Tinie Tempah – Demonstration // Review

Tinie Tempah

 

(Disturbing London/Parlophone/Warner)

Wertung: Drei Kronen

»This for them ghetto kids and them posh kids.« Tinie Tempah weiß, dass er auf dem Weg zu den vorderen Charträngen Hörer aus sämtlichen Gesellschaftsschichten einsammeln muss. In einem so vom Klassendenken geprägten Flecken Erde wie Großbritannien erscheint das zunächst wie ein halbwegs gewiefter Move aus dem Einmaleins der Musikwirtschaftslehre. Dass Tinie dafür die Pop-Rutsche konsequent fährt, weiß man auch hierzulande spätestens, seit er sich vor drei Jahren mit Gassenhauern wie »Frisky« oder »Miami 2 Ibiza« in den hiesigen (Würgreiz) »Black Charts« breitmachte. Und dass der 24-jährige Londoner keinerlei Skrupel vor der Verwendung zuckerwattiger R&B-Hooks hat, ist ebenfalls jedem klar, der sich das im Vereinigten Königreich mit Doppelplatin ausgezeichnete »Disc-Overy« einmal in seiner Gänze zu Gemüte geführt hat. Das Spielfeld des Nachfolgers »Demonstration« scheint somit klar abgesteckt. Abgesehen vom bombastisch aufgemachten Intro »Someday (Place In The Sun)« überrascht der Langspieler jedoch zunächst durch die Abwesenheit von Gesäusel und Pathos. Der von Diplo produzierten Trap-Klatsche »Trampoline« folgt das clevere »Don’t Sell Out«. Auch auf »Witch Doctor«, »Looking Down The Barrel« und »Mosh Pit« mit Dizzee Rascal übertrifft »Demonstration« die Erwartungen. Dass Tinie nicht der größte Spitter vor dem Herrn ist, tut dem Ganzen keinen Abbruch. Trotzdem stolpert man hie und da über Fremdscham-Lines: »I’m never in denial ‘cause the Nile is a river« folgt »like a substitute teacher, I wanna teach you a lesson«. Leider geht Tinies zweitem Album auf den letzten Metern die Luft aus. Ohne Rücksicht auf Verluste karrt man einen Barden nach dem anderen heran, um einen Schmalzhook-Contest sondergleichen zu veranstalten. Auch das vom Mannheimer Crada produzierte »Tears Run Dry« zählt leider zu den Einsendungen dieses Wettbewerbs. So leidet »Demonstration« am Ende ähnlich wie schon »Disc-Overy« primär unter der Tatsache, dass Tinie es wieder mal allen recht machen möchte.

 

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