Eminem – Survival (Track)

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Shady

 

Es gibt also einen neuen Song von Eminem. Den ersten richtigen, anständigen, langen Song seit gefühlten fünf Jahren. In Wirklichkeit sind es wohl drei, sieht man mal von dem kleinen Intermezzo auf Tony Touchs »Piecemaker 3« ab. Den Beat hat DJ Khalil beigesteuert und sich irgendwie nicht sonderlich viel Mühe gegeben. Klingt nach dem, was es ist: ein Song für ein Computerspiel. Werbung. Schön mit einem Gitarrenriff und ein kleines bisschen nach vorne. Nichts, was einen vom Hocker reißt und kein wirklicher Banger, kann aber perfekt im Radio laufen. Dazu passt Sängerin Liz Rodrigues ganz wundervoll. Die hat auch schon auf der Kollabo »Bad Meets Evil – Hell: The Sequel« mit Royce Da 5’9” die eine oder andere Hook geträllert. Genau das macht sie hier ebenfalls und das ist auch ganz nett. So weit, so unspektakulär: Man könnte als Hardliner-Fan enttäuscht sein.

 

 

Kommen wir also endlich zum Text des besten Rappers der Welt. Die ersten Reaktionen auf den neuen Song von Eminem sind eher verhalten und wenig begeistert. Diese Meinung kann man angesichts der schwankenden Qualität der Textzeilen teilweise schon nachvollziehen. Es wirkt, als müsste sich Eminem erstmal ein bisschen eingrooven auf dem Beat. Er fängt recht unspektakulär an, steigert sich aber wie gewohnt zwischendurch immer mal wieder  ins Unermessliche. Es macht einfach Spaß, dabei zuzuhören, wie Em sich stetig weigert aufzugeben. Vor allem, wenn dabei solche Reimkonstruktionen herauskommen: »Refuse to quit, fuse is lit, can’t diffuse the wick/I don’t do this music shit, I lose my shit/Ain’t got shit to lose, it’s the moment of truth/It’s all I know how to do, as soon as I get thrown in the booth, I spit.«

 

Dabei agiert er meistens auf mindestens drei Bedeutungsebenen gleichzeitig: zum Beispiel Darwinismus, Computerspiel- bzw. Kriegs- oder Waffenrethorik und natürlich seine Stellung im Rap-Game: »So get your ideas, stack your ammo/But don’t come unless you come to battle, I’m mad now jump in the saddle.« Passt gut zum Spiel (da kann man tatsächlich auch reiten), ist man aber von Marshall Mathers besser und vor allem komplizierter gewohnt. Sehr erfreulich sind dann hingegen wieder solche sportlicheren Zeilen: »I can see the finish line with each line that I finish/I’m so close to my goals I can almost pole vault over the goal post.« Jawoll.