Samra – Jibrail und Iblis // Review

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(Urban/Universal)

Wertung: Dreieinhalb Kronen

Es ist sogar unter seinen Fans schon ein Running Gag geworden: Samras Lieder klingen immer gleich. Ein Umstand, der seinem Erfolg keinen großen Abbruch zu tun scheint, hat der Berliner doch zusammen mit Herzensbruder Capital schon längst die Spitze der deutschen Charts mit einer Flagge abgesteckt. Wenig Druck also für sein Solodebüt »Jibrail & Iblis«, das trotzdem mit satten 22 Songs im Übergabekoffer zum Termin erscheint, als würde es eine Beweisführung antreten wollen. Doch erst mal wird einfach losgestürmt, ein 00er-Jahre-Beat mit filmischen Sample und hallenden Rimshots rausgeholt und jedem nicht mehr ganz jungen Rap-Fan sollten beste Bushido-Zeiten per Flashback vorm inneren Auge erscheinen. Sogar ein Tupac-Sample samt Scratches gibt es auf »Gebet«. Ähnlich prägnant wie eben bei Anis Ferchichi, der ihn vor dem Bruch einer breiteren Masse vorgestellt hat, ist Samras Stimme unverwechselbares Trademark. Die von Tabak gequälten Stimmbänder sind irgendwo zwischen Löwengebrüll und wütendem Pöbeln in der Bezirksliga Berlin. Was Samra an Energie mitbringt, fehlt dem Album allerdings an interessanten Konzepten. Meint man es gut, kann man einen roten Faden um den ewigen Kampf zwischen Gott und Teufel, Arroganz und Selbstzweifeln, Geltungsdrang und Introspektion erkennen. Wenn Samra rappt: »Weil ich viel verdient, aber auch viel verspielt habe/ Nimmt jetzt lieber Mama die Kreditkarte«, ist das nahbar und mit so viel Gefühl abgeliefert, das man nicht daran zweifelt. Diese Momente muss man im Wulst an Songs aber erst mal finden. Leider sind auch die Beats nicht vor Monotonie gefeit. Kitschige Piano-Beats und chorale Samples werden ausgepresst, bis kein Saft mehr da ist und es gibt kaum Abweichungen von den heißgeliebten 95 BPM. Selbst die Ballade »Zu Ende« mit Sängerin Elif versinkt in der Albummitte. Das Solodebüt von Samra ist so dermaßen lang geraten, dass selbst ein Durchschnittsraucher in der Zeit eine halbe Schachtel weggeschmöckert kriegt. Zwischen den pendelnden Samra-Parts kommt immer mal wieder Capital vorbei und sorgt für dringend nötige Auflockerung – speziell »Berlin« mit seinem orientalischen Sample ist auch über einen Monat nach Single-Release noch ein sympathischer Ohrwurm. Samras Problem ist nicht, dass ihm Reime oder Kraft ausgehen. Leider hat er nicht genügend Ideen, um mehr als einen Haufen Straßen-Rap-Songs in ein Album zu gießen und klingt – wie seine Fans witzeln – zu oft gleich. Und irgendwo zwischen Darby, Frauen und dem finanziellen Aufstieg wird dem Hörer plötzlich die wahre Ironie dieses passablen Berlin-Albums bewusst: Die zeitgemäße Raptechnik und die Gesangspassagen mal ausgenommen, ist »Jibrail & Iblis« das beste Bushido-Album, das Bushido nicht gemacht hat.

2 KOMMENTARE

  1. Leider kein neuer Beitrag. Hab ich alles schon 5-Mal gelesen, ob in nem Reaktions Video oder ein anderer Bericht. Alle labern vom gleich klingen, für mich nen brutales Album was seine komplett eigene Struktur mitbringt, alle sind so getriggert von dem angeblichen ‘gleich anhören,’ das ich mich einfach vor lauter Genuss und gelächter in mein Stuhl legen kann um die fette und geile Jibrail & Iblis Box anzugucken.

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