beklemmenden Endzeit-Samples, staubtrockenem Bauch-Boom-Bap und düsteren, rauen Asphalt-Bässen, die im Prinzip die musikalische Blaupause für sämtliche Street-Rap-Entwürfe aus ostdeutschen Plattenbauten, Pariser Wohnblocks oder Hamburger Kiez-Storys lieferte. Auch die Weltuntergangsstimmung zum Jahrtausendwechsel im Video des Titeltracks und die beängstigenden Zustände der HipHop-Szene um die Death-Row-/Bad-Boy-Fehde hätte stimmungsgebender nicht ausfallen können. Wenn twitternde Internet-Rapper sich heute über brennende Mülltonnen und graue Betonhäuser als HipHop-Klischee lustig machen, ist das vor allem die Schuld dieser zwei Jungspunde aus Queens.

Mobb Deep feat. Lil Jon – Real Gangstaz
Eigentlich hatte schon »Got It Twisted« die Rückkehr mit dem stotternden G im Nacken angekündigt, doch der endgültige Aufreger war zweifelsohne »Real Gangstaz«. Denn das prototypische Staßendealer-Narrativ hatten Mobb Deep zwar bereits auf »Murda Muzik« und »Infamy« gelockert, doch bei der zweiten Single zu »Amerikaz Nightmare« setzte man der umstrittenen Abkehr des traditionellen Themenkomplexes aus Henny, Hood-Tales und Homeboys die sprichwörtliche Krone auf – und featurete Crunk-König Lil Jon auf seinem kommerziellen Zenit. Eine Zusammenkunft, die an Absurdität aus heutiger Sicht einer Kollabo zwischen Kool Savas und Lil Yachty gleichkommen würde – und genau deswegen heute Kultstatus genießt.

Mobb Deep – Shook Ones Pt. II
Wer sagt eigentlich, das Sequels nie besser sind als das Original? Prodigy beweist mit »Shook Ones Pt.II« mehr als deutlich das Gegenteil. 1995 als vermutlich beste B-Seite der Rap-Geschichte veröffentlicht, hätte die Lead-Single zum ikonischen Mobb-Deep-Debüt kaum brutaler und kaltschnäuziger ausfallen können – nur um sieben Jahre später als Soundtrack-Beitrag zu »8 Mile« wieder aus der Rap-Schatztruhe hinauskatapultiert zu werden. Dass der Track heute wie damals ein Juwel ist und Grundlage für so manchen alles zerberstenden Disstrack straight outta deinem Kinderzimmer in Hintertupfingen diente, ist nur ein Indiz für seine unmittelbare Magie. Aber denkt dran, ihr Hobby-Battlerapper, wer A sagt, muss auch B sagen – »’Cause ain’t no such thing as halfway crooks«.