M.I.A. – Matangi // Review

M.I.A. Matangi

 

(Interscope/Universal)

 

Was lange währt, wird endlich gut, so heißt es im Volksmund. Und wenn man dieser Weisheit glauben schenkt, dann müsste M.I.A.s vierte Platte, die wegen Unstimmigkeiten mit ihrer Plattenfirma nach fast einjähriger Verspätung am 4. November nun endlich veröffentlicht wurde, ein superbes Album geworden sein. Doch je tiefer man in das seit jeher schwer zugängliche Sounduniversum der Mathangi Arulpragasam auf ihrem neuen Longplayer »Matangi« vordringt, desto deutlicher schält sich aus dem darauf befindlichen Knäuel aus kreativer Versponnenheit, kalkulierter Rebellion und unbedingtem Innovationswillen die Erkenntnis heraus, dass auch der Volksmund nicht immer die Wahrheit spricht. Anders ausgedrückt: »Matangi« ist nicht der große Wurf geworden, den man sich erhofft hatte. Und über die Gründe dafür kann man nur spekulieren.

 

Der ursprünglich geplante Veröffentlichungstermin des Albums wurde ja deshalb verschoben, weil M.I.A.s Plattenfirma Interscope die damalige Version des Albums als zu fröhlich empfand, wo man die Künstlerin doch gerade so schön als roughe Rebellin mit dem nötigen Quäntchen Pop-Appeal positioniert hatte. Das wollte man sich natürlich nicht kaputt machen, aber vielleicht wäre genau dieses fröhliche Album besagter großer Wurf geworden. Wer weiß.

 

Der jetzige Longplayer erweckt jedenfalls den schalen Eindruck, lediglich ein Kompromiss-Produkt zu sein, hinter dem weder das Label, noch Künstlerin so richtig steht. Sicherlich, wirklich schlecht ist »Matangi« nicht, aber eben auch lange nicht so zwingend wie ihre Vorgänger. Stattdessen wirkt M.I.A. zwischen den übereinandergestapelten Sounds aus dem bewährtem Rap/Elektro/Orient-Gemenge von Switch und ihren unvollendet wirkenden Text-Ideen fast ein wenig verloren, ja, orientierungslos. Vielleicht zitiert sie im Titeltrack auch deshalb unzusammenhängend irgendwelche Ländernamen aus dem Weltatlas und geht einem damit bloß tierisch auf die Nerven – weil sie selbst nicht so richtig weiß, wohin mit sich.

 

Auf »Yala« (ihrer Version von dem von Drake massentauglich propagierten »Yolo«) schießt sie dann aus unerfindlichen Gründen gegen den guten Drizzy und raunzt ihm noch ein eingeschnapptes »Started from the bottom/but Drake gets all the credit« hinterher wie eine beleidigte Leberwurst – was auch immer Mathangi gegen den armen Mann hat. Dann reimt sie auf »Karmageddon« ein bisschen unbeholfen solche Zeilen wie »If you’re gonna be me you need a manifesto/If you ain’t got one you better get one presto«, und man fragt sich, was genau sie einem damit sagen will. Und dann wirkt sie über die gesamte Spielzeit des Longplayers auch noch häufig so, als hätte sie sich zur Vorbereitung auf ihr neues Album noch einmal fleißig ihre letzten Platten durchgehört, um aus den darauf befindlichen Bestandteilen etwas vollkommen Neues zu kreieren. Das ist ihr aber nicht gelungen. Leider. »Matangi« klingt wie eine schlechtere Version ihrer Vorgängeralben. Nicht schlecht, aber eben schlechter. Und wer braucht schon schlechtere Versionen von irgendetwas? Niemand.

 

»There is nothing that can touch me now«, erzählt sie an einer Stelle im Song »Come With Me«. Und wenn man sich ihrem neuen Album »Matangi« ernsthaft widmet, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass es einem beim Durchhören desselben leider genauso geht.

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