Review: Olexesh – Nu Eta Da

Olexesh
 
(385IDEAL/Groove Attack)
 
Auf dieses Album habe ich ­gewartet, seit ich Olexesh das erste Mal mit »Bratkos mit Dreh­kicks« durch eine Darmstädter Einkaufspassage habe marschieren sehen. Allen erzählte ich seitdem von dem jungen ­Ukrainer, der mit seiner ungeheuren Präsenz, seiner unnachahmlichen Körpersprache und seiner punktgenauen Aggresivität den Bezirk Kranichstein auf die Karte Rapdeutschlands setzt. Lange habe ich also gewartet, viel Zeit ist seit dem Free-Mixtape »Authentic Athletic« vergangen. Zeit, in der ich mich in Rage geredet und von Olexesh als größter Hoffnung des Neo-Streetraps gesprochen habe. Doch das ist jetzt vorbei. Denn eigentlich muss ich gar nichts mehr sagen, denn Olexesh hat mir alles abgenommen, indem er ein Album veröffentlicht, das am Ende sogar besser ist als das, was sich erwarten ließ, seit er das erste Mal »Nu Eta Da« in eine Kamera schrie. Dass man sich vom Netz-Hype um das Mixtape-Debüt nicht verrückt hat machen lassen und der Produktionszeitraum verhältnismäßig lang ausfiel, hat diesem Album mehr als gut getan. Die Produktionen sind ausgefeilter und trotz vieler verschiedener Produzenten (u.a. m3, Shuko, Brisk Fingaz, Reaf, Russianboyz) ergeben die Stücke ein unter­haltsames, abwechslungsreiches und dabei stimmiges Gesamtbild. Dazu switcht Olexesh in ­seinen Erzählungen zwischen den Szenarien dunkler Treppen­häuser, dem Taubenfüttern unter Brücken und dem Purple Haze-Konsum auf Rückbänken hin und her. Seine Texte haben nichts von ihrer unmittelbaren Direktheit, ihrer Sprengkraft und ihrem Wahnsinn verloren. Immer und immer wieder werden hier Dinge gesagt, die einen völlig aus dem Nichts treffen. Auch die ansehn­liche ­Feature-Liste hat sich diesem hohen Level an Wahnsinnigkeiten und den von Olexesh angekündigten »nagelneuen Reimketten« anstecken lassen. Besonders erwähnt sei hier Karate Andi, der »König des Pennerraps« ­(Wendler Voice), der einem glaubhaft versichert, Heiner Lauterbachs Organe im Licht einer Autowasch­anlage zu verkaufen. Neben all dem Wahnsinn präsentiert sich Olexesh nun auch technisch unerwartet variationsreich und stellt ein Facettenreichtum zur Schau, der selbst Haftbefehl nur in wenig nachsteht. Und weil ich, wie eingangs erwähnt, eigentlich dieses Album getrost für sich sprechen lassen könnte und auch sollte, schließe ich von Herzen mit einem Zitat aus dem Intro: »Dieses Album sollte für die Top 10 ausreichen!«
 
Text: Max Leßmann