Die Firma- Das sechste Kapitel

 

Die-Firma_Das-Sechste-Kapitel

 

(La Cosa Mia/JWP/Sony)

 

Sagen wir so: Wer bisher nichts mit der Firma anfangen konnte, dem wird auch die neue Platte des Kölner Dreigestirns keine plötzlichen Glücksgefühle durch übermäßige Endorphinausschüttung bescheren. Denn Tatwaffe, Def Benski und Fader Gladiator haben sich auf dem aktuellen Longplayer einmal mehr auf ihre Kernkompetenzen besonnen und sind der altbewährten Firmenphilosophie auch im sechsten Kapitel weitgehend treu geblieben. Im Klartext heißt das, es gibt mal wieder die volle Packung Dramatik, Authentizität, Reflektion und Orchestralität. Für die perfekte Umsetzung des letzten Punktes hat man weder Kosten noch Mühen gescheut und kurzerhand ein 50 Mann starkes Orchester in den Produktionsprozess eingebunden – und den Unterschied hört man. Bereits der Gänsehaut-Opener “Stille” legt davon eindeutig Zeugnis ab und führt seinen Titel dabei ad absurdum. Ähnlich intensiv wirkt die Instrumentierung auf Stücken wie der Finanzkrisenabrechnung “Verbrechen lohnt sich nicht” oder dem nihilistisch anmutenden “Schwarzer Regen”. Auch das 6/8-getaktete “Attentat” mit Tatwaffe in Höchstform sowie die ehrliche Auseinandersetzung mit dem Tod auf “Schlaf” gehören definitiv zu den Anspieltipps des Albums – und zwar nicht zuletzt deshalb, weil dem Orchester hier genügend Raum gelassen wird, um den Songs das gewisse Etwas zu verleihen. Auf anderen Tracks wie der auf die Charts schielenden ersten Single-Auskopplung “Jetzt”, der Dekadenzhymne “First Class” oder dem autogetuneten “Alles” treten die Sinfoniker etwas mehr in den Hintergrund. Gleichzeitig dürften diese Stücke die größte Angriffsfläche für ­Firmenverächter bieten: Zu offensiv poppig, zu aufgeblasen und, ja, vielleicht sind einige Tracks auch ein wenig zu pathetisch geraten. Dennoch hat die Firma die einzig logische Konsequenz aus ihrer eigenen Diskografie gezogen und ist sowohl sich selbst als auch ihren Anhängern mit der ­Orchestrierung des “sechsten Kapitels” absolut treu geblieben.

 

Text: Daniel Schieferdecker