Jennifer Rostock – Hengstin // Video

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Man kann über Jennifer Rostocks Musik denken, was man will – vor zwei Dingen schreckt die Band allerdings nie zurück: Musikalische Experimente und Provokation durch heikle Themen. So zog man jüngst mit »AfD« den Hass sämtlicher Wutbürger auf sich, die auf den tumben Rechtspopulismus der ehemaligen Euro-Kritiker-Partei reingefallen sind. Gute Aktion, deren Backlash man erst mal aushalten können muss – vor allem, wenn das zugehörige Video auf Facebook viral geht und läppische 16 Millionen Klicks generiert.

Nicht weniger politisch geht es auf »Hengstin« zu, dem stärksten Track des aktuellen Albums »Genau in diesem Ton«. Statt rassistischen Bauernfängern und deren Opfern geht es im Track allen Chauvinisten mit einer Mischung aus Großraum-EDM und (Achtung!) Rap an den Hals. Der Beat schafft (von einem Gitarrenriff abgesehen) effektiv vier Fünftel der Band ab und ersetzt die Rockformation mit einer Roland 808. Die übriggebliebene Frontfrau Jennifer Weist platziert sich mit ihren Raps irgendwo zwischen Iggy Azalea und SXTN und setzt auf Anhieb einen soliden Flow-Telemark.

»Erzähl mir nicht, dass das Thema kalter Kaffee ist/
Man muss nicht alles schwarz anma(h)len/
Um zu erkennen, was Sache ist
«

Auch fern des eigenen Musik-Milieus erzwingt die charismatische Bandleaderin mit viel Swagger und noch mehr nackter Haut die Aufmerksamkeit des Hörers und ballert die Message tief in den Gehörgang: Girls run the world. Radio-Musik meets Disko-Vibes meets Feminismus. Garniert wird das Video aus HipHop-Sicht mit Cameos von Visa Vie und Melbeatz – ihrerseits Hengstinnen, die in einer Männerdomäne Fuß fassen konnten und deren Schaffen unabhängig ihres Geschlechts respektiert wird.