Review: Sub Luna City – City Rivims Mk1

sublunacity

 
(sublunacity.bandcamp.com)
 

Auch wenn Archy Marschalls Veröffentlichungen als DJ JD Sports, Zoo Kid und Edgar The Beatmaker in der Rap-Szene nicht ganz so euphorisch besprochen werden wie sein Solo-Debüt »6 Feet Beneath The Moon« in der Pop-Welt – King Krule agiert am Sampler genauso stilsicher wie an der Gitarre. Mit seinen Londoner Kumpels Rago Foot, Jades und Black Moon formt er die Crew Sub Luna City, eine Art Lo-Fi-Slum Village von der Insel. Über raren Drumloops, die den verschobenen Patterns des frühen Mike Skinner ebenso viel schulden wie der unquantisierten Detroiter Schule, plätschern Rhodes-Loops und zerhackte Soul-Stimmen aus dem verstaubten Plattenregal. Rauchschwaden durchziehen die verkiffte Kellerromantik, in der die 90er-Kinder ihre »Inner City Tales« halb-freestylen. TripHop-Beats an der 70BPM-Grenze werden von nerdigem Gefrickel gebrochen und verlieren sich in Booms, Baps und hektischen Hi-Hats. Wie hier möglichst verschachtelt und verschlaffen gerappt wird, steht viel mehr im Vordergrund, als was die Jungs zu erzählen haben. Wobei »Smooth Ride« sogar an die bittersüße Melancholie von Krules Solo-Debüt heranreicht. Um die Neu-Erfindung des UK-Rap-Rads geht es bei »City Rivims Mk1« bestimmt nicht: In verhalltem Off-Beat-Cockney zitieren die vier »Illmatic« und verneigen sich vor der Native-Tongue-Bewegung. Ähnlich wie die befreundete Ratking-Crew, bezieht sich die Londoner WG-Clique ganz offensichtlich auf die Ästhetik der Vergangenheit, ohne dabei in Zeigefinger-Rhetorik zu verfallen. Sub Luna City mögen, verglichen mit den gleichaltrigen New Yorkern, die vermeintlich unspektakuläreren Rapper sein, aber allein die detailreichen, hyperentspann­ten, entschleunigenden Beats von Edgar machen die Bandcamp-EP zu einem sicheren Geheimtipp des jungen Jahres.
 
Text: Carlos Steurer
 

 

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