Review: Rockstah – Pubertät

rockstah_pubertaet_sq
 
(Embassy of Music/Warner)
 
Rockstah ist weder ein besonders guter Rapper, noch ein wirklich talentierter Sänger. Treibt man sein Nerd-Image auf die Spitze, könnte man sagen, er kultiviert einen gepflegten Dilettantismus. Oder, freundlicher ausgedrückt: Er macht das Beste aus seinen Möglichkeiten. Ja, das trifft es schon eher. Denn »Pubertät« ist ein gutes Album geworden. Eines, das vor allem von einer uralten HipHop-Tugend profitiert – der Glaubwürdigkeit. Musikalisch und inhaltlich, das merkt man vom ersten bis zum letzten Moment, ist dies genau die Platte, die Max Nicolas Nachtsheim aufnehmen wollte. Wie schon der Vorgänger »Nerdrevolution« kokettiert »Pubertät« mit der mangelnden Coolness seines Protagonisten, der nicht auf Club-Toiletten, sondern in TV-Serien, Musik und Filmen nach den Antworten auf seine Fragen ans Leben sucht. Glücklicherweise tut Rockstah dies mittlerweile ohne den bisweilen angestrengt wirkenden Holzhammer-Humor, sondern mit subtilen Anspielungen auf – hier zwei Beispiele von vielen – »Scrubs« und »Per Anhalter durch die Galaxis« (»Der Wal«). Neben der ausgesprochen vielfältig betriebenen Popkultur-Referenz-Huberei besteht sein Talent in der sehr klassischen Weise gute Songs zu schreiben. Heißt: Die Hooks sind schön klebrig, jedes Stück hat ein deutlich erkennbares Thema und am Ende folgt die Auflösung. Bisweilen driftet »Pubertät« zwar recht stark in die Kitsch-Ecke ab, wie auf der melancholischen Für-Immer-Jung-Hymne »Astronaut«, doch meist gelingt es Rockstah zwischen über-eingängigen Kehrversen und knalligen Instrumentalen sehr gut nachvollziehbare Geschichten zu erzählen und so den weltfremden »König Außenseiter« als liebenswerten Typen darzustellen. Auch seine Rolle inmitten des hiesigen HipHop-Gefüges sieht er angenehm selbstironisch – seine Schwächen feiert er, seine Stärken demonstriert er unaufgeregt. Lebensnah könnte man das nennen. Ziemlich sicher haben andere Künstler ein besseres Ohr für den musikalischen Zeitgeist, eine Eigenschaft, die diesem Album in den Momenten fehlt, in denen die rockig scheppernden Gitarren-Instrumentale mehr an Blink 182, denn an die (anscheinend ebenfalls als Referenz herangezogenen) Sleigh Bells erinnern. Die wirklich wichtigen Eigenschaften jedoch, die einen Künstler und seine Musik aus der Masse hervorheben, besitzt Rockstah. Er verfolgt seine persönliche Vision, hat Dinge zu erzählen, die uns alle etwas angehen und schafft es, eben diese auf den Punkt zu bringen.