Autorencharts 2015: Fionn Birr (Autor)

ASAP-Rocky-2-Credit Phil Knott

Die Deutschrap-Lügenpresse hat Fionn Birr zu weiten Teilen unterwandert. Nicht nur, dass der ehemalige Splash! Mag-Praktikant und jetzige Koluminst (#throughthewire und #workinonit) auch für die Kollegen von HHV seinen Senf zum aktuellen Rap- und Beat-Geschehen dazugibt. Auch für JUICE schreibt der gebürtige Berliner seit Mitte 2015 in regelmäßigen Abständen. Spoken-View-Chefmisanthrop Morlockk Dilemma, Showdown-Signing Shawn The Savage Kid und Future’n’B-Crooner Tory Lanez traf Fionn in den vergangenen Monaten für uns zum Gespräch. Bevor er 2016 zu neuen Taten schreitet, bat ihn die Redaktion, sein persönliches Rapjahr 2015 zu rekapitulieren.

10. Asadjohn & Albert Parisien – »Durch die Straßen« (Track)
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Man muss nicht das Weihnachtsgeld der Großmutter in eine aufwendig-montierte Sourround-Anlage für den tiefergelegten VW GTI investieren, um zu wissen: Rap ist Autofahrer-Musik. Beispielhaft demonstrierten dies die Berliner/Potsdamer Cosmo Gang-Affiliates Asadjohn und Albert Parisien mit »Durch die Straßen«, als sie schräges Autotune-Genöle, grenzdebile Männerfantasien und eine unverschämte Ohrwurm-Hook aus ihrem Aufnahmekabinen-Kleiderschrank hinaus auf den glühenden Asphalt des WWW warfen. Kitzlende Synthie-Tasten, brummende Dancehall-Kicks und eine schnurrende Game Boy-Bassline, die den Frutiy Loops-Charme auf die Spitze trieben und die unzügliche Sehnsucht nach einer Spritztour in einem weißen Cabriolet mit leichten Mädchen präziser kaum ausdrücken konnten. Und das auch ganz ohne Führerschein.


9. Fatoni & Dexter – »Yo, Picasso!« (Album)
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Nach jahrelangem Underdog-Dasein zwischen Jugendhausauftritten, Untergrund-Props und einer ausgiebigen Transformation vom Gymnasiastenrapper-Erbe zum Lieblingsrapper deines Lieblingsrappers, hat Fatoni mit »Yo, Picasso!« 2015 ein Album veröffentlicht, das seine Qualitäten als Künstler pointiert in Einklang brachte. Oder wie der Münchner Wahl-Berliner es selbst beschrieb: »Mit Anfang 20 war ich wack/ Aber sieh mal jetzt, ich werde langsam perfekt«. »Yo, Picasso!« war intelligente Rap-Musik, die sich zu keiner Zeit als solches ausweisen musste. Fatonis Beobachtungsgabe, sein schonungsloser Herabwürdigungshumor gegenüber der deutschen Leitkultur wie sich selbst sowie seine unbändige Sprachspiellust kombinierten sich mit Dexters organischem Sample-Fuhrwerk zu einem Bilderbuch-Boom Bap-Album, das weder Rad-Neuerfindungen, noch selbstreferenzielle Vergangenheitsverklärungen anstrebte, sondern einfach nur das sein wollte, was guter Rap schon immer war: dope.