Review: Prodigy & Alchemist – Albert Einstein

Prodigy_Alchemist_Albert Einstein

 

(Infamous Records/Import)

 

Prodigy kann einer der besten Rapper des Pla­neten sein. Wenn er denn möchte. Irgendwann zwischen 1994 und 2000 war das mal so, oder als er 2007 gemeinsam mit The Alchemist auf »Return Of The Mac« staubtrockenen Angst-Rap oder ein Jahr später mit Sid Roams auf »Product Of The 80s« tödlich spröde »Kampfstern Galactica«-Musik machte. In den Dürreperioden, wenn sich Prodigy Verschwörungstheorien zusammenilluminierte, Musik für die Ladys fabrizierte oder sich mit seinem Mobb-Deep-»Brudi« Havoc kabbelte, wünschte man sich ein ums andere Mal den Nasen brechenden, Macheten schwingenden und die urbane Unterwelt terrorisierenden Mikrofonkrieger zurück, wie er zwischen Hempstead und Hamburg ach so geliebt wird. Tatsächlich kommt Prodigy mit »Albert Einstein« der erwünschten Form sehr nahe. Das liegt einerseits an Alchemist, der für das Album einmal mehr die besten Loops über zerfledderte Basslines und deftigste Drums legte. Andererseits fokussiert sich Prodigy auf seine ewigen Stärken: schwere Körperverletzung­en mit oder ohne Hilfsmittel, Realness-Exerzitien, monologische Finanzberatungstipps für geneigte Kleinanleger, Mischverhältnisse bei Hochprozentigem, biografische Stadtspaziergangs-Anekdoten, Rezepte aus dem Kräutergarten sowie Kräftebündelungen mit den richtigen Komplizen (Roc Marciano, Domo Genesis, Action Bronson, Raekwon). Summa summarum: völlig übertriebenes Waffengelaber. »Albert Einstein« ist der Kopfhörer-Soundtrack, zu dem man die imaginäre Handfeuerwaffe in der Jackentasche umfasst (»Dough Pildin«), sich bei dem Beat-Switch von »Bible Paper« aus Angst vor möglichen Verfolgern paranoid über die Schulter schaut oder Roc Marciano auf »Death Sentence« zumindest für 16 Bars mal wieder zum Lieblingsrapper erklärt. The Alchemist ist heute der Einzige, der Prodigys volles Potenzial adäquat aus ihm herauskitzeln kann. Ob aus der offensichtlich realen Mobb-Deep-Reunion Material entstehen wird, das »Amerikaz Nightmare« und vielleicht sogar »Hell On Earth« das Wasser reichen kann, ist in diesem Moment völlig egal: P ist wieder »Infamous«.

 

Text: Alex Engelen